25. November 2020

"Schreit euch nicht an und habt Spaß dabei!"

Interview geführt von

Wie stellt man es an, den Leuten ab Ende September damit auf den Sack zu gehen, dass ein Weihnachtsalbum kommt? Lukas, Flo und Pauli haben einen Weg gefunden und erzählen außerdem von liebgewonnenen und schrottreifen Traditionen, unterschwelligem Diebstahl und dem Problem mit Protestsongs.

Um mit Deine Freunde über ihr Weihnachtsalbum zu sprechen, würde man das fidele Trio unter normalen Umständen bei irgendeinem Auftritt abpassen. Ist ja eine umtriebige Liveband, die spielen doch eigentlich immer irgendwo in der Nähe. Normalerweise. Weil von Normalität 2020 jedoch keine Rede sein kann, bleiben vorerst nur technische Krücken: Willkommen in der Telefonkonferenz. Das kann ja heiter werden. (Spoiler: Wird es.)

Flo: Wir sind mit Lukas per Konferenz verbunden. Das ist das erste Mal, dass wir das machen, Premiere! Hoffentlich geht alles gut.

Lukas: Ich bin auch da. Ich lieg' im Bett.

Flo: WAAAS?! Wieso liegst du im Bett?

Lukas: Ich musste mich verkriechen, hier. Die anderen duschen und machen Terz und so. Also lieg' ich wieder im Bett.

Pauli: Sehr gut.

Flo: Schlau.

Ich bin auch schwer gespannt, wie das funktioniert. Damit ich hinterher die Antworten zuordnen kann: Vielleicht sagt ihr irgendwie mit an, wer jeweils spricht?

Flo: Ja, das wird bestimmt 'n bisschen awkward, aber lass' uns das die ganze Zeit machen. Dann kommst du nicht durcheinander. Das kann ja manchmal chaotisch werden, mit uns.

Lukas: Ich find' das ganz gut. Dann kommen die schlauen Antworten von mir.

Wie auch immer, wir machen das jetzt eh einfach alle Jahre wieder. Jedes Jahr 'n Interview.

Lukas: Gerne!

Vorab: Wessen Idee waren die Wichtel?

Lukas: Hier ist Lukas! Das war tatsächlich eine gemeinschaftliche Idee. Wir haben uns eh gefragt, was für Videos wir mal machen könnten. Und eigentlich war die Idee nur, dass es dumm aussehen würde, wenn wir uns Wichtelkostüme anziehen. Da haben wir uns so reingesteigert, dass von alleine passiert ist, dass wir das gedreht haben. Wir haben öfter drüber nachgedacht, mal was zu drehen, sind aber immer daran gescheitert, genug gute Ideen zu haben, um sie dann auch wirklich umzusetzen. Und diese ist geflutscht.

Flo: Hier ist Flo, und ich schieb' noch hinterher, dass wir außerdem nach einer Möglichkeit gesucht haben, den Leuten ab Ende September damit auf den Sack zu gehen, dass wir ein Weihnachtsalbum machen, ohne dass das auf uns zurückfällt. Dafür waren die Wichtel genau die Richtigen. Die kriegen es dann halt so ein bisschen ab, aber über die konnten wir alles ausleben, was uns selber zu uncool war.

Pauli: Das ist Pauli, und genau dasselbe wollte ich auch gerade sagen. (Gelächter) Wir fanden das halt sehr schön, dass wir das tatsächlich auf die Wichtel ablegen konnten und uns da selber nicht anschmieren mussten.

Tatsächlich stehen Weihnachtsalben in einem schlechten Ruf. Da habt ihr euch wirklich geschickt aus der Affäre gezogen.

Lukas: Wir haben das auch einfach schon oft gehört ...

Flo: ... sagt Lukas ...

Lukas: Ach, ja. Hier ist Lukas. Wir haben das schon oft gehört, dass wir mal ein Weihnachtsalbum machen sollen, und haben auch schon mehrfach drüber nachgedacht. Wir dachten aber immer, wir kommen da nicht über drei Songs hinaus. Wir veröffentlichen vielleicht mal drei Songs auf Spotify oder sowas, aber ein ganzes Album wirds nicht. Wir waren dann selber überrascht davon, dass es trotz monothematischen Anspruchs irgendwie geflutscht ist.

Flo: Pauli und Flo lachen.

(Gelächter)

Alle lachen. Glaube, das kann als durchgehende Angabe stehenbleiben.

Pauli: Hier ist Pauli. Es war halt am Anfang überhaupt gar nicht klar, ob wir ein Weihnachtsalbum überhaupt schaffen. Es flutschte dann aber einfach so gut, und wir haben auch festgestellt, dass wir die Songs auch einfach so behandeln können wie ein normales Album und die Songs, als würden wir normale Songs machen. Wir haben uns da nicht auf weihnachtliche, christliche Stimmung ... öh ... beseelt.

Hat diese Beschränkung auf einen Motivkreis die Themenauswahl vielleicht sogar einfacher gemacht?

Lukas: Es hat sich, ehrlich gesagt, angefühlt wie ein ganz normales Album. Nur dass wir 'n paar Glöckchen mehr drin haben und wussten, dass der Kosmos ein bisschen fester gesteckt ist. Aber wir haben ja auch Ausflüge gemacht, in Wintersongs und so Familienlieder, das ist ein ähnliches Konzept gewesen wie sonst. Wenn uns nichts eingefallen wäre, hätten wir auch immer noch eine Bigband bestellen können, die die alten Klassiker covert. Wie es alle anderen machen.

Flo: Hier is' Flo. Wir haben auch, bevor wir angefangen haben, mal so 'ne Liste von sogenannten Traditionals ausgedruckt. Alle Lieder, die wir hätten verwursten können, ohne dafür an irgendjemanden abdrücken zu müssen. (Gelächter) Alle Sachen, die GEMA-frei sind. Zu Beginn waren noch viel mehr von diesen klassischen Weihnachtssongs bei uns in der Pipeline. Aber dann hat es sich irgendwie beim Machen ganz automatisch so gefügt, dass wir doch eigene Songs draus gemacht haben. Weil das scheinbar mal wieder am meisten Spaß gebracht hat.

Klar, die Weihnachtsthematik ist da. Aber ich find' ja gar nicht, dass es so wahnsinnig zeitgebunden geworden ist. Gerade sowas wie "Siehst Du Die Sterne?", das passt ja wohl astrein auch in irgendeine Sommernacht.

Lukas: Die ist dann nochmal auf dem Sommeralbum drauf.

Flo: Der einzige Satz, den es am Anfang da gibt, streut Flo lässig ein, [Ja, er sagte das so. D. Red.] ist, dass es sich einmal kurz auf den Weihnachtsstern bezieht und dass der immer so eine besondere Aufmerksamkeit bekommt, aber eigentlich finden wir alle Sterne ganz toll. Das ist der einzige Bezug, den es da kurz mal zu Weihnachten gibt. Da haste Recht, den kann man auch den Rest des Jahres hören.

Lukas: Damit: Weihnachtsalbum - Haken hinter.

Rentiere haben auch im Sommer nichts mit rennen zu tun, und ein C64 ist auch im Sommer immer noch ein geiles Geschenk gewesen.

Lukas: Ja! Du hast uns ertappt.

Pauli: Wir haben kein Weihnachtsalbum gemacht.

Flo: Die Dani hats wieder rausgefunden. (Gelächter)

Pauli: Hier ist Pauli, und unser tiefster Wunsch wäre natürlich, dass sich die Leute das Album nicht nur zu Weihnachten anhören, sondern das auch im Sommer pumpen. Ich hoffe, das machen die auch. Ich werd' das auch tun, wenn ichs wieder hören kann.

Flo: Jetzt reichts erstmal, ne? Wenn du dir alle Lieder fünftausendmal beim Mischen angehört hast, is' jetzt mal für drei Monate gut, wahrscheinlich.

Lukas: Hier ist Lukas, und ich finde, wir sollten das vielleicht mit Zeitgeist formulieren und sagen, das Album hätte vielleicht besser heißen sollen "Das wir-wollen-dir-kein-Label-geben-Album".

Ich bin ja tatsächlich für zweierlei dankbar. Zum einen für die Wichtel, die ich wirklich ganz großartig finde, ich bin so verknallt ...

(Im Chor): Aaaawwww!

... zum anderen dafür, dass ihr, obwohl das Thema ja auf dem Tisch lag, eben kein Corona-Album gemacht habt und dass ihr das auch gar nicht thematisiert. Außerdem bin ich sehr dankbar für jeden, der kein komisches Homevideo macht.

Flo: Da werf' ich doch glatt noch hinterher, dass es auch keine Streamingkonzerte von uns geben wird. Das gefällt dir dann bestimmt auch gut.

Lukas: Aber die Versuchung war groß, muss man sagen. Man ist als Band immer wieder daran vorbei gekommen, dass irgendwelche Anfragen kommen. "Wollt ihr bei diesem Song hier mitmachen, wo alle mitmachen?" Oder: "Wollt ihr nicht ein Streamingkonzert machen?" Wir haben den Versuchungen relativ erfolgreich widerstanden, weil wir immer noch finden, dass wir hauptsächlich eine Liveband sind, und wir wollen unser Liveprogramm nicht auf irgendein Streaming-Video packen. Es freut uns übrigens sehr, dass du die Wichtel magst. Wir waren nämlich irgendwann an dem Punkt, wo wir vor der Veröffentlichung nicht mehr sicher waren, ob das nicht so richtig peinlich ist.

Wenn man drinsteckt, im Kostüm, ist es wahrscheinlich peinlich. Aber es ist auch einfach ganz wunderbar.

Pauli: Hier ist Pauli, und ich kann mich da auf jeden Fall an ein paar Situationen erinnern, wo Florian aus unserem Studio raus auf die Straße gegangen ist, im Wichtelkostüm.

Lukas: Man muss dazusagen, dass vor unserem Studio direkt eine Grundschule ist, die dann auch irgendwann immer Mittagspause haben. Flo ist ja jemand, der gerne mal am Zaun Autogramme gibt, wenn er angesprochen wird, und der dann die Aufmerksamkeit genießt ... Das war auf jeden Fall gefährlich, die Wichtel nicht vorher zu verraten. Wir hatten da Geheimaktivitäten zu kaschieren.

Flo: Es ist aber auch, muss ich sagen, ein Drahtseilakt. Wenn ich nicht zufällig der Rapper von Deine Freunde wäre, dann wär' das schon 'ne eher creepy Vorstellung, als verkleideter Mann um Grundschulen rumzuschleichen.

Lukas: Im Wichtelkostüm!!

War die Schule da überhaupt in Betrieb?

Flo: Ja, die waren in Betrieb. Und das mit den Autogrammen hat sich so ergeben, dass der Pausenhof dieser armen Schüler dann irgendwann mit so Absperrband in verschiedene Zonen unterteilt wurde und dass auch die Mauer vor unserem Studio jetzt mit zu einer Pausenzone gehört. Die Kinder haben sich dran gehalten und standen da dann halt immer rum. Die haben unser Studio dann auch erkannt, weil wir hier sehr viele Bilder von uns selbst drin hängen haben (Gelächter), und wir haben sehr große Fenster, damit das auch alle von draußen sehen. Vor allem die Schüler, auf die haben wir es natürlich abgesehen.

"Es soll Spaß machen, aber trotzdem entlarven"

Ich seh' schon: sehr bescheiden und dezent. Ich fand diesmal besonders auffällig, wie gut die musikalische Umsetzung mit den Themen harmoniert. "C64" hat so Retro-Computerspiel-Sound. "Ein Ganz Normaler Sommertag" klingt für mich wie 'ne Adaptation von "Welcome To Miami" ...

Lukas: YES!!! Ey, das sag' ich immer! Ich hab' schon in anderen Interviews gesagt, wir wollten so einen Song machen, der so ist wie "Miami", vom Gefühl her. Dass du das von alleine sagst ... das macht mich sehr, sehr glücklich.

Flo: Lukas freut sich.

Pauli: Hier ist Pauli, und, ohne angeben zu wollen: Das ist ja auch jetzt schon über Jahre eine unserer Stärken und was Schönes, dass wir uns aus verschiedensten Genres bedienen und daraus neuere, tollere ...

Flo: ... auch gute!

Pauli: ... auch gute Versionen machen. Das macht einfach tierisch Spaß, sich da frei zu fühlen und nicht immer irgendeinen neuen Superstyle finden zu müssen. Die Freiheit wird nicht ungeiler, im Laufe der Jahre.

Um die Henne-Ei-Frage zu stellen: Was ist denn jeweils zuerst da, Text oder Beat?

Lukas: Das ist unterschiedlich. In dem Fall ist es meistens der Beat gewesen.

Pauli: Ja, zu zwei Dritteln, ne? Es gibt einmal einen Text-Pott mit verschiedenen Ideen und Themen, und dann gibt es auch einen Pott mit verschiedenen Instrumentals, weil Lukas und ich beide immer schon auch vorher Instrumentals machen. Und dann kucken wir halt, was zu welchem Beat passt.

Lukas: Es ist aber tatsächlich nicht so gut durchdacht, wie es klingt, am Ende. (Gelächter)

Flo: Es ist chaotisch, und es ist sehr durcheinander.

Lukas: Es ist auch teilweise so, dass wir einen Song schon fertig haben, und uns dann einfällt: Das Thema ist toll - aber es passt viel besser über einen völlig anderen Beat. Und dann nehmen wir den ganzen Song und packen ihn einfach auf einen komplett anderen Beat drauf. Der "Die Krassesten Schlitten"-Song zum Beispiel, der über den Weihnachtsmann, der den krassesten Schlitten hat, der hieß mal "Lügenbaron" und war über einen Typen, der so Münchhausen-mäßig lügt. Das war ein völlig anderer Song, den wollten wir mal für ein anderes Album benutzen. Dann hatten wir irgendwann den Song über die krassesten Schlitten aufgenommen, über einen ziemlich gechillten, ruhigeren Beat, und dann ist uns irgendwann gekommen: Och, das passt doch viel besser darauf. Da sind wir dann auch wirklich völlig rigoros und packen das einfach woanders hin.

Pauli: Ja. Wobei ich da auch zu sagen muss, dass ich dann ungefähr 'ne Woche lang Schwindel hab', weil man dann diese beiden Sachen einfach nicht mehr so ganz matchen kann, im Kopf. Das verschwimmt dann alles irgendwann.

Das treibt doch vor allem den Produzenten komplett in den Wahnsinn.

Pauli: Der entspannt sich dann immer 'ne Woche später.

Um "Renntiererennen" zu bauen, hat man aber mehr als einmal "Endboss" von Marteria gehört. Oder?

(Gekicher)

Pauli: Ähem ... das Instrumental hab' ich gar nicht gebaut, sondern das basiert auf einem Sample. Tatsächlich hör' ich fast gar kein Marteria. Wir machen einfach ...

Flo: (Unterbricht) ABER man muss dazu sagen: der Beat in Kombination mit der tiefen Stimme ... das ist ja relativ tief, und Marteria hat auch viele genau diese Songs, wo er auf so ein bisschen diese Art von Beats mit seiner tiefen Stimme rappt. Da kann ich den Vergleich schon verstehen. Bei dem Lied in seiner Gesamtheit.

Pauli: Auf jeden Fall. Aber ich wollte damit nur unterstreichen, das es halt nicht ein geplanter Wir-müssen-so-sein-wie-Marteria-Beat sein sollte, sondern das entsteht einfach so. Vielleicht ist das auch irgendwie unterschwellig und man merkt das gar nicht, und dann, huch! Das ist ja so.

Flo: Es sind auch durchaus bei uns über die Jahre schon Songs entstanden, wo wir wussten: Wir haben das unterschwellig irgendwo geklaut, kamen aber - teils bis zum heutigen Tag nicht - nicht mehr drauf, wo das her ist. Weil es dann schon so abgeändert ist, dass es halt nicht plump und blöd geklaut ist. Wie Pauli schon sagte: Es stecken ja so viele Melodien und so viel Musik in uns drin, dass wir das zwar nicht bewusst tun, aber hier und da nimmt man sich ja schon genau das, was einem richtig gut gefällt, und macht dann 'ne eigene Version davon.

Lukas: Flo, das ist die beste Entschuldigung auf der Welt für alle Urheberrechtsdiebe. "Es gibt so viel auf der Welt, ich weiß gar nicht mehr, was von mir ist und was von anderen. Ich hab' so viel geklaut, mir auch so viel selber ausgedacht ... das verschwimmt komplett." (Gelächter)

Das stimmt aber doch. Es wäre ja völlig lächerlich, wenn man sich hinstellen würde und behaupten, man hätte jedes musikalische Rad selbst erfunden.

Pauli: Genau das stimmt ja eh nicht mehr.

Flo: Das ist wie mit Mode. Das wiederholt sich alles, irgendwann kommt alles wieder.

Pauli: Es gibt halt nur 'ne bestimmte Anzahl von Tönen und von Tonabfolgen, irgendwann sind die halt alle durch.

Lukas: Das ist ja letztendlich auch mit Sounds so. Deswegen heißt das ja "Popkultur": weil wir uns aus Versatzsteinen populärer Dinge bedienen. Damit die Leute sofort 'ne Assoziation haben und sofort einsteigen können, in den Song. Sonst machst du halt moderne Musik, die noch nie dagewesen war, mit Tonabfolgen, die es nicht gibt. Das ist aber ja quasi ein völlig anderes Genre.

Flo: Das war Lukas, Absolvent der Popakademie!

Lukas: Ja, aber ist doch so! Habt ihr mal moderne Klassik gehört, die jetzt komponiert wird? Wie das klingt? Hört euch das mal an!

Flo: Ist das das, was der Geiger macht? David Garrett?

Lukas: Nein. Nein, nein! So ganz verrückter Kram, den man gar nicht versteht! Weil der halt noch nicht da war, vorher.

Pauli: Ja, aber das find' ich dann wiederum sehr interessant, weil ich auch diesen crazy Kram total abfeiere und mag. Weirde Tonabfolgen liebe ich ja. Und das ist dann auch vielleicht die Mischung, die uns ausmacht: dass du das übertrieben Poppige hast, ich das Dreckige, Kaputte ...

Flo: ICH hätte gern das Dreckige, Kaputte. Kann ich das nicht haben?

Pauli: Ja, okay.

Um noch einmal ein bisschen ernster zu werden: Ihr thematisiert ja auf dem Album durchaus auch nicht so lustige Sachen, wie zum Beispiel diesen Erwartungsdruck, diesen Irrglauben, an Feiertagen müsse alles perfekt sein, man brauche das bessere Geschenk ... Ist euch das Problem aus eigener Erfahrung vertraut?

Flo: Ja, schon, gibt Flo zu. (Gelächter) Ich antworte mal ernsthaft auf die Frage: Was Konsumwahn und so angeht, da würde ich mich mittlerweile als selbst betroffen sehen. Was aber auch daran liegt, dass ich oft auf mich selber reinfalle und mich dem dann doch so hingebe. Und mit Kindern ist man noch viel mehr verlockt, das zu tun. Bei uns ist dann wichtig: Wenn wir als Deine Freunde einen Song darüber machen, dann darf es auch mal um genau diesen Konsumwahn gehen, aber ohne dass man sich dann zu hart mit der Peitsche in die Ecke stellt und sich selbst geißelt, daraufhin. Sondern eher wie so 'ne ... so 'ne ... Feststellung, die ... na, ja. Ich weiß nicht mehr, wie ich diesen Satz noch sinnvoll zuende führen soll.

Lukas: Na, es soll ein Lied werden, das Spaß macht, aber trotzdem entlarvend ist.

Flo: Genau. Oh, Lukas: Dankeschön. Ich liebe dich.

Lukas: Gerne doch.

Der Weihnachtskommerz ist natürlich kacke, wenn er gewisse Ausmaße annimmt. Aber es macht ja durchaus auch Spaß. Wenn der Weihnachtsvertretermann kommt und das ganze Deko-Gedöns bringt: Das ist ja auch was Schönes.

Lukas: Ja, natürlich. Es ist was Wunderschönes, und das wollen wir ja auch auf gar keinen Fall wegdrücken. Bloß ist wie immer der Zwischenton der, der die Musik macht. Es ist immer die Frage zwischen vielleicht einem Geschenk weniger und einem schönen Satz, den man sich sagt, mehr, als sich für das Geschenk mehr zu entscheiden.

Flo: Schön gesagt.

Pauli: Hier is' Pauli, und ich würd' dazu sagen: Das Ding ist, dass man ja auch selber irgendwie mit der Zeit immer älter wird ... (Gelächter) ... und das für sich selber ja auch nicht unbedingt sieht, dass man sich jedes Jahr wieder neuen Kram kaufen muss.

Flo: Du meinst, für sich selber?

Pauli: Für sich selber! Das ist doch der Konsumwahn, den man ja auch hat, dass man sich selber Sachen kauft. Da hat man ja auch irgendwann keinen Bock mehr drauf. Und ich hab' tatsächlich auch jedes Jahr weniger Lust, mir ein Geschenk auszudenken, für Leute. Weil ich einfach diesen Zwang schrecklich finde, in genau der Zeit mir jetzt ein Geschenk auszudenken zu müssen. Dann lieber übers Jahr was Schönes kaufen, das man in 'ne Schublade tut. Das kann man dann Ende des Jahres rausholen und sagen: Ah, das würde zu dem passen. So will ich das machen.

Schöne Theorie. So will ich das seit Jahren machen. Bloß wenn ich dann irgendwann unterm Jahr was Schönes gesehen und gekauft habe, von dem ich mir denke, das passt zu dem und dem, dann will ich das auch sofort herschenken. Das mach ich dann auch und hab' Ende des Jahres wieder nix.

Lukas: Ich kann nur empfehlen, dass man sich nicht um das Ritual betrügt. Dass man, wenn man sich nichts großartig schenken will, dann vielleicht trotzdem sowas wie Schrottwichteln macht ...

(Wichtelstimme aus dem Off, entsetzt: SCHROTTWICHTELN??!)

Lukas: ... damit das Ritual noch da ist. Damit man noch was auspacken kann und was hat, über das man sich dann trotzdem irgendwie freuen kann. Damit das Ritual noch besteht: "Oh, bitteschön!" "Oh, danke!" Ich hab' was ausgepackt. Dann betrügt man sich weder um Weihnachten noch um sonst irgendwas, aber man hat sich nicht überladen mit irgendwelchen komischen Geschenken. Ich möchte noch reinwerfen, um dieses Thema abzuschließen, dass mir eine Sache besonders gut gefällt, auch wenn sie 'n bisschen verpönt ist: Ich find' richtig schön, wenn zur Weihnachtszeit der weihnachtliche Kitsch wieder einzieht. Ich mag das richtig gern, wenn man so diese kleinen Pyramiden auf den Fensterbänken hat und wenn überall so Lichterketten hängen und so ... Man muss es jetzt nicht komplett übertreiben und den ganzen Vorgarten zum Leuchten bringen, aber das ist 'ne schöne Sache, find' ich. Und die hat auch viel mit dieser Zeit zu tun. Aber da möchte mein ästhetisches Auge doch eine Sache hinzufügen: Liebe Leute da draußen, bitte: Seid kitschig, in euren Vorgärten. Aber bitte bleibt klassisch kitschig! Fallt nicht auf sowas rein wie Star-Shower-Motions. (Gelächter) Kennt ihr? Das ist eine Lampe, die man sich vors Haus stellt und die so kleine ... wie Laserpointerpunkte ans Haus macht, die sich dann bewegen. Das sieht einfach aus wie 'ne Tankstelle.

Flo: Aber wenns die in Schnee-Form gibt, bin ich dabei.

Pauli: Das würde ich auch machen, wenn ich ein Haus hätte.

Ich würd' das sofort machen. Alles, das leuchtet, kriegt mich.

Lukas: Dann werde ich naserümpfend an euren Häusern vorbeifahren.

Okay, Deal. Wenn die Seuche vorbei ist, darfst du auch gerne klingeln. Kriegst 'nen Glühwein.

Lukas: Ich bewerte dann die Häuser der Nachbarschaft.

Du sagtest, man solle sich nicht um das Ritual betrügen. Rituale sind ja auch deswegen was Schönes, weil sie Sicherheit geben. Dieser Mechanismus "Das war schon immer so. Das kenn' ich", das beruhigt ja auch.

Lukas: Auf jeden Fall!

Flo: Voll.

Lukas: Das ist ja auch der wiederkehrende Charme. Nur gibts dafür unterschiedliche Typen Mensch: Manche brauchen dafür die Rituale über einen längeren Zeitraum, manche kürzer. Mir reichen an Weihnachten immer drei Tage. Andere mögen das länger.

Pauli: Aber kommen wir doch zum mal Ritual Tannenbaum-Kaufen. Wie ist das denn da bei euch so?

Lukas: Oh, führst du jetzt das Interview?

Pauli: Nee. Aber das interessiert mich ja auch mal, weil das ist ja auch ein Thema, das wir auf unserem Album ...

Flo: (Unterbricht) Pauli? Dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo ich vor dir und Lukas und Dani eröffnen werde, dass trotz des kritischen Songs auf unserem eigenen Album, zu dem ich den Text mit meinen eigenen Händen geschrieben habe, ich trotzdem einen kleinen Weihnachtsbaum kaufen werde. Für uns, für meine Familie. Nur für uns. Fünfzehn Jahre gelebt, dann abgeholzt. Für uns. Für vier Tage. Sorry, Tannenbaum.

Fürs Protokoll: Die Herren sprechen gerade über den Song "Oh Oh Tannenbaum", der mir auch voll an die Nieren gegangen ist, weil ich jedes Jahr echt schlimm sentimental werde, wenn ich den Baum - ich kauf' auch einen - wenn ich den rauswerfe.

Lukas: Dani, hast du ein Haus?

'Ne Wohnung.

Lukas: Ah. Weil meine Familie kauft immer einen kleinen Baum im Topf, und den packen sie dann in den Garten. Was ist, wenn du 'ne kleine Tanne im Topf für den Balkon oder so kaufst? Die kannst du jedes Jahr wieder reinholen.

Irgendwie sowas. Ein Plastikbaum ist jedenfalls keine Alternative, find' ich.

Lukas: Wir haben 'nen Plastikbaum.

Upps. Echt?

Lukas: Ich wohn' ja in einer WG, wir wohnen zu dritt, schon seit fünf oder sechs Jahren. Und unsere liebe Mitbewohnerin hat von ihrer Tante wirklich mal den Worst-Case-Plastikbaum geschenkt bekommen. So einen, wo jede Nadel einzeln eine Lampe hat. Wie diese Leuchtdinger, die man früher im Zirkus bekommen hat. So einen haben wir. Den steckst du ein, und der wechselt die Farben des Regenbogens komplett durch, innerhalb von zehn Sekunden. Der ist irgendwie cool, und wir stellen ihn jedes Jahr auf.

Ihr habt keine Epileptiker-Freunde, was?

Pauli: Ja, epileptische Weihnachten.

Lukas: Öh ... nee. Nee, haben wir nicht.

Ich seh' schon: Weihnachtsbäume sind ein Thema.

Flo: Ja, scheint so. Bis auf den Song haben wir da scheinbar innerhalb der Band noch gar nicht drüber gesprochen, wie wir das im Real Life umsetzen.

Pauli: Das ist natürlich auch - wie ein Geschenk - wie eine Tradition, die man pflegt, wie man das über die Jahre mit der Familie so kennengelernt hat. Oder mit den Großeltern. Immer stand da ein Weihnachtsbaum. Irgendwann stellt man sich halt auch die Frage, ob das irgendwie geil ist oder halt nicht.

Flo: Es wissen alle schon, dass das nicht so geil ist. Aber es ist halt die Zwischenstation, wo es trotzdem noch gemacht wird.

Pauli: Oder vielleicht ist die Lösung ja auch: Okay, ich nehm' einen kleinen.

Flo: Der musste nur sechs Jahre wachsen, nicht 15.

Lukas: Das ist wie mit dem Klimawandel: Man weiß, es ist nicht geil, aber man macht trotzdem weiter.

"Oh, Gott. Die Leute werden glauben, wir haben ein Klima-Album gemacht!"

Flo: Du glaubst an den Klimawandel? (Gelächter)

Über Klimawandel und Fridays For Future hatte ich das letzte Mal schon mit Lukas gesprochen.

Lukas: Und jetzt haben wir ein Lied drüber gemacht.

Zwei sogar.

Lukas: Ja. Du meinst "Wann Wird's Mal Wieder Richtig Winter" und "Ein Ganz Normaler Sommertag", ne? Wir sind auch, ehrlich gesagt, sehr glücklich darüber, dass wir diese beiden so aneinander packen konnten. Weil hätten wir nur diesen einen Song gemacht, in dem wir uns mal wieder so richtig schöne weiße Weihnachten wünschen, dann wäre es vielleicht in der Gesamtheit des Albums etwas zu glatt geworden. Deswegen sind wir happy, dass uns das mit dem Sommertag im Dezember noch eingefallen ist und wir damit noch so 'nen richtig lustigen Sommerpartyhit liefern, der vielleicht dem einen oder anderen ein bisschen schief stecken bleibt, thematisch.

Pauli: Diese beiden Songs kommen tatsächlich auch beide als Singles und als Video.

Flo: Oh, Gott. Die Leute werden glauben, wir haben ein Klima-Album gemacht!

Wäre ja jetzt auch nicht so tragisch.

Lukas: Stimmt. So lange du uns bestätigst, dass sie nicht klingen wie Protestsongs, ist das okay.

Was ist denn das Problem mit Protestsongs?

Lukas: Die haben oft so einen müslihaften Anstrich. Diese klassischen Protestsongs, die man kennt. Die sind oft ein bisschen eins zu eins fordernd. Wir hoffen, dass es nicht so geworden ist. Weißt du, was ich meine?

Das Belehrende, Moralisierende ist oft ein Problem. Wenn Leute kommen und sagen: Ich sag' euch, wie es geht.

Lukas: Das ist ja auch das Problem mit vielen Sachen, die jetzt während Corona von Künstlern veröffentlicht worden sind. Dass sie sehr moralisierend sind. Das kommt immer komisch. Da passen wir immer sehr auf, dass uns das nicht so doll passiert.

Kontrolliert ihr euch da auch gegenseitig?

Lukas: Voll.

Flo: Aber solche Momente gibts eher selten, weil wir da wirklich 'ne sehr ausgeprägte Intuition haben, die uns so gar nicht erst in diese Richtung zieht.

Lukas: Aber so 'n bisschen machen wir das schon. Wir hinterfragen schon immer wieder: Wird das jetzt richtig verstanden oder ist das schon der eine Schritt zuviel gewollt? Das machen wir schon bei Songs. Bei "Dieses Jahr Schenken Wir Uns Mal Nix" haben wir das zum Beispiel gemacht. Das passiert schon. Aber dann sind wir ja zum Glück zu dritt und nicht alleine.

Flo: Das ging eigentlich damals so richtig los, als wir das Lied über die Fontanelle gemacht haben. Da haben wir uns erstmal 'ne Woche lang gefragt, ob wir jetzt wirklich über die Fontanelle singen können.

Das war halt so ein richtiger Sendung-mit-der-Maus-Song, damals. Da konnte man noch was lernen.

Lukas: Okay, cool! (Gelächter)

Belehrt werden von jemandem, der irgendwas wirklich besser weiß, find' ich jetzt auch nicht schlimm. Kommt halt immer auf den Ton an.

Flo: Immer! Es ist IMMER das Wie entscheidend. Oh Gott, ich liebe es. Danke, dass du das gesagt hast. Das kann ich gar nicht oft genug sagen, obwohl ich es so oft sage: Das Wie ist das Entscheidende. So oft!

Lukas: Ja. So oft. Immer, wenn etwas eigentlich too much ist, kommt von dir: (Flötet) "Es ist IMMER das Wie!"

Klingt eigentlich auch schon ein bisschen belehrend.

Flo: (Seufzt) Ja.

Lukas: So heißt unser neues Album. Verrat' es nicht, bitte.

Gibt es etwas, das ihr als eure Kernbotschaft bezeichnen würdet? Habt ihr eine Message?

Lukas: Würde schon sagen. Schon ein bisschen. Oder nicht?

Flo: Grundsätzlich würde ich sagen: miteinander geht besser. Miteinander ist es schöner. Das ist schon, was sich irgendwie, wenn auch oft in einer Subaussage eines Songs, durch unsere Band zieht.

Pauli: Ich hätte gesagt: Schreit euch nicht so an und habt Spaß dabei.

Flo: Ich war ein bisschen mehr wie ein Kalenderspruch unterwegs. (Näselt) "Miteinander ist schöner!"

Pauli: Die Hauptbotschaft ist schon der Spaß an der ganzen Sache, den wir da haben. Eine unterschwellige Botschaft kann man einem Song ja auch immer mitgeben, aber dann schon ohne Zeigefinger.

Lukas: Bei dem Album gibt es ja schon ein, zwei Stellen, um so ein bisschen eine Haltung von uns durchzufühlen. Jetzt während Corona und auch bei allem, das in Amerika passiert ist, haben wir uns im Studio die ganze Zeit getroffen. Wir waren ja die einzigen, die wir treffen konnten, während dieser ganzen Zeit, und da haben wir uns natürlich auch viel über die Außenwelt unterhalten. Uns ist schon aufgefallen, dass es heute immer nur Hundert-Prozent-Meinungen gibt. Man ist heutzutage immer hundert Prozent für oder hundert Prozent gegen etwas. Die Leute schreien sich alle gegenseitig nur noch an, vergessen Zwischentöne und vergessen manchmal die Ambivalenz in allem möglichen Sachen. Da hoffen wir, dass mit dem Album rüberkommt, dass wir dafür sind, sich manchmal wieder bisschen besser zuzuhören.

Wenn ich eine Botschaft hätte rausdestillieren müssen: nicht immer nur dem nachjagen, das fehlt, sondern sich an dem freuen, das man hat.

Lukas: Ja. Das auch. Zwei Aussagen auf einem Album. Gut, Flo! (Gelächter)

Trotzdem frag' ich noch nach etwas, das bisher fehlt: Wollt ihr denn nicht wirklich endlich ein Deine Freunde-Techno-Album aufnehmen? Da scheint es doch irgendein Bedürfnis zu geben.

(Allgemeine Heiterkeit)

Dachte schon, diesmal gibts keinen solchen Kasperle-Techno-Track - und dann kam er doch noch hinterher.

Flo: Das Techno-Album als Nachfolger vom Weihnachtsalbum, irgendwann.

Pauli: Wir hatten ja auch eh immer vor, noch einen Elternabend zu machen, der sich eher auf die Eltern spezialisiert. Vielleicht wird das dann ja das ... ich find' die Idee sehr gut.

Flo: Ich find' die Idee auch sehr gut - und mir gefällt das Wort "Kasperle-Techno" sehr gut.

Ich schenks euch. Gerne verwenden.

Lukas: Das ist auch tatsächlich so: Wenn unsere Alben mal von Eltern wegen der Musik kritisiert werden, dann sind das immer diese Techno-Songs, oder diese so 'n bisschen Auf-die-Fresse, diese dümmlichen Nummern. Aber die gehören auch zu unserer Identität. Die sind uns irgendwie im Blut. Sowas muss immer noch raus.

Wahrscheinlich funktionieren gerade die live wie die Hölle.

Lukas: Genau richtig. Das machen wir aber nicht aus Kalkül, sondern wir sind wirklich genau so dümmlich. Das steckt in uns. Da stehen wir auch zu und sind auch stolz drauf.

Pauli: Betonung natürlich darauf, wer weiß, ob das live jemals wieder funktionieren WIRD.

Flo: Na, das wollen wir doch mal alle hoffen.

Lukas: Ja, lass' mal über Corona reden!

Och, nee. Oder ... möchtet ihr?

Flo: NEIN! Wir haben es fast geschafft. Das müssen wir doch jetzt nicht machen.

Dann lassen wir das einfach. Reden wir lieber nochmal über den "C64". Diese Verhandlungen zwischen Eltern und Kindern, dieses Geschachere um Bildschirmzeiten, darüber, wann und wie lange am PC gezockt werden darf, das scheint ein generationenübergreifendes Thema zu sein, das nie aus der Mode kommt.

Flo: Das stimmt, und da werden ja die Verhandlungen ganz unterschiedlich geführt. Ich kann mich erinnern, dass ich immer fand, dass es auf jeden Fall immer zu wenig Zeit war, die ich am C64 verbringen durfte. Dann fingst du an, so fälschlicherweise neidisch auf den Nachbarn zu werden, wo die Mutter den ganzen Tag arbeiten war, und die Kinder waren nach der Schule alleine zu Hause. Die konnten den ganzen Tag daddeln, und ich dachte einfach nur so: Woah, das Leben will ich haben! (Lacht) Und wie uncool, die eigene Mutter, die auf einen wartet, wenn man nach Hause kommt, und die einem lieb Essen macht und für einen da ist.

Pauli: Man hat einfach viel mehr Zeit bei Freunden verbracht, die einen Computer hatten. Man selber hatte keinen und hing einfach nur da ab, am Zocken.

Flo: Und auch am Zugucken, einfach. Damit werden heute ja Arenen gefüllt, dass beim Zocken zugeguckt wird. Das find' ich faszinierend.

Lukas: Das ist auch 'ne richtige Sportart, ne? Die sind krass, die Leute, die das machen.

Flo: Sehr viele junge Menschen schauen da zu.

Lukas: Vielleicht ist das einfach nur die größere Version von dem, das damals so faszinierend war, was Pauli gerade sagte: zum Nachbarn zu gehen und dem beim Computerzocken zuzugucken. Da saß ich auch nur daneben, war froh, wenn ich noch 'nen Stuhl bekommen hab', war still, hab' dem beim Zocken zugeguckt und, joah, fands krass.

An "C64" sieht man, find' ich, extragut, dass sich vielleicht die Technik ändert, die grundlegenden Fragen bleiben aber trotzdem immer dieselben.

Flo: So isses.

Lukas: Es ist nur, glaub' ich, heute noch viel schwieriger für Eltern, gut zu argumentieren. Weil damals wars ja wenigstens noch so, dass du, wenn du als Eltern entschieden hast, es reicht jetzt, dann war auch gut, und es war nicht eine komplette Anwesenheit von Technik die ganze Zeit zu spüren. Sondern man konnte dann auch mal sagen: Jetzt geh' raus!

Flo: Den C64 konntest du auf jeden Fall nicht in der Jacke mit nach draußen schmuggeln.

Lukas: Genau, und das hat sich ja heute schon geändert. Ich glaube, Eltern haben es heute schon ein ganz kleines bisschen schwieriger, gewissenhaften Technik-Umgang hinzubekommen. Und die Frage stellt sich ja auch, ob sie das überhaupt müssen. Das weiß man ja alles nicht mehr, gerade.

Pauli: Ich setz' mich in die U-Bahn und kann am Computer fernsehen.

Lukas: Na, in der Großstadt auf jeden Fall!

Okay. Ich sag' wieder mal danke für ein weiteres schönes Gespräch ... und wenn ihr dann dieses Techno-Album macht, könnt ihr es ja auf die Wichtel schieben.

Lukas: Ja! Das können wir jetzt immer! Oder es kommen beim nächsten Mal drei so hängengebliebene Gabba-Typen.

Flo: Da fällt uns schon irgendwas ein.

Die Vorstellung, dass du in diesem Kostüm um die Grundschule schleichst, ist schon noch mal 'ne Nummer bizarrer.

Flo: Ja, damit muss ich dann wirklich aufhören.

Lukas: Vielen Dank für das schöne Interview!

Hey! Das ist mein Text. Das kann ich nur zurückgeben. Tschüss - und Frohes Fest!

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LAUT.DE-PORTRÄT Deine Freunde

"Wir wollen den Kids mit unseren Songs weder das ABC näher bringen noch das Zähneputzen erklären. Das sollen gefälligst andere tun." Deine Freunde …

1 Kommentar mit einer Antwort

  • Vor 2 Monaten

    Ich hab mir die jetzt mal ein bisschen angehört. An sich coole Songs, vom Aufbau und auch vor allem von den Beats her. Die Stimme des Rappers gefällt mir auch, aber leider kann ich mit diesen oldschool Fanta 4 mäßigen Flows nicht viel anfangen. Da würde ich mich freuen, wenn die da mal ein wenig dran verändern könnten.

    • Vor 2 Monaten

      Es muss aber ja auch eingängig genug für Kids zwischen ca 6 und 14 sein und darf nicht überfordern. Zudem höre ich da eher Hamburg um die Jahrtausendwende heraus als die Fantas. Nur mit etwas reduzierten Reimen, gerade auf dem neuen Album, das stimmt schon.