laut.de-Kritik

Das ruhmlose Ende eines Phänomens.

Review von

Wie schade, dass wir hier angekommen sind. Die Antwoord ist am Ende, ihr letztes Album auf dem Markt – und das Duo steht vor einem Scherbenhaufen. Was sich in der Mitte des Jahrzehnt als kleiner Nischen-Mythos in den besten Momenten genuin überlebensgroß angefühlt hat, steht nun verbeult und ausgetragen am Rande der Obskurität. Wir wussten alle, dass das Gimmick des südafrikanischen Schock-Rap-Duos irgendwann abstumpfen, dass die Hits versiegen würden. Es hätte aber mit ein bisschen mehr Würde passieren können als mit "House Of Zef".

"House Of Zef" ist das fünfte und offiziell letzte Projekt von Die Antwoord, ein letzter Versuch, die Magie ihrer "Donker Mag"-Zeiten wieder aufleben zu lassen; als ihre viralen, kuriosen Musikvideos und potenten Rave-Hip Hop-Banger das Internet im Sturm erobert haben. Nachdem die Weiterentwicklung zum elektronischen Trap-Artist auf "Mount Ninji And Da Nice Time Kid" aber krachend scheiterte und "Banana Brain" ihre letzte semi-virale Single zu sein scheint, fühlt sich "House Of Zef" wie eine Nachgeburt an. Stehengeblieben auf dem Mittelstreifen werfen Ninja und Yo-Landi Vi$$er die Flinte ins Korn.

Dabei fängt das Album wenn nicht spektakulär, doch akzeptabel an. Gibt es Songs, die als Highlight funktionieren, sind es eindeutig "Naai Is 'N Lekker Ding" und Intro "Open The Door". Beide kommen mit scheppernden, elektronischen Beats und der gehörigen Portion Afrikaans-Aggression daher, klingen außerirdisch genug und halten sich kurzweilig und tanzbar. Die Nummern klingen wie das, was die B-Seiten ihrer besseren Alben hätten sein sollen, nicht ganz so ikonische Nummern, etwas gedämmte Hooks, aber schnippisch, catchy und mit klarem Zef-Spirit. Man erkennt den Geist von Die Antwoord: Ein wenig wie American Horror Story trifft New Kids, umgezogen nach Südafrika.

Aber wenn schon die Highlights eher gesichtslos ausfallen und zwischendurch höchstens noch ein paar schräge Cypher-Cuts mit ziemlich belanglosen Gast-Features und bestensfalls soliden Dance-Beats wie "Lambo Life" den Standard halten, läuft etwas schief. Die Antwoord sind Singles-Artists, ihre Höhepunkte fanden sie immer in bizarren Bangern mit unverwechselbaren Hooks und sofort-viralen Musikvideos. "House Of Zef" hat nichts dergleichen in petto. Und ein Die Antwoord-Album ohne passable Single, ohne Flaggschiff ist wie ein John Wick-Film ohne Kampfszenen.

Aber selbst wenn das Positive überzeugen würde, gäbe es keine Rechtfertigungen für die Unmengen an bizarrem Ramsch, der den Weg auf diese Platte gefunden hat. Eine gute Hälfte weist Interlude-Charakter auf, ohne Sinn oder Verstand, sei es "My Life Is A Porno", wo eine fiktiver MC schlecht darüber rappt, wie toll der Penis von Ninja sei, dem imposant nervtötenden "Ho$h Ho$h Ho$h" oder dem komplett sinnentleerten Spoken Word-Interlude "When The Sun Goes Out".

Im Ernst, ab der zweiten Hälfte der Platte fühlt man sich, als wäre man nach einem spätnächtlichen YouTube-Binge eingeschlafen und die Autoplay-Funktion trüge einen nun in die schrägen Gefilde der Plattform, die dann in die Albträume sickern. Mehrmals möchte man gucken, ob das Album überhaupt noch läuft oder ob man in einem schrägen Song-Radio gelandet ist. "No 1" klingt legitim, als gehöre es zu einem anderen Album und zu einem anderen Artist.

"House Of Zef" hinterlässt den Hörer ohne Explosion, ohne Rauch. Man merkt, wie sehr die Luft aus dem Konzept raus ist, wie sehr die (wohl berechtigten) Vorwürfe über die Arschigkeit des Duos an ihnen nagt. Ihr Moment ist vorbei, 2020 interessiert sich fürwahr keine Sau mehr für Die Antwoord und selbst Yo-Landi und Ninja können nur noch halbherzig so tun, als gäben sie einen Fick. Es wäre schön gewesen, hätte ihre schräge Geschichte mit einem Knall geendet. Stattdessen sind Die Antwoord halb verdurstet in der Obskurität angekommen.

Trackliste

  1. 1. Open The Door (feat. Panther Modern)
  2. 2. Zonke Bonke (feat. Bukhulubakhe & Gqwa!)
  3. 3. Da Godz Mus B Krazy
  4. 4. Naai Is 'N Lekker Ding (feat. Moonchild Sanelly, Gqwa!, JouMaSePoes)
  5. 5. My Life Is A Porno (feat. Smiley)
  6. 6. Lambo Life
  7. 7. When The Sun Goes Out (feat. Roger Ballen)
  8. 8. Don't Sleep
  9. 9. Bang On Em
  10. 10. Ho$h Ho$h Ho$h (feat. Bobajan & Skelm)
  11. 11. Future Baby
  12. 12. No 1

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1 Kommentar

  • Vor 8 Monaten

    Die waren auch gefühlt nur für ne Woche cool. Hat sich dann ziemlich schnell abgenutzt, ihr Ding.

    An manchen Teilen der Anschuldigungen kommt mir so manches komisch vor. Aber insgesamt haben sie viel verbrannte Erde und einen ohnehin schlechten Ruf in Musikerkreisen hinterlassen. Kann schon was dran sein.