laut.de-Kritik

Den Pop retten (nur um ihn elend verrecken zu lassen).

Review von

Aufgehorcht! Mit "Pop & Tod I + II" gelingt der Heiterkeit das Highlight ihrer bisherigen Karriere. Man munkelt, dass sie mindestens den Pop retten, nur um ihn danach elendiglich verrecken zu lassen.

Das absolut Beste an "Pop & Tod I + II" ist natürlich die neue Besetzung. Mit dieser findet Stella Sommer endlich die perfekte Umgebung, um ihre Ideen umzusetzen. Zwar war Rabea Erradi von der Band, die vor vier Jahren mit "Herz Aus Gold" ihr Debüt veröffentlichte, während der Aufnahmen noch dabei, aber auch dieses Kapitel hat nun ein Ende gefunden. Sommer steigt zum deutschen Robert Smith auf. Ab nun dürfen Sonja Deffner (Synthesizer), Oracles-Mitglied Hanitra Wagner (Bass) und Messers Philipp Wulf (Schlagzeug) mitspielen. Mal schauen, wie das auf dem nächsten Longplayer aussieht.

Das absolut Beste an "Pop & Tod I + II" ist natürlich die Stimmung. "Da wo ich wohne, ist es immer kalt, kalt, kalt", singt Sommer im schockgekühlten "Die Kälte" und hat vollkommen recht. Morgenfrost überzieht das komplette Album, legt sich bitterkalt über die Songs. Wer in der heißen Jahreszeit eine Abkühlung braucht, drückt sich "Pop & Tod I + II" auf die Stirn. Das sollte ausreichen.

Das absolut Beste an "Pop & Tod I + II" ist natürlich der Klang. Produzent Moses Schneider (Tocotronic, Olli Schulz, AnnenMayKantereit) hilft der Heiterkeit, ihren eigenen Weg zu finden. Keine Dramatik. Keine Effekthascherei. Keine Anbiederung an die moderne Popkultur. Stattdessen bleibt alles in der Schwebe und frei von einer ultimativen Deutung. Ohne sich ständig zu wiederholen, umwinden sich Hall, sakrale Chöre, Synthie-Streicher, hauchzarte Bassläufe und ein diskretes Schlagzeug zu einem ständig präsenten, andächtigen Sound voller Melancholie. Dieser hält die 20 Songs trotz ihrer Zweiteilung zusammen.

Das absolut Beste an "Pop & Tod I + II" ist natürlich der Gesang. Stella Sommers schummrige Stimme findet in diesen Arrangements den richtigen Rahmen. Auf sich allein gestellt, wirkt ihr warmes, tiefes Organ zeitweise etwas aufgesetzt. Dies verliert sich jedoch im Chor mit Deffner und Erradi. Düsternis steht der Helligkeit gegenüber, erst daraus entsteht das erhabene Klangbild.

Das absolut Beste an "Pop & Tod I + II" ist natürlich der Plural. Tatsächlich handelt es sich um zwei streng voneinander getrennte Spannungsbögen, was die Vinyl-Edition noch mehr verdeutlicht. Zwei Anfänge, zwei Enden. Auf "Pop & Tod I" fallen Auftaktsong ("Die Kälte") und der liebliche Abschied vom Leben in "The End" grandios aus. "Wenn es so weit ist, werden wir es wissen, es kommt immer anders als gedacht. Es wird in Ordnung sein." Diese Vorlage erreicht der zweite Teil trotz Männerchors in "Haben Die Kids" nicht mehr ganz.

Das absolut Beste an "Pop & Tod I + II" sind natürlich die Songs. Der sonore Zweifel in "Im Zwiespalt" ("Im Zwiespalt sitze ich bequem"). Die Abrechnung mit den eigenen Ikonen in "Große Namen" ("Ein Blick auf die Fassaden, es bröckelte so lang. Es bröckelt, es bröckelt vor sich hin"). Das sich über sechs imposante Minuten zunehmend verdichtende "Komm Mich Besuchen". Die besonnene Romantik im melancholischen "Das Ende Der Nacht" ("Dann kommst du zu mir in der letzten Instanz / Und bringst mir etwas, das ich nicht verstehen kann: das Ende der Nacht"). Der signifikante Titelsong "Pop & Tod" mit seinen Chören, seinem Klimpern und dem vorbeirauschendem Schlagzeug ("Strophe, Refrain, dazwischen zerrissen"). Anstatt den Alltag aufzublasen und kunterbunt anzustreichen, zieht Stella Sommer das nicht Greifbare in eben diesen Alltag herab. In die LP-Auslaufrille lassen die Heiterkeit "Gott dieser Kammer, Jesus dieses Lochs, ich weiß nicht, woher es kommt, ich weiß nur, dass es sterben muss" ("Genie Bei Der Arbeit") ritzen.

Das absolut Beste an "Pop & Tod I + II" ist natürlich "Pop & Tod I + II". Gerade einmal vier Jahre nach "Herz Aus Gold" schaffen die Heiterkeit über die enttäuschende Zwischenstation "Monterey" eine Weiterentwicklung, für die Tocotronic weitaus länger und weitaus mehr Longplayer brauchten. Mit diesem zweiteiligen Monolithen erschaffen sie ihr ganz eigenes "weißes Album". Mit diesem zweiteiligen Monolithen erkunden sie die Zerbrechlichkeit. Mit diesem zweiteiligen Monolithen definieren sie sich selbst.

Trackliste

  1. 1. Die Kälte
  2. 2. Betrüge Mich Gut
  3. 3. Im Zwiespalt
  4. 4. Panama City
  5. 5. Pop & Tod
  6. 6. Vergessen
  7. 7. Große Namen
  8. 8. Haus Außerhalb
  9. 9. Dunkelheit Wird Niemals
  10. 10. The End
  11. 11. Heller Morgen
  12. 12. Weiße Elster
  13. 13. Schlechte Vibes Im Universum
  14. 14. Dünnes Eis
  15. 15. Genie Bei Der Arbeit
  16. 16. Ein Gutes Buch
  17. 17. Halt Mich Zurück
  18. 18. Das Ende Der Nacht
  19. 19. Komm Mich Besuchen
  20. 20. Haben Die Kids

Preisvergleich

Shop Titel Preis Porto Gesamt
Titel bei http://www.amazon.de kaufen Die Heiterkeit – Pop & Tod I+II €8,86 €3,00 €11,87

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Die Heiterkeit

Am Ende der Musik steht vielleicht die Rückbesinnung auf die dagewesene Musik. In einer Zeit, in der immer mehr Musikenthusiasten vom Glauben an eine …

1 Kommentar mit 24 Antworten

  • Vor 5 Jahren

    Nabelschlitz übertreibt nicht. Genau so eine pathetische Review muss es sein bei diesem Album. AOTY-verdächtig.

    • Vor 5 Jahren

      Nur mal so als erste Einschätzung nach zwei Durchläufen, aber gemessen an dem was ich dieses Jahr bisher gehört habe, ja. Gut, bei Radiohead muss ich noch aufs reguläre Releasedatum warten und das Jahr ist noch lang, aber es scheint mir schon ein sehr gutes Album zu sein. Besonders hervorzuheben wäre die Stimme (eine Art deutsche Victoria Legrand) im Zusammenspiel mit den Lyrics. Funktioniert super!

    • Vor 5 Jahren

      mit englischem gesang würde es mir mehr zusagen.

    • Vor 5 Jahren

      Würde es aber kein Deut besser oder schlechter machen, je nach Sichtweise. Will sagen: Es ist gut so wie es ist. 4 Sterne auch von mir.

    • Vor 5 Jahren

      Genau das habe ich auch gedacht. Mich erinnert das Ganze an Velvet Underground & Nico. Allerdings finde ich, dass diese Stimme mit englischem Gesang besser zur Geltung käme. Warum kann ich auch nicht genau sagen, weil ich durchaus deutschen Gesang mag...

    • Vor 5 Jahren

      ...aber Die Heiterkeit eben die Qualität für eine internationale Produktion mitbringt.

      Habe mich auch viele Jahre mit deutschem Gesang schwer getan und tue es auch heute noch öfters, hab aber da inzwischen ein rein subjektives "Wenn's passt, dann passt's!"-Kriterium eingefügt.

      In seltenen Fällen wie bei der Heiterkeit passt's und darüber hinaus hab ich das Gefühl, dass es auf englisch genauso gut passen würde (und ich ihr den internationalen Zuspruch gönnen würde, auch aus der jüngeren leidigen Diskussion mangelnder (Produktions-)Qualität in deutschen Studios heraus betrachtet.

      Ach ja, falls Fragen kommen:
      Ich bin ich und bleib das auch drum hör gut zu und schreib das auf, denn soulburn rippt das Mic und schickt euch greetings via brigitte raus, yoa!

    • Vor 5 Jahren

      Hatte schon überlegt mir den Nick zu sichern, bevor es ein Wicht mit unlauteren Absichten macht, und ihn dir dann feierlich zu #november16 via deinem Soundcloud-Account zu schenken. So ists aber auch recht :) (zumindest solange du dich nicht doch noch als bösartige soulburn-Emulation entpuppst)

    • Vor 5 Jahren

      So miese Rhymes würde nur ein aufrichtiger Genrefremder droppen. Und die sind auch noch geklaut... :D

      Der Gedanke mit dem sichern kam mir glücklicherweise ebenfalls recht schnell nach dem Desaster ;)

      ...aber danke auch für's freundliche wb. Ich könnte jetzt Geschichten von brigitte.de erzählen... Da ist es echt völlig anders, als man es sich aus einer läppisch hinterhergeworfenen Beleidigung erwarten würde!

    • Vor 5 Jahren

      Wherever you've been. Welcome back.

    • Vor 5 Jahren

      @Faden
      fragt sich nur, wie lange souli diesmal bleibt... Wer hat sich jetzt eigentlich Morphos Nick geschnappt?

    • Vor 5 Jahren

      Hey Souli, allah, nun verpiss dich wieder, hm? :-)

    • Vor 5 Jahren

      @Moody: Und wer willst du bitteschön seihn?=

    • Vor 5 Jahren

      @moody
      Nicht allzu lange bzw. allzu intensiv. Bin jetzt erst mal wieder gesund und trete nächste Woche eine neue RL-Stelle an, Arbeitsvertrag ist unterschrieben.
      Langfristig arbeite ich an einem soliden Drive by Poster-Status, wie bspw. jenzo ihn inzwischen hier hat :)

      @harry
      Freue mich auch, dich zu lesen. Das Antagonisten-System auf dieser Seite hat schon seinen Zweck. Die Zeit bei brigitte.de war dahingehend echt lehrreich, würde ich dir auch mal empfehlen, auch wenn ich den Eindruck habe, dass dich dein Treiben hier bereits völlig auslastet.

      #freemorpho

    • Vor 5 Jahren

      Souli, keine Angst. Mich lasten die paar drive-by-posts gewiss nicht aus. Eh alles Opfer hier. Schöne Grüße aus London ... achso ... und schöne Grüße von asuna. ;-)

    • Vor 5 Jahren

      ach gott. halt doch endlich mal deine behinderte fresse. harry m, das mitteldeutsche melanom der kommentarspalte. das dich diese immergleiche, lappenhafte masche nicht selbst langweilt... :whiz:

    • Vor 5 Jahren

      Auch von mir ein herzliches WB Souli, und auch ein herzliches Willkommen im erlauchten Kreis der Drive-By-Poster!

    • Vor 5 Jahren

      Schön, dass es dich wieder gibt. Die neue Staffel startet gut!

    • Vor 5 Jahren

      Willkommen zurück, Souli! :) Qualität in den Kommentaren schadet nie, egal ob per Drive-by oder Dauerbeschuss. Vor allem dann nicht, wo wir doch immer wieder von gewissen Dunkeldeutschen heimgesucht werden.

    • Vor 5 Jahren

      Ich tausche das "wo" gegen ein "wenn". ;)

    • Vor 5 Jahren

      Hey Icy, domme Sau. :-) Willst nicht mal deine Halsschlagader öffnen? Einfach so. :-) /:#(

    • Vor 5 Jahren

      Also wirklich, und das im Ramadan! Küsst du eigentlich deine Mutter mit diesem Mund?

      Danke aber, dass du wie immer sofort am Stiso bist, um mir mal so richtig einen mitzugeben, du cleverer Strippenzieher, du! ;)

    • Vor 5 Jahren

      Keine Ursache. Die latente Ostdeutschenfeindlichkeit und die fortwährende Diskriminierung ist widerlich und unerträglich. Die Reaktion meinerseits ist meiner diplomatischen Grundhaltung entsprechend zurückhaltend bis vorsichtig herantastend. Zukünftig wird hier aber ganz anders durchgegriffen. Ein bisschen Demut würde euch aus dem Westen (momentan eigentlich Osten, aber wir wollen nicht spitzfindig sein) also gut tun. Zu lange habt ihr am Schwanz der Amis genuckelt und euch von eben jenem Zucker in den Arsch blasen lassen.

      #wirtschaftswunderlüge
      #h&m_uservernichter

    • Vor 5 Jahren

      ums mal mit mike the bikes worten auszudrücken ,..