laut.de-Kritik

Er bleibt einfach der "Beste Wo Gibt".

Review von

Eigentlich mag ich keine Live-Alben. Im Fall Dendemann sollte man sich allerdings ob jedes greifbaren Lebenszeichens in Frohsinn und Dankbarkeit ergehen. Señor Larusso zählt schließlich nicht gerade zu denen, die ihre Fans im Halbjahresrhythmus mit frischen Veröffentlichungen zukacken, und "Die Pfütze Des Eisbergs" ist schon fast verdunstet. Ein neuer Longplayer soll zwar in Arbeit sein, aber man weiß aus der Vergangenheit, wie lange sich solche Entstehungsprozesse zuweilen hinziehen. Ein Wiedersehen mit dem derbsten Reimer und einigen seiner Ergüsse schadet also überhaupt nichts.

Zumal "Abersowasvonlive" keineswegs nur den Mitschnitt einer Show auffährt, im Gegenteil. Mit einer brandneuen Nummer legt Dende "Abersowasvon" einem Start hin, dass mir instantan aufgeht: Hölle, was hab' ich den Kerl vermisst! Seine ungebrochen reibeiserne Stimme reitet nach einem A-capella-Einstieg einen sägend voranbratzenden Beat, dass es eine einzige Freude ist.

"Ohne Wenn und Aber, aber wenn, nie ohne Bock!" Ein hehres Versprechen, das über weite Strecken eingelöst wird. Aufgezeichnet in der Stuttgarter Röhre, präsentiert Dendemann ausgewählte Spritzer aus seiner "Pfütze", greift mit dem überaus handfesten Lovesong "Lieblingsmensch" auf seine "Das Schweigen Dilemma"-EP zurück und schwelgt mit "ErsoIchso" noch einmal in unvergessenen Eins Zwo-Klassikern.

Leichte Lustlosigkeit schimmert lediglich durch "Endlich Nichtschwimmer", das ich deutlich schwungvoller im Ohr hatte. Das kleine Formtief löst sich mit der nachfolgenden "Inhalation" in der Interaktion mit vielleicht nicht dem musikalischsten Publikum der Welt, wohl aber einem, das bestens gelaunte Sangesfreude zelebriert, in Wohlgefallen auf.

Mit aufgewärmtem Material allein speist Dendemann seine Gemeinde nicht ab: Er kredenzt neben den Livetracks mehr als ein halbes Dutzend bisher unveröffentlichter Songs. "Gangsterbraut" wirbt um Verständnis für die geplagte Ganovenzunft und analysiert den Zustand von Hip Hop dieser Tage, "wo kommst du her, wo gehst du hin?", ohne in altväterliches Moralisieren zu verfallen. Gegen die Liebe zu Cuts, Beats und Raps ist letztlich ohnehin kein Kraut gewachsen.

Wer dies erkannt hat und sich zudem nicht allzu ernst nimmt, darf sich mit vollem Recht als der "Beste Wo Gibt" abfeiern lassen. Zur Markanz seiner Stimme gesellen sich bei Dendemann eine vor Bilderreichtum schier berstende Sprache, ein umfangreicher Wortschatz, ein scharfes Auge für Geschichten, die Brüder Witz und Ironie sowie eine sich seit Jahren kontinuierlich verbessernde Technik.

Also, "könnt Ihr mal bitte Euren alten Kumpel Dende begrüßen?" Er hat's verdient, schließlich ist er nachweislich "der Kerl, der das Drecksniveau hebt". Das Gesamtpaket "hat Hand, hat Fuß, hat Leib und Seele" und hievt den, der es schnürte, regelmäßig zurück in meine persönlichen Deutschrapper-Top-Ten. "Eigentlich fühlt sich alles richtig an, mehr kann man nicht verlangen, ich sollte mich entspannen."

Angesichts der Beats übermannt mich trotz alledem leise Wehmut. An den flächigen Keyboards aus "Soulda?Wohlwahr!", den knarzenden Klängen von "Meins", der geduckt-fiesen Lästerei "Volker Racho" und der orgelnden, durchaus funky angehauchten Synthiebasis von "Diplomaten Küsst Man Nicht" bleibt an sich wenig auszusetzen. Auch die rhythmische Schräglage von "Dendemänner Braucht Das Land" vefügt über einen gewissen Reiz. Ich vermisse nach dieser Überdosis Plastik dennoch die Sample-getragene gute alte Zeit.

Trackliste

  1. 1. Abersowasvon
  2. 2. Beste Wo Gibt (Live)
  3. 3. So Siehts Aus (Live)
  4. 4. Das Erste Mal (Live)
  5. 5. Endlich Nichtschwimmer (Live)
  6. 6. Inhalation (Live)
  7. 7. ErsoIchso (Live)
  8. 8. Lieblingsmensch (Live)
  9. 9. Gangsterbraut (Live)
  10. 10. Sensationell (Live)
  11. 11. Hörtnichauf (Live)
  12. 12. Beste Wo Gibt
  13. 13. Gangsterbraut
  14. 14. Diplomaten Küsst Man Nicht
  15. 15. Soulda?wohlwahr!
  16. 16. Meins
  17. 17. Volker Racho
  18. 18. Dendemänner Braucht Das Land

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LAUT.DE-PORTRÄT Dendemann

Erlangen liegt nicht im Sauerland. Wohl aber Menden. Daher stammt er, der Dende. Wirklich und wahrhaftig eine "Unschuld vom Lande", wenn man es so betrachtet.

34 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    Wer das Album die Pfütze des Eisbergs mochte wird dieses Album vermutlich lieben.

    Wunderbare satte Beatz, Dendes unverwechselbare raue Stimme, der Flow und nicht zu letzt der gewohnte Wortwitz der einen immer wieder schmunzeln lässt...

    Eine Mischung aus alten und neuen Tracks in der Live version bei denen man hört wie viel Stimmung bei Dendes Konzerten aufkommt, plus weiteren neuen guten Tracks machen aus diesem Live Album mehr als nur einen Konzertmitschnitt!

    Wer Wortwitz mag und auch mal gerne mehr Instumental-Part in nem Track hat als nur nen Sample wird großen Spaß an der Platte haben-

    Ich als Absoluter Dendemann-Fan bin jedenfalls total geflasht von dem Album.
    Nach langer Durststrecke mal wieder ein Kauf der sich richtig gelohnt hat!

  • Vor 12 Jahren

    werte dani,

    da haste sogar mich neugierig gemacht :)

    ....aber dass du keine livealben magst.....

  • Vor 12 Jahren

    Uhhh,eigentlich bin ich totaler Eins Zwo/Dendemann-Fan ,aber brauch ich Songs die ich besitze zweimal ? Gleichen die neuen (sicher genialen) Lieder das aus ? Ich weiß nicht vielleicht warte ich doch lieber auf eine ganz neue LP.

  • Vor 12 Jahren

    @Sodhahn (« @lautuser («
    Was heißt Thread-Reanimation? Bin durch Zufall auf ein paar Reviews gestossen, die mir sehr aufgestossen sind, da habe ich mal ein paar andere Reviewer und Reviews gecheckt.

    Grad im Bereich "Reviews" halte ich Thread-Reanimieren für gut - Musik ist zeitlos und jeder entdeckt das ein oder andere Album zu einem ganz anderen Zeitpunkt. Und wenn man dann was dazu zu schreiben hat, sollte man keine vorauseilende Rücksicht oder Gehorsam walten lassen, nur weil ein paar User es nicht ok finden ältere Threads "nach oben zu holen".

    Oder? »):

    mach doch was du willst, fühlte mich bloss ein wenig an deine anfangstage hier erinnert... »):

    Ach was.. Du weißt doch, bei mir hat alles immer einen Sinn!

    :D

  • Vor 12 Jahren

    @lautuser («
    Ach was.. Du weißt doch, bei mir hat alles immer einen Sinn!

    :D »):

    das wolln wa doch mal stark hoffen ;)

  • Vor 5 Jahren

    Dani,
    DA wären wirklich 4 Sterne drin gewesen!
    Bitte überdenke deine Rezi nochmal..
    Danke :)