3. Dezember 2012

"Ich flippe aus und muss masturbieren"

Interview geführt von

Mit dem erfolgreichen dritten Album im Rücken begaben sich die Orsons Ende Oktober auf große "Das Chaos Und Die Orsons"-Tour. Für uns eine gute Gelegenheit, die als verrückte und unterhaltsame Interviewpartner bekannten Schwaben endlich persönlich zu treffen.Beim Stopp in Köln besteht im Orsons-Lager Grund zur ausgelassenen Stimmung: Im geräumigen Gloria Theater, in das man die Show aufgrund großer Nachfrage verlegte, wartet am Abend ein ausverkaufter Gig.

Zwischen Soundcheck und Abendessen nehmen sich die Chimperator-Künstler eine halbe Stunde Zeit um über "Das Chaos Und Die Ordnung", den ewigen Findungsprozess, die Tour mit Herbert Grönemeyer, ihre Soloprojekte und vieles mehr zu sprechen. Da Kaas nicht am Interview teilnehmen kann und Plan B sich ein wenig verspätet, startet die Runde mit Maeckes und Tua.

Wie läuft die Tour?

Tua: Uns gehts gut, die Tour läuft super. Wir haben viele ausverkaufte Dates. Das Feedback der Leute ist richtig geil. Es gibt massenhaft Menschen, die von A bis Z alles mitschreien. Die Leute freuen sich über alles, was wir uns im Vorfeld ausgedacht haben. Es funktioniert eigentlich lückenlos genauso, wie wir es uns im Proberaum ausgedacht haben.

Maeckes: Es ist die Show mit dem besten Spannungsbogen, den wir jemals hatten.

Tua: Es passiert auf jeden Fall alles. Immer wenn man denkt, dass es jetzt gerade so oder so wird, passiert wieder irgendwas, was man nicht erwartet hat. Auch für uns, wir sind selbst immer wieder überrascht.

Über die Entstehung des neuen Albums "Das Chaos ..." berichtet ihr auf der Bonus-DVD und in Interviews, dass die doch recht anstrengend und langwierig war. Würdet ihr das fürs nächste Album - falls es eins gibt - noch mal in Kauf nehmen?

Maeckes: Sehen wir von diesem "Gibts eins? Was geht da?" mal ab. Denn das wissen wir nicht - überhaupt keine Ahnung, was da passiert. Dazu äußern wir uns nicht. Aber ich glaube, wenn wir jetzt ein Album machen würden, würde das nicht so lange dauern. Denn dieser Findungsprozess hat unfassbar lang gedauert und war das Nervigste und Schlimmste überhaupt. Aber ein Stückweit haben wir gefunden, was wir machen wollen. Sprich: Wir hätten jetzt ein Rezept, um ein relativ schnelles Album zu machen.

Tua: Das glaub' ich auch. Und ich glaub' auch, dass uns einfach viel Einfluss von außen sehr viel Zeit gekostet hat. Es war für uns eine neue Situation, so viele Leute mit an Bord zu haben, die gerne mitreden wollen. Und auch so viel Unsicherheit. Denn als wir uns an das Album gesetzt haben, war klar, dass wir nicht mehr so sein wollen, wie wir bisher waren.

Sondern wir wollten den Facettenreichtum und auch die einzelnen Solokünstler mehr zulassen. Wie Maeckes gesagt hat, all das auszubalancieren war halt krass. Vor allem mit anderen Leuten, die dann sagen: Nee, wir finden, ihr solltet lieber so ... Jetzt wissen wir, dass wir auf gar niemanden mehr hören - nicht mal auf uns. (Lacht)

Aber diese Bandauflösung, die ihr immer wieder spaßeshalber in Interviews ansprecht ...

Tua: Das ist nicht spaßeshalber.

Zu dem Gedanken ist es also ernsthaft gekommen?

Maeckes: Immer wieder, also jeden Tag einmal. Das Problem ist: Die Orsons sind so eine Hassliebe, verstehst du? Wir haben die beste Zeit und die schlechteste Zeit. Und wir wollen auch nicht in der Mitte leben. Es gibt ja Menschen, die sagen: Für mich bedeutet Sicherheit, dass ich zwar keine Peaks nach oben hab', dafür aber auch nicht nach unten. Dann ist es immer gleichförmig okay. Und das gibts bei den Orsons nicht. Es gibt entweder die beste oder die schlechteste Zeit. Was anderes haben wir nicht.

Wenn du uns in Zeiten, in denen wir am Boden zerstört sind, nach einem Orsons-Album fragst, wollen wir das abstoßen und uns wieder in die Solosachen retten. Und wenn wir halt gerade die beste Zeit haben, dann antworten wir: Klar, warum nicht.

Im Sommer wart ihr mit Herbert Grönemeyer auf Tour. Was war das für eine Erfahrung?

Tua: Eine gute. Es war interessant zu sehen, dass wir auch in dem - in Anführungszeichen - Mainstream-Publikum, im Grönemeyer'schen Publikum Land sehen. Auch da sind wir echt gut weggekommen. Wir haben nie Buh-Rufe oder Ähnliches erlebt, sondern die Leute waren immer dabei. Wir mussten sie natürlich erst erspielen, das ist ein bisschen undankbarer als auf einer Solotour. Zum anderen war es auch krass zu sehen, was da für eine Infrastruktur dahintersteckt. Wir waren ja mit 150-200 Leuten auf Tour, diese Ausmaße waren beeindruckend.

Maeckes: Mal in 'nem Fußballstadion zu spielen, war auch eine nette Erfahrung.

Tua: Ja, die Arenen waren krass, Alter.

(Plan B betritt den Raum)

Hallo!

Plan B: Hallo, kennen wir uns nicht sogar schon?

Doch, vom Bon Iver-Konzert.

Natüürlich!

Nett, dass du dich erinnerst.

Tua: Wir sind doch keine schlechten Menschen, Alter!

Plan B: Sehr gerne. Ich hab' Bon Iver dafür vergessen.

Warum das? Betrunken?

Nee, das sollte ein Einstiegswitz sein ... in dieses Interview, Hallo?

Es ist möglicherweise nicht eure Lieblingsfrage, aber lasst uns mal über die Verkaufszahlen des Albums sprechen. Ihr seid auf Platz zwölf gechartet ...

Tua: Scheiß auf Verkaufszahlen, ganz ehrlich!

Also ist es euch wirklich scheißegal?

Tua: Es ist uns natürlich nicht scheißegal. Im Idealfall wärs uns scheißegal. Guck mal, wir haben da ein Problem, oder ich hab' ein Problem ...

Plan B: Das heißt Majorlabel.

Tua: Nee.

Plan B: Achso.

Tua: Das Problem ist, das wir uns einerseits beim Musikmachen größtenteils wie eine Band verhalten, die überhaupt keinen Fick darauf gibt, ob sie was verkauft oder nicht. Wenn es dann andererseits plötzlich darum geht, stellen wir uns trotzdem wieder mit anderen Leuten in eine Reihe - und schauen wie beleidigte kleine Mädchen, was wir verkaufen und was andere verkaufen. Und das sind halt zwei paar Schuhe, die man eigentlich nicht zusammen tragen kann. Denn entweder man macht Musik, die dafür gemacht ist, dass viele Leute sie hören wollen. Oder man macht …

Plan B: (fällt ihm ins Wort) Orsons-Musik.

Auch fürs neue Album gilt also, dass die Orsons Musik machen, die keine breite Masse hören kann?

Tua: Hm, sagen wir es so - ob man es dann hinterher hören kann, sei mal dahingestellt. Aber unsere Intention beim Musikmachen ist nicht, dass wir einen Song machen, den alle hören wollen. Und wenn wir doch mal so einen kalkulierten Hit machen, wie zum Beispiel bei "Horst & Monika", dann machen wir ihn wirklich so ekelhaft kalkuliert und krass, dass wir einerseits schon wieder drüber hinaus sind. Und andererseits nehmen wir halt ein Thema wie Geschlechtsumwandlung. (Lacht) Damit es auf keinen Fall ein Popsong ist.

Da du die Geschichte gerade ansprichst, zieh ich die Frage mal vor. Von außen hat man davon grob gesagt nur so viel mitbekommen: Ihr habt den Track über die linke Politikerin Monika veröffentlicht, wurdet dafür angezeigt, habt euch dann allerdings ausgesprochen. Könnt ihr das Ganze mal genauer schildern? Wie kam es denn zu dem Kontakt zu Monika?

Maeckes: Also zu Monika hatte Kaas, glaube ich, schon vor der Anzeige Kontakt. Die hatten echt schon öfters telefoniert.

Tua: Man muss auch sagen, dass Monika erst mal gar nicht diejenige war, die uns angezeigt hat. Sondern ATME, ein Verein für die Rechte von Transsexuellen in der Gesellschaft. Die sind doch, ähm, sehr aktiv - und haben dann gleich mit scharfer Munition geschossen.

Maeckes: Die ATME hat uns allerdings zuerst angeschrieben und wiederum Kaas hat dann mit den Verantwortlichen gequatscht und gesagt: Passt auf, wir wollen das Thema in den Medien, aber wir wollen jetzt nicht Transsexuelle durch den Kakao ziehen. Wir sind immer dazu bereit, einen Diskurs zu starten und das alles zu verteidigen. Und die haben gesagt: Cool, gebt uns das schriftlich. Das war alles vor der Anzeige.

Wir haben dann erklärt, dass wir ein bisschen Zeit brauchen, weil wir auf Tour sind und das ein bisschen dauern wird. Noch bevor wir es geschrieben haben, kam dann die Anzeige. Ich glaube, die kam einfach nur, um die Diskussion in die Medien zu holen. Und nach ein, zwei Telefonaten war es eigentlich schon geklärt. Es ist halt immer komisch, jemanden schnell anzuzeigen.

Hatte es sich dann sogar noch vor eurem Auftritt beim Bundesvision Song Contest erledigt?

Maeckes: Nee, da war das brandaktuell. Wir mussten sogar einen Ersatzsong abgeben, weil es nicht klar war, ob es eine einstweilige Verfügung gibt. Denn dann hätten wir das nicht spielen dürfen.

"'Alles Machen' - wir hassen diesen Song!"


Okay. Wir hatten vorher über Verkaufszahlen gesprochen.

Maeckes: Man muss zu dem Thema auch sagen, dass es in den anderen 51 der 52 Wochen im Jahr ein Top Ten-Album gewesen wäre. Mit denselben Verkaufszahlen hätten wir im Monat davor oder danach wahrscheinlich die Top Five geschafft. Deswegen heißt es jetzt nicht: Oh mein Gott, wir sind auch Platz 100 gechartet und haben kein Album verkauft. Sondern wir sind halt in dieser Woche knapp an den Top Ten vorbei. Und das ist natürlich behindert, wir wollten natürlich ein Top Ten-Album machen. Das muss man schon sagen. Die Verkaufszahlen an sich sind ja okay, aber im Vergleich zu Seeed ...

Tua: Ich muss kurz einlenken bei diesem "Wir wollten ein Top Ten-Album machen." Das stimmt a), aber stimmt b) auch nicht. Denn das ist ja wieder genau der Punkt. Wir haben uns im Vorfeld unfassbar viele Gedanken darüber gemacht, wer wir sein wollen. Wollen wir eine Band werden, die wirklich darauf aus ist, 150 Millionen Alben zu verkaufen? Und die dafür auch den Kompromiss eingeht und Musik macht, die ihr selbst nicht hundertprozentig zusagt? Oder wollen wir das nicht?

Wie Maeckes schon gesagt hat: Wir hatten schon den Anspruch an uns selbst, in den Top Ten zu charten. Gleichzeitig wollten wir aber auf gar keinen Fall Musik machen, wie … weiß ich nicht, Culcha Candela, oder sonst irgendwas. Oder jetzt scheiß mal auf Culcha Candela, egal. Einfach generell Musik, die uns persönlich in Sachen Machart nicht so zusagt.

Plan B: Culcha Candela!

Tua: Ach, die sollen auch machen, was sie wollen. Man hat mir mal gesagt, das sei eben deren Musikgeschmack. Und dann sag ich: Okay, dann sollen sies machen.

Maeckes: Aber woanders!

(Allgemeines Gelächter)

Tua: Lass sie doch, Alter. Ich will noch mal ganz kurz zurück, Entschuldigung. Ich wundere mich in letzter Zeit ein bisschen darüber, seit wann eigentlich die Verkaufszahlen so relevant sind - überhaupt nichts gegen dich, ich beobachte das nur in letzter Zeit öfters.

Das zeigt, was im Hip Hop für ein komischer Geist herrscht. Man ist eventuell sogar mehr Fan von jemand anderem, weil der mehr verkauft. Manche Fans sagen sich vielleicht sogar: Der ist ein krasserer Künstler als der, weil er mehr verkauft hat. Was ist'n das für eine Scheiße? Wir sind doch nicht im Fußball. Was auch immer, ich scheiß hart drauf.

Wie war das Feedback denn abseits der kommerziellen Gesichtspunkte? Wie fanden es die Leute, die euch wirklich wichtig sind? Wer das ist, sei mal dahingestellt.

Plan B: Mama fands gut, Papa fands gut. Weiter, nächste Frage.

Tua: Also ich kann von mir sagen: Den größten Teil des Albums mochten die Leute, auf deren Meinung ich was gebe, sehr gerne. Gerade auch die solomäßig angehauchten Sachen bzw. unsere kleineren Kollabos, wie "Unperfekt", "Lagerhalle" oder "Mars". Diese Sachen fanden die alle geil. An den Popexperimenten, über die wir auch innerhalb der Band etwas uneins sind, sprich "Horst & Monika", "Alles Machen" und vielleicht noch "Übertreiben Baby", scheiden sich die Geister.

Das sind übrigens auch drei Songs die wir, glaube ich, nicht noch mal machen würden, wenn wir jetzt nein Album machen würden. Wobei ich "Horst & Monika" da noch ein bisschen rausnehme, da steckt irgendwie noch mehr Gedankengut von uns drin. Aber "Alles Machen" und "Übertreiben Baby" würden wir in der Machart wahrscheinlich nicht mehr aufnehmen. Oder?

Maeckes: Ich finds krass, wie die live funktionieren. Das ist echt absurd.

Tua: Das stimmt, das ist verrückt. "Alles Machen" zum Beispiel, wir hassen diesen Song, das kann ich ehrlich sagen. Ich glaube, es gibt keinen in der Band, der den wirklich zu seinem Baby gemacht hat. Jeder Song ist sonst irgendwie das Baby von jemandem, aber "Alles Machen" kann keiner so richtig leiden. Wir haben ihn trotzdem drauf behalten, weil er halt von vornherein live so geil funktioniert hat.

Maeckes: Und weil die Aussage stimmt.

Maeckes, über dich wird sich seitens der restlichen Orsons ab und an lustig gemacht, weil du live angeblich nicht so perfekt singen kannst.

Tua: Hö, von mir?

Ja, bei 16bars hast du dich über den Schluss von "Horst & Monika" amüsiert.

Maeckes: Ja, Tua macht das immer!

Tua: Ach, ich kann live ja auch nicht singen, insofern ... (Lacht)

Macht ihr es euch denn zum Ziel, das ein wenig zu verbessern?

Tua: Also ich schon, ich möcht' schon gut singen.

Maeckes: Ich habs jetzt wieder vernachlässigt, aber ich will das eigentlich natürlich auch gerne können. Und wenn ich schon auf Bühnen singe, dann will ich wenigstens diese paar kleinen Tonfolgen hinkriegen. Ich singe ja bestimmt keine Schlenker, sondern den Basic-langweiligen-Singsang-Kram. (Lacht)

Tua: Aber dann möchte ich das auch korrigieren, das war wirklich nur eine Stelle, die ich meinte. Und zwar ...

Maeckes: Das "Horst & Monika"-Ende, das kann ich einfach nicht singen. Das konnt' ich noch nie! (Lacht)

Tua: Das hat er auch nicht geschrieben, weißte? Das hat er nur gesungen, das ist nicht sein Arrangement. Und da gibts diese eine Stelle.

(beide singen im Chor) "Von Horst zu Monika war es ein wei-TER Weg."

(Gelächter)

Tua: Und da war er immer irgendwo, Alter! Ich hab' immer rübergeguckt, er hat mich angeguckt und hat den Ton dann völlig daneben gesemmelt.

Maeckes: Da haben wir uns dann auch einen Spaß draus gemacht. Und ich habs dann auch immer extra anders gesungen. Weil ich wusste, dass Tua sich so aufregt, wenn ich jetzt wieder alles verändere. Das war so ein kleiner Insidergag. Und ich glaube, die anderen Sachen, die ich selber schreibe, kann ich auch einigermaßen singen. Bestimmt auch nicht als der beste Sänger, aber das geht noch durch, glaube ich.

Tua, bei dir hat man als Außenstehender sowohl durch deinen Output, als auch durch deine Statements das Gefühl, dass es sich ständig ändert: Mal hast du nur noch Lust aufs Singen, dann haust du - wie auch auf dem Orsons-Album - doch wieder krasse Rapparts raus. Wie siehts denn gerade eben aus? Auf der Platte ist ja beides vertreten und ich schätze, damit sind die meisten deiner Fans erst mal d'accord.

Tua: Ja, ich wundere mich krass. Beziehungsweise es hätte mir eigentlich klar sein müssen, dass die Leute voll gerne Raps hören, wenn man in einer Hip Hop-Band ist. Aber mir machts irgendwie auch weiterhin nicht so viel Spaß wie das Singen. Und ich glaube, das ist einfach nur Ehrgeiz-Scheiße.

Ich bin ein relativ ehrgeiziger Mensch - bei den wenigen Dingen, die ich mir in meinem Leben überhaupt auf die Fahne schreibe. Es reizt mich einfach, da besser zu werden. Ich übe nicht Tag ein Tag aus, so ist es nicht. Aber der Gesang als Mittel zum Ausdruck reizt mich im Moment immer noch mehr.

"Maeckes ist einfach ein grundböser Mensch."


Bartek bzw. Plan B, wie darf man dich jetzt eigentlich nennen? Legst du Plan B jetzt ab, oder war das ein Witz?

Plan B: Mh, also ...

Tua: (ruft dazwischen) Maeckes, Tua und Kaas, der nicht anwesend ist, beantworten diese Frage mit: JA.

Plan B: Letztes Jahr sollte ich mich in Matthäus umtaufen. Das hab ich dann aber vor Albumrelease verpasst, das wäre natürlich schön gewesen. Und jetzt soll ich wohl einfach Bartek heißen.

Ich hab dich jetzt einfach mal ungefragt bei deinem bürgerlichen Namen genannt.

Plan B: Ja, klar. Man sagt ja auch lieber Bartek als Plan B.

Maeckes: Die Fans rufen mittlerweile auch "Bartek, Bartek", wenn er irgendwelche Sachen macht.

Plan B: Mal sehen. Soll ich ihn ablegen? Was sagst du?

Kommt drauf an, was du solomäßig so vorhast, das wäre die nächste Frage gewesen.

Tua: Na, dann ists ja egal.

Plan B: Dann ist es eh egal!

(Gelächter)

Dein letzter Release liegt tatsächlich schon etwas zurück.

Peggy von Chimperator: (aus dem Off) 16. Juni 2013, ne?

Plan B: Stimmt, da kommt das Bartek-Album! Mein erstes Album!

Tua: 16. Juni 2226.

Also weißt du noch nicht, wies weitergeht?

Plan B: Ach, ich mach' erst mal, der Name ist zweitrangig. Aber Bock habe ich schon. Wenn ich 'nen Laptop hätte, würde ich so krasse Sachen machen. Mir ist am zweiten Tourtag mein Laptop kaputt gegangen. Ich wollte eigentlich so viel Mucke machen und so. Jetzt sitzen alle um mich und machen Mucke. Und ich flippe aus und muss masturbieren - aus der Phantasie.

(Gelächter)

Wenn wir gerade beim Thema Solopläne sind: Es gibt bestimmt Leute, die auf Tua- und Maeckes-Alben warten. Habt ihr denn schon Pläne? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr keine habt.

Tua: Wir sagen dazu jetzt mal noch nichts. Wir sind aber am Überlegen, das kann man schon so sagen. Es ist auf jeden Fall noch nichts fix. Ich hab' aber Bock, was zu machen. Und Maeckes hat auch Bock - und auch schon Sachen, oder?

Maeckes: Nobody knows. Also Bock auf jeden Fall. Aber wie, was, wo, wann, wer, warum, weshalb und wo ...

Plan B: Das stand alles in meinem Laptop.

Tua: Es kann gut sein, dass irgendjemand ein Soloalbum macht. Aber es kann auch genauso gut sein, dass wir uns - um einmal konsequent zu sein - einfach wieder an ein Orsons-Album setzen.

(Maeckes und Plan B imitieren lautstark Infarkt-Geräusche)

Plan B: Was hat er gesagt?! Das verbotene Wort!

Tua: Okay, vergiss das Orsons-Album. (Lacht)

Doch noch eine Frage an dich, Maeckes. Du bastelst mittlerweile auch Beats für andere Künstler, einer davon ist mit "Wage Es Zu Glauben" auf dem Xavas-Album gelandet. Machst du in der Richtung weiter?

Maeckes: Ja. Wie es dann läuft, kann ich dir noch nicht sagen. Aber in letzter Zeit habe ich viel produziert und dabei gelernt. Und ich lerne immer noch. Mittlerweile bin ich im nächsten Level, im nächsten Ninja-Modus angekommen, habe einen Checkpoint bei der Bergbesteigung erklommen.

"Wage Es Zu Glauben" hat sich für meinen Geschmack auch schon deutlich von den Sachen auf deiner "Manx"-EP abgehoben.

Maeckes: Danke.

Tua: Maeckes kann, Maeckes kann.

Maeckes: Aber die Post-"Wage Es Zu Glauben"-Sachen werden auch noch krasser. Für mich ist die Tour in der Hinsicht auch super, weil ich den ganzen Tag nur Musik mache. Ich habe viel von meinen Yoda-Lehrern YouTube und Tua gelernt - und jetzt gehts richtig rund.

Ich hab' mich sehr gefreut, dass Xavas den Beat gepickt haben. Die waren ja bei mir im Studio, ich habe so einen kleinen verschimmelten Schimmelraum in einem alten Gebäude in Stuttgart. Da hingen die bei mir rum. Dann hab ich den Beat angemacht und hab so das Glänzen in den Augen gesehen und dachte: Okay, krass. Das freute mich natürlich. Also wenn irgendjemand Beats braucht: Meldet euch. Es ist zwar sehr horrend, weil ich jetzt 'n richtig krasser Produzent bin. Aber ihr könnt trotzdem gerne kommen.

Noch mal eine etwas speziellere Frage zum Orsons-Album: Wer hat eigentlich die epische Refrainmelodie aus "Für Immer Berlin" geschrieben?

Plan B: Kaas.

Tua: Manche wissen übrigens gar nicht, dass J-Luv mit auf dem Song ist. Der macht Backup-Vocals. Ich bin ja in Berlin in einem Studiokomplex mit diversen netten Nachbarn. Als ich in der letzten Phase vor Albumabgabe an dem Song saß, war J-Luv gerade im Studio gegenüber. Den hab ich dann geschnappt und gesagt: Komm mal mit und mach ein paar Backup-Vocals. Das ist ein sehr netter und unkomplizierter Kerl.

Tua, als wir uns vor einem Jahr in Stuttgart anlässlich deiner Solo-EP zum Interview trafen, hast du gesagt: "Bei mir ist es so, als würde ich mich mit Dostojewski-Texten auf die Bühne von Mario Barth stellen." Habt ihr eine derart schöne und treffende Metapher auch für die Orsons parat?

Plan B: Mario Barth-Texte für ein Dostojewski-Publikum.

(Gelächter)

Tua: Das lassen wir so stehen.

Plan B: Punkt.

Außerdem hast du im Interview über gemischte Gefühle gegenüber des Cro-Hypes gesprochen. Habt ihr euch - vielleicht auch dadurch, dass Chimperator derartig gewachsen ist - mittlerweile davon freigemacht?

Tua: Ja, voll. Echt.

Plan B: Es wächst stündlich. Ich wette, jetzt sind schon zwei neue Mitarbeiter da.

Tua: Es wachsen unendlich viele Mitarbeiter und ungeheuer viele Acts aus dem Boden heraus. Aber klar, für uns als Firma ist das natürlich eine coole Sache. Ich freue mich sehr darüber, dass man einen so krassen wirtschaftlichen Erfolg hat - der uns natürlich sozusagen auch direkt wieder in die Tasche spielt und uns viele Türen öffnet. Außerdem ist Cro halt einfach ein netter Kerl. Das steht halt auch eigentlich außer Frage. Daher also keine gemischten Gefühle.

Das Problem ist in dem Moment ja auch nie Carlo. Das Problem ist, dass man sich vergleicht. Denn die Verkaufszahlen stehen ja sehr im Interesse der Öffentlichkeit. Dadurch entsteht ein sehr neidisches und Schwanzvergleich-artiges Klima, in dem man dann irgendwie Äpfel mit Birnen vergleicht.

Und um das ehrlich zu dokumentieren, habt ihr auch den Tourbus-Mitschnitt mit in die Orsons-Doku genommen, in der ihr euch über die Chimperator-Führung ärgert ...?

Tua: Zum Beispiel, ja.

War das keine schwere Entscheidung?

Tua: Nö, Maeckes ist einfach ein grundböser Mensch. (Lacht) Nee ey, das ist unser Leben, unser Alltag. Da sieht man dann, dass wir uns in einem Moment mega über so was aufregen können. Aber wenn man in sich geht und das mal reflektiert, merkt man natürlich auch, dass das Blödsinn ist. Das ist halt immer eine emotionale Sache.

Nennt mir zum Schluss doch noch eure persönlichen Alben des Jahres - allgemein bitte und in Sachen Deutschrap.

Maeckes: Ich weiß nichts mehr.

Plan B: Was kam den raus? Ah, Max Herre fand ich cool, doch.

(Stille)

Marsimoto?

Plan B: War Marsimoto dieses Jahr? Unbedingt, auf jeden Fall! Fand ich toll.

Tua: Deutschrap-Album weiß ich keins. Ein sehr schönes Album, das ich wirklich viel gehört hab, war Frank Ocean. Ja, ich glaube das ist mein Album des Jahres.

Maeckes: Ich weiß es echt nicht. Komisch, was ich viel gehört hab – auch wenns nur alte Socken sind – ist das Antony & The Johnsons-Livealbum.

Tua: Ich wüsste doch noch eins! Das kennt kaum jemand, aber das ist großartig: Jakwob mit "The Prize". Das ist ein Freedownload-Album, deswegen ist es mir gerade nicht eingefallen. Da sind aber krasse Leute drauf, ganz viele UK-Stars. Freedownload, aber ein Wahnsinnsding.

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