22. April 2013

"Ich mag das Bandkonzept der Chili Peppers"

Interview geführt von

Leicht verspätet führt mich der Tourmanager in den Club. Dort, wo in wenigen Stunden das Publikum, den Jutebeutel fest um die Schulter gelegt, entspannt trippeln wird, kniet Darwin Deez. Der Schlacks trägt einen schlabbrigen Hoodie mit Ethnomuster, ein sperriges Kassengestell, darüber die lockige Haarpracht mit einer Kordel gebändigt. Es mag ja sein, dass man den Mittzwanziger aufgrund seines Erscheinungsbildes leicht als oberflächlich vorverurteilt. Doch aus musikalischer Sicht ist das ein Fehler, denn der Jüngling hat durchaus was auf dem Kasten. Und so bestand schon sein Debüt aus weit mehr als hippen Gitarrenklängen und feschem Falsettgesang. Darwin Smith, wie der Herr mit bürgerlichem Namen heißt, lieferte 2010 ein zwar handwerklich beschränktes (wie er selbst gesteht), aber dennoch poppig spannendes Sommeralbum an.Während sich in Europa viele Festivalveranstalter die Finger nach dem neuen Act leckten, fand er in seiner amerikanischen Heimat nur wenig Beachtung. Die alternative Musikbibel Pitchfork missachtete sein Debütalbum gar gänzlich. Diese Tatsache macht dem modischen Jüngling, der mittlerweile vom Big Apple ins beschauliche Asheville (North Carolina) geflüchtet ist, auch heute noch zu schaffen. Sein zweites Album "Songs For Imaginative People" soll mit mehr Virtuosität auch scharfzüngigen Kritikern munden.

Darwin, deinem ersten Album wurde in den USA nicht wirklich viel Aufmerksamkeit gezollt, wohingegen es in Europa regelrecht abgefeiert wurde. Ist das nicht ein wenig frustrierend?

Darwin: Das ist alles eine Frage der Perspektive. Ich habe sehr viel Zeit investiert, damit das Album überhaupt bekannt wurde. Aus meiner Sicht ist es nicht zu spät, da der Erfolg in England ja sehr bald kam. Frag mich am besten in fünf Jahren noch mal. Vielleicht bin ich dann ja wirklich über den amerikanischen Markt frustriert. Aber fürs Erste hatte ich kaum mehr erwartet. Amerika ist viel größer und ein härteres Pflaster, um bekannt zu werden. Deshalb bin ich geduldig.

Pitchfork hat wenigstens deine zweite Platte rezensiert.

Dass sie jetzt darüber schreiben bedeutet ja vielleicht, dass sie es tun müssen, weil wir bekannter werden. Auch wenn sie unsere Musik nicht mögen. (lacht)

War es denn schwierig, wieder zurück in den Songwriting-Prozess zu kommen? Besonders, weil du ja zwischendurch mit "Wonky Beats" dieses Hip-Hop-Mixtape aufgenommen hast.

Es war nicht deswegen schwierig, sondern eher deshalb, weil ich so lange auf Tour gewesen war.

Du warst also erschöpft?

Nein, ich würde eher sagen, ich war aus der Übung. War es hart? Ja, es hat seine Zeit gebraucht. Aber als ich dann drin war, wurde es natürlich leichter. Anfangs fand ich es ein wenig beängstigend zu sagen: Okay, ich schreibe jetzt ein ganzes Album. Und fange genau jetzt damit an.

Saß dir deine Plattenfirma etwa schon mit einer genauen Vorstellung im Nacken, wann das Ding erscheinen soll?

Die haben mir keine exakte Deadline gegeben, aber sie hatten natürlich eine klare Vorstellung davon, wann das Album fertig sein sollte. Im Endeffekt konnten sie sowieso nichts anders tun, als zu warten. Sie wollten ja schließlich genau wie ich, dass es am Ende gut wird. Ich musste mir eben die Zeit nehmen können, die ich brauchte, um alles mit der richtigen Konzentration in Angriff zu nehmen. Dazu kommt erschwerend, dass ich maximal an einem Song gleichzeitig arbeiten kann, weil ich ja alleine jedes Stück schreibe, die Instrumente arrangiere und aufnehme. Dafür lebe ich dann einen Monat lang richtig in diesem Song, stelle ich ihn fertig und komme zum nächsten.

Anders als man manchmal liest, ist die Band nach wie vor dein Soloprojekt im Studio?

Ja, deswegen der Name. (lacht) Obwohl ich dir zustimmen muss, dass es verwirrend ist, weil wir live eben zu viert sind aber denselben Namen haben wie meine Studioproduktionen.

Um noch mal auf "Songs For Imaginative People" zurückzukommen: Hemmt es, diesen ökonomischen Gedanken im Kopf zu haben, wenn du eine Platte machst? Ich meine, du lebst von deiner Musik, musst einen Vertrag bei einem Label einhalten, aber auf der anderen Seite soll es dich und die Fans künstlerisch zufriedenstellen.

Ich weiß, worauf du hinaus willst. Es ist Kunst, aber ich bestreite dadurch auch meinen Lebensunterhalt. Darüber hab ich mir schon ein paar Mal Gedanken gemacht. Ehrlich gesagt habe ich nach der letzten Platte – anders als jetzt - alle Kritiken über mich gelesen. Und die, die am meisten weh tat, schloss den Text damit zu sagen, dass sich mein nächstes Album wohl wieder gleich anhört. Die Leute, die mein erstes Album nicht gehört haben, beharrten ja immer darauf: Die Songs klingen alle gleich und nur wenige davon sind gut. Klar hören sich die Stücke alle ähnlich an, aber das war meine Absicht, um ein schönes Gesamtprodukt zu bekommen.

Nun, nach diesen Kritiken habe ich beschlossen, die Lieder auf dem nächsten Album alle unterschiedlich klingen zu lassen. Aber habe ich das wegen des wirtschaftlichen Aspekts gemacht? Vielleicht in dem Sinne, dass es enorm hilft, die Kritiker auf seiner Seite zu haben, wenn man eine Platte profitabel machen will. Denn die können dich enorm unterstützen. Allen kannst du es ja eh nie recht machen – dieses Album gefällt den Fans jetzt vielleicht nicht so. Bei der ersten LP hatte ich mir vorgenommen, sie so zu machen, dass Fans und ich sie mögen würden. Und bei der neuen dachte ich mir, warum nicht mal eine, die den Kritikern und mir gefällt?

Ein absichtlicher Kompromiss also.

Ja, du kannst schließlich nicht alles haben.

Ziemlich erstaunlich, das so direkt aus deinem Mund zu hören.

Ich kann ja nicht leugnen, worüber ich mir beim Schreiben Gedanken mache. Beispielsweise wollte ich mich auch nicht zu schnell von "Darwin Deez" entfernen. Also habe ich bewusste Entscheidungen getroffen. Ein paar ähnliche Uptemposongs wie "Radar Detector" aufs Album zu nehmen. Weil die Fans diesen Song sehr mochten – deshalb wollte ich trotz aller Unterschiede so etwas wie eine akustische Brücke zwischen beiden Alben bauen. Du musst einfach Spaß haben. Jedes Mal, wenn ich über den wirtschaftlichen Aspekt nachdenke, dann sage ich mir: Ich will kein Musiker sein, wenn ich nicht das machen kann, was ich mag. Diese ganzen stressigen Sachen wie Aufnehmen, Tour und so nehme ich ja nur deshalb auf mich, weil ich davor die Chance bekomme, genau das zu machen, was ich will und was mir am meisten Spaß macht. Das musste ich immer im Kopf behalten.

Das Schreiben des zweiten Albums hat dich aber hinsichtlich dem, was alles damit verbunden ist, nicht gestresst, oder?

Nein, weil ich so viel Freude daraus ziehen kann, etwas zu schaffen.

Wohl auch daraus, etwas Neues zu wagen. Viele Songs auf der Platte haben plötzlich diese vordergründigen Gitarrenriffs und –licks. Das gab es auf deinem Debüt noch nicht.

Das Gitarrenzeug kommt hauptsächlich von den Bands, die ich in letzter Zeit so gehört habe. Thin Lizzy und sowas. Ein paar Gitarrensoli imitieren deren Sound glaube ich ziemlich. Aber dann waren da auch noch die Red Hot Chili Peppers – meine ganzen Bandkollegen hören das. Ich mag es, dass die Peppers ein genaues Konzept davon haben, wer sie als Band sein möchten. Diesen Punk-Funk, den sie auf vier Platten gemacht haben, zu leben. Auf der Tour vor zwei Jahren haben wir alle "Scar Tissue", die Biografie von Anthony Kiedis, gelesen. Das hat uns wahrscheinlich zu den Platten geführt. Und plötzlich war ich wie besessen von dem Gedanken, in der Lage zu sein, virtuose Gitarrensoli spielen zu können. Das konnte ich vorher nicht. Als ich von New York nach Asheville gezogen bin, um an neuen Stücken zu schreiben, hatte ich dann zusätzlich so viel Zeit, dass ich es üben konnte.

"Begrenztheit ist der Schlüssel zur Kreativität"


Auf der Tour vor zwei Jahren habe ich dich mal live gesehen. Du hast eine Gitarre mit nur vier Saiten gespielt!

Das lag daran, weil ich ein richtig schlechter Gitarrist war! Die vier Saiten haben es mir enorm erleichtert, mit dem Instrument vertraut zu werden. Klar, es ist eben leichter mit vier Saiten: Du hast ja praktisch nur vier Finger, wenn du Gitarre spielst. Da muss man über viel weniger nachdenken. Keine Saiten, die unkontrolliert nachklingen. Und als ich das eine Weile gemacht hatte, fühlte ich mich bereit, mich an den vollen sechs Saiten zu versuchen. Schwierigere Sachen zu spielen, verrückte Akkorde und das alles.

Ja, das kenne ich, bin auch ein mieser Gitarrist. Vielleicht sollte ich mal deine Lösung mit den vier Saiten ausprobieren.

Versuch es. Das ist ein guter Weg, wenn du selber Songs komponieren willst. Denn es beschränkt deine Optionen. Begrenztheit ist der Schlüssel zur Kreativität! Das war wichtig für mich. Vielleicht mache ich das bei einem dritten Album wieder so. Aber jede Art von Einschränkung kann gut für dich sein, wenn sie sich inspirierend anfühlt.

Im Endeffekt hast du die ganzen Riffs und virtuosen Gitarrensachen in den zwei Jahren zwischen den Alben gelernt?

Jep. Ein Jahr lang tägliches, intensives Üben. Wie gesagt, ich war besessen.

Ein disziplinierter Mann.

Ich bin nur sehr passioniert in Sachen Musik und Frauen. Nicht die beste Kombination, aber so bin ich halt.

Wo wir gerade bei Gitarren sind: Gabs eigentlich spezielle Gründe dafür, warum du bis vor Kurzem noch auf die preiswerten Fender-Nachbauten von Squier zurückgegriffen hast?

Sie sind billig und funktionieren. Meine weiße Squier bekam ich zu meinem elften Geburtstag. Die ist etwas ganz Besonderes. Und zu der Zeit waren die, glaube ich, sogar qualitativ noch etwas hochwertiger. Meine Amp-Einstellungen sind ganz auf diese Gitarre ausgerichtet. Da weiß ich, dass es so klingt, wie ich es mir vorstelle. Stratocasters sind außerdem angenehm zu handhaben, und es spielt für mich keine Rolle, ob nun Fender oder Squier.

Ich dachte, dass du vielleicht den etwas trashigeren Sound bevorzugst. Das kenn ich zur Genüge von meiner Squier Telecaster.

Stimmt, der Sound ist nicht besser oder schlechter. Einfach anders.

Zurück zum Album: Die ruhigeren Parts, die mit dem minimalistischen Drumprogramming, hören sich teils sehr nach The Notwist an. Ist das ein Einfluss für dich?

Nein, das ist kein direkter Einfluss. Ich kann mich aber noch genau daran erinnern, als ihr Album "Neon Golden" rauskam. Es war ein sehr bekanntes Underground-Ding in Amerika. So wie Lali Puna und Ms. John Soda. Die haben alle den gleichen Bekanntheitsgrad bei uns und ihre ganz eigene Indiepop-Ära erschaffen. Sehr melodisch und emotional, aber auf der anderen Seite gänzlich komplett. Das Notwist-Album mochte ich allerdings persönlich nicht so sehr.

Jetzt weißt du wenigstens, dass eure Musik teils gar nicht so weit von einander entfernt ist.

Schön, dass du das sagst. Denn die Leute respektieren, glaube ich, ihre Integrität als Künstler. Ich selber konnte aber Sachen wie Autechre und Aphex Twin immer mehr abgewinnen. Also wenn du nach meinen Einflüssen suchst, dann eher in dieser Ecke. Der erste Track auf meinem neuen Album "(800) Human" beinhaltet sogar ein Drumsample von Autechre.

Deine Texte soll hingegen von Friedrich Nietzsche beeinflusst sein. Das habe ich zumindest in einem Interview mit dir gelesen. Was magst du an seiner Weltanschauung?

Er war, glaube ich, ein richtig unerschrockener Philosoph. Ein sehr radikaler Autor. Zudem sehr poetisch und mutig. Und irgendwie auch mysteriös. Schau, es ist für Philosophie so einfach, trocken und langweilig zu sein. Doch Nietzsche war offensichtlich verliebt in das, was er tat. In die Weisheit. Nichts anderes bedeutet ja das Wort Philosophie. Was ihn von anderen unterscheidet ist, dass er seine Gedanken in einer Form ausdrückt, die spannend zu lesen ist, und die dich fragen lässt, ob er nicht mehr wusste als wir alle – auf einer spirituellen Ebene. Irgendwann bin ich mal auf "Jenseits von Gut und Böse" gestoßen und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das hat mich so sehr überzeugt, dass ich mich genötigt sah, die Gedanken wirklich zu verinnerlichen. Das führte dazu, dass ich sehr depressiv wurde.

Ist es folglich wichtig für dich, irgendwelche subtilen philosophischen Messages in deinen Songs zu transportieren?

Es ist ein Trugschluss, dass ich das tun könnte. Philosophie ist eine große Inspiration für mich. Aber ich glaube nicht, dass sich Philosophie und Popmusik gut vertragen. Pop und Emotionen passen viel besser zusammen. Ich hatte Lust, auf diesem Album etwas damit zu experimentieren. Mit verschiedenen Arten von lyrischer Inspiration. Um zu zeigen, dass ich was auf dem Kasten habe. Oft denken die Leute, ich sei nur ein dummer Kiffer. (lacht) Da wollte ich diesen einen Teil von mir einfach mit den Menschen da draußen teilen, die sich ebenso wie ich für Philosophie interessieren.

"Darwin Deez ist nur ein idealisiertes Bild von mir selbst"


Wenn man deine Texte mal genauer betrachtet, sind sie meistens aus der Sicht eines lyrischen Ichs geschrieben, das auf eine Beziehung blickt. Hat das spezielle Gründe oder ist das nur das, was unkontrolliert aus dir heraussprudelt?

Ich glaube, dass Geschichten in Songs einfach am besten in der zweiten Person erzählt werden. Es ist komplett anders, wenn ich "we" singe. Dann muss ich tiefer in mich hineingehen. Zum Beispiel auf dem Track "Chelsea's Hotel": "Fling the insulation in the dumpster / We're expanding our empire of love for her." Das ist ein viel größeres Gefühl.

Macht es das Schreiben und das Hineinversetzen schwieriger?

Ich finde, dass es dem Ganzen einen sehr lauten, dramatischen Anstrich gibt. Und das will ich eigentlich nicht, denn ich mag Minimalismus. Deswegen so oft "I" und "You". Nehmen wir doch mal die Zeile "We're expanding our empire", dann wirkt das im Vergleich doch sehr bombastisch und abstrakt. Manchmal fühle ich mich hochmütig, dann schreibe ich solche Sachen. Aber nicht sehr oft, denn meistens fühle ich mich als kleine, nichtige Person, weshalb ich über "me" and "you" schreibe. Darauf beschränken sich doch auch die Gefühle in einer Beziehung. Auch "he" und "she" sind da schon viel epischer im Vergleich. Das hört sich ein bisschen nach einer großen Geschichte an: Es war einmal, vor langer Zeit. Sie lebte im Wald und hatte fünf kleine Schafe. (lacht) Verstehst du, wovon ich rede? Das macht die Texte viel abstrakter. Nun rede ich aber von "me" und "you", das heißt unmittelbar von mir und dir, was das Ganze viel direkter macht. Ich mag das einfach mehr. Songs sind meiner Meinung nach sowieso am besten, wenn sie etwas Autobiografisches enthalten – oder sich zumindest so anhören. Jemand singt, weil er etwas zu sagen hat und nicht, weil man ihn auf eine Bühne gestellt hat.

Betrifft das auch deinen persönlichen Musikgeschmack?

Das ist schwer zu sagen, weil ich Musik, die ich höre nicht in diesem Schema betrachte. Entweder etwas gefällt dir oder nicht. Ich denke aber, dass die meisten Menschen einfach Songs aus der zweiten Person heraus schreiben, weil das funktioniert.

Deine Musik bezieht viel Schwung aus einer positiven Haltung zum Leben. Hat das damit zu tun, dass deine Eltern Anhänger von Meher Baba sind? Inwieweit hat das dich als Menschen und als Musiker beeinflusst?

Das Leben hat es sicher in vielerlei Hinsicht beeinflusst. Die Musik eher nicht.

Hast du dadurch eine positivere Einstellung zum Leben? Diese "Don't Worry Be Happy"-Attitüde?

Vielleicht. Ich habe eigentlich immer an das, was Baba sagt, geglaubt. Bis eben auf die Zeit, als ich Nietzsche gedatet habe – damals musste ich es anzweifeln. Ein Konflikt.

Aber du bist aus dem Konflikt ohne Selbstmordversuche herausgekommen?

Doch, ich habe tatsächlich darüber nachgedacht.

Wirklich?

Nicht in der Art, als dass ich schon den genauen Hergang geplant hätte. Davor hätte ich sowieso zu viel Angst. Denn, wie Baba sagt, wird jeder Mensch mit einem Rucksack voll Karma geboren. Begeht ein Mensch nun Selbstmord, wird er als niedrigeres Geschöpf wiedergeboren. Dann musst du erst wieder gutes Karma sammeln. Das dauert ewig und ist sehr schmerzvoll. Würde ich daran glauben, nach dem Tod einfach eins mit der Erde zu werden, hätte ich womöglich nicht so viel Angst davor. Aber das was Baba sagt, hat mir Angst gemacht.

Bisher haben wir nur über die Kunstfigur Darwin Deez geredet. Dein bürgerlicher Name ist Darwin Smith. Sind Mr. Deez und Mr. Smith zwei gänzlich unterschiedliche Personen oder haben beide auch etwas gemeinsam?

Darwin Deez hat keine Freunde. Darwin Smith versucht zumindest, mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben. Viele Leute mögen Darwin Deez und denken, dass Darwin Deez Darwin Smith ist. Das stimmt aber nicht. Als ich als Musiker angefangen habe, waren Smith und Deez dieselbe Person. Inzwischen haben sie sich aber auseinanderentwickelt.

Du wirst also buchstäblich zu einer anderen Person, wenn du die Bühne betrittst?

Nur eingeschränkt, denn der Teil von Darwin Deez, der auf der Bühne steht, ist zu circa 80 Prozent Darwin Smith. Manchmal auch 50 Prozent. Aber größtenteils eben.

Wer hat denn mehr Schwächen?

Darwin Deez hat keine Schwächen, denn er ist ja nicht echt, nur ein idealisiertes Bild. Darwin Smith aber ist menschlich und hat folglich Schwächen: Zucker, Fernsehen, Internet, Mädchen.

Oh, das Frauenthema wieder …

Ja, Darwin Smith hat im Gegensatz zu Darwin Deez oft Entscheidungen getroffen, bei denen er sich selbst weh getan hat. Und er macht das immer noch so. Deshalb ist es eine meiner großen Schwächen.

Was neben deiner Musik eindeutig zu deinen Stärken gehört sind deine leicht kitschigen Videos. Wie sollte deiner Meinung nach ein perfekter Clip aussehen?

Ich mag es, ein Konzept zu haben. Das Video zu "You Can't Be My Girl" besteht beispielsweise nur aus Archivaufnahmen, die ziemlich komisch wirken. Obwohl die Aufnahmen ursprünglich doch eigentlich die Normalität abbilden sollten. Die Gestelltheit kann man aber auffliegen lassen, indem man enthüllt, wie komisch und verfremdet die Aufnahmen in Wahrheit sind. Eine interessante Dekonstruktion. Mein Lieblingsvideo ist "Everlong" von den Foo Fighters. Kannst du dich daran erinnern? Dem liegt ein hübsches Konzept zugrunde. Da schläft Dave Grohl neben seiner Freundin und hat einen Albtraum. Und seine Hände werden riesig und er fängt an, Leute zu schlagen. Eine abgedrehte Geschichte mit verrückten Visualisierungen. Ein guter Clip braucht also ein Konzept, Visuals, eine Geschichte. Performance ist nicht das Schlechteste, aber diese drei Sachen sind mir definitiv wichtiger als eine bloße Performance.

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