laut.de-Kritik

Die Briten texten neuerdings wie Britney. Nur ohne Sex Appeal.

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Lange ist es her, seit Def Leppard mit Alben wie "Pyromania" oder "Hysteria" sowie Hits wie "Rock Of Ages" oder "Animal" bestachen. Damals, in der zweiten Hälfte der 80er Jahre, waren sie als Folge von manisch obsessiven Studioarbeiten die britische Hardrockband mit dem bombastischen Sound.

Davon ist außer langen Aufnahmezeiten leider nicht viel übrig geblieben. Wie bei Aerosmith erfolgte der Schritt in die 90er Jahre mit einer Reihe von schnulzigen Balladen - und der Gang in die Belanglosigkeit. Versuchten sie auf "Slang" (1996) noch, orientalische Elemente ins gewohnte Konzept mit ein zu flechten, war "Euphoria" (1999) nichtssagendes Easy-Listening. Die Zusammenarbeit für das neue Album mit der Stockholmer Cheiron Hit Factory, die unter anderen für Britney Spears, N Sync, Backstreet Boys und Bon Jovi geschrieben hat, lässt auch dieses Mal nichts Gutes ahnen.

Angerockt geht es mit "Now" los. Die Übergänge von Akustik- zu E-Gitarren beweisen, dass auch bei "X" weder an Mühe noch an Produktionskosten gespart wurde. Mit "Unbelievable" kommt die erste Schnulze, ein Trend, der sich mit "Everyday" und dem vor Schmalz triefenden "Long Long Way To Go" fortsetzt. Mit "Four Letter Word" kommt endlich etwas Stimmung auf, mit dem chorusüberladenen "Torn To Shreds" wird sie aber sofort wieder zunichte gemacht. Außer dem etwas schrägen "Cry" ist ansonsten nichts mehr zu melden. Zitate wie "it's better to burn out than to fade away", zweideutige Balladen wie "Love Bites" oder ironische Gary Glitter-Sprüche wie "Make love like a man, I'm a man, that's what I am" sucht man hier vergeblich: Die Briten sind längst familienkompatibel geworden und texten wie Britney es sich nicht besser wünschen könnte. Nur ohne Sex Appeal.

Wie bei Scorpions oder den letzten Metallica trifft bei Def Leppard leider eine ernüchternde Erkenntnis zu: Wenn man nichts mehr zu sagen hat, führen auch eine perfekte Produktion und eine glorreiche Vergangenheit zu nicht mehr als einem traurig mageren Album.

Trackliste

  1. 1. Now
  2. 2. Unbelievable
  3. 3. You're So Beautiful
  4. 4. Everyday
  5. 5. Long Long Way To Go
  6. 6. Four Letter Word
  7. 7. Torn To Shreds
  8. 8. Love Don't Lie
  9. 9. Gravity
  10. 10. Cry
  11. 11. Girl Like You
  12. 12. Let Me Be The One
  13. 13. Scar

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16 Kommentare

  • Vor 17 Jahren

    mal so die frage: wie kommt den das neue leppard-album unter den internet-usern an? ich arbeite beim rock-radio und habe eben das neue album verlost - und unsere hörer haben sich bald dumm und dämlich angerufen. wir hätten echt 100 stück oder mehr raushauen können. hat mich überrascht, denn ich finds nicht so berauschend.

  • Vor 17 Jahren

    Def Leppard waren schon immer scheisse....

  • Vor 17 Jahren

    Def Leppard hatten ihre Zeit. Jetzt noch eine Platte mit Belanglosigkeiten aufzunehmen, weist nur auf kommerziellen Verstand hin, nicht auf Kreativität oder gar Weisheit (Wenn es am schönsten ist .....)
    Die neue CD hätte auch von jeder anderen Rockband sein können, die anhand des 80er Revivals wieder nach oben gespült worden ist.

  • Vor 17 Jahren

    Vielen Dank für den Tipp! Ich wußte gar nicht, dass es mittlerweile
    eine deutschsprachige Seite gibt. Dort steht zwar im Moment
    noch nichts über bevorstehende Touren - aber ich weiß jetzt,
    wo ich evtl. nachschauen kann.

  • Vor 17 Jahren

    Verstehe die schlechte Kritik nicht an "X".
    Gutes Rockalbum, indem klar Def Leppard wieder
    zuerkennen ist. Das 'Hysteria' ein Meilenstein ist und nicht mal so wieder in eine neue Zeit wiederholt wird, ist doch klar. Wandlung hin oder her, warum nicht auf highlights wie
    'Now', 'You're so beautiful', 'For letter word' 'Gravity' und 'Cry' eingegangen wird ist mir ein Raetsel. Vielleicht sollte man auch ein Album ruhig mal oefter hoeren before man angeblich kritisiert.

  • Vor 17 Jahren

    Also ich als alter LEPPARD-Fan finde das neue Album gut. Es ist zwar nicht jeder Song ein Knaller, aber die guten Tracks überwiegen bei weitem. Und das ewige "Hysteria-wird-nie-mehr-erreicht"-Gelaber geht mir wirklich so langsam auf den Zeiger. Welcher Interpret konnte nach einem Mega-Erfolg noch einmal daran anschliessen? Na?
    Herr Jackson wird "Thriller" nicht mehr erreichen, Enigma werden "MCMXC. a.D." ewig hinterlaufen, Nicole ihrem "bisschen Frieden", die Herzbuben aus Wildeck ihrem "Herzilein" (jetzt kotz ich gleich ;-)), und auch ein Herr Gabriel wird den Mega-Erfolg von "So" mit dem neuen Album "Up" nicht ansatzweise wiederholen. "Hysteria" ist eines der erfolgreichsten Rock-Alben aller Zeiten und wirklich genial gut. So ein Ding schafft man wahrscheinlich nur ein Mal in der Karriere - das lässt sich nicht beliebig wiederholen.