laut.de-Kritik

Halleluzifer!

Review von

"I will lay you down on the black laden crown." Über ein Riff wuchtigen Doom-Rocks legt sich Glenn Danzigs Stimme wie schwarzer Mehltau. Halleluzifer! Das warme, unheilvolle Charisma des "Evil Elvis" ist zurück. Verlockend wie in seligen Zeiten von "How The Gods Kill" führen Melodie und Gesang vom Titelstück des neuen Albums "Black Laden Crown" in dämonische, sexy Finsternis. Bester Danzig-Song seit über 20 Jahren, basta!

Was für ein höllischer Auftakt nach den ultimativen Tiefpunkten in Danzigs Schaffen namens "Skeletons" und "Deth Red Sabaoth". Denn man muss es deutlich sagen: Dank Alben wie "Danzig I" bis "Danzig IV" bleibt er eine rockhistorische Legende. Seitdem gab es jedoch wenig Grund zur Freude. Das halbwegs gelungene "I Luciferi" liegt bereits 15 Jahre zurück. Danach verließ Joey Castillo (Queens Of The Stone Age, Eagles Of Death Metal) den dunklen Tempel, um erst auf dieser Platte wieder zurückzukehren.

Es gibt noch mehr gute Nachrichten: Der Opener ist bei weitem nicht das einzige Stück, dass die okkulte Atmosphäre songwriterisch wiederbelebt. "Last Ride" oder "Witching Hour" bitten lasziv zur schwarzen Messe. "But A Nightmare" oder "Blackness Falls" schleppen sich angemessen untot durchs verheerte Niemandsland aus Doom und Hardrock. Und mit "Skulls & Daisies" gibt es sogar einen ledrigen Rocker, der nach den blutigen B-Movie-Soundtracks dieser Welt schreit.

Zwar serviert der Misfits-Gründer zwischendurch zwei recht durchschnittliche Blindgänger ("Eyes Ripping Fire", "Devil On Hwy 9"). Doch die Quote 7:2 auf der satanischen Habenseite ist etwas, das man von Glenn Danzig kaum noch erwarten durfte.

Gleichwohl krankt die Scheibe an einem grässlichen Drudenfuß, der einen Teil des Spaßes verdirbt: Die grauenvolle Produktion, der insdiskutable Mix und schlimm angerostet bröselnder Grottensound!

Man steht fassungslos vor diesem Paradoxon: Einerseits hat Glenn Danzig immens viel von seinem Ex-Mentor Rick Rubin gelernt und auf "III" und "IV" als Co-Producer auch selbst ein goldenes Händchen gehabt. Andererseits verfliegt das Know-How von Platte zu Platte wie Asche im Wind. Selbst ein mit allen Wassern gewaschener Sound-Routinier wie Howie Weinberg (u.a. Arbeit für Nirvana, Aerosmith, Red Hot Chili Peppers, The Cure oder U2) konnte anscheinend wenig vor den eigenwilligen Vorstellungen Danzigs retten.

Besonders tragisch klingt das Ergebnis im Finale "Pull The Sun". Der Song taugt kompositorisch und atmosphärisch viel. Auch Glenns Gesang ist über jeden Zweifel erhaben. Mischung und Klangbild töten indes weite Teile der Ausstrahlung ohne jeden ersichtlichen Grund.

Wer sich jedoch von diesem Low-Fi-Erlebnis nicht schrecken lässt und die Produktion als konsequenten Teil des Charmes akzeptiert, wie bei etlichen Low-Budget-Horrorkultstreifen, erhält endlich mal wieder eine handvoll gelungener Danzig-Tracks.

Trackliste

  1. 1. Black Laden Crown
  2. 2. Eyes Ripping Fire
  3. 3. Devil On Hwy 9
  4. 4. Last Ride
  5. 5. The Witching Hour
  6. 6. But A Nightmare
  7. 7. Skulls & Daisies
  8. 8. Blackness Falls
  9. 9. Pull The Sun

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6 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Mehr noch als einen kundigen Produzenten oder zumindest jemand, der ihn vom Abmischen fernhält, bräuchte Glenn Danzig eine gute Band. Vor allem ein Gitarrist wie John Christ fehlt seit seinem Ausstieg an allen Ecken und Enden.
    Jerry Cantrell ging im unnötigen Industrial- und Electro-Firlefanz leider fast vollkommen unter. Todd Youth hat sich immerhin noch einigermaßen Wacker geschlagen, aber Tommy Victor vermiest mir - auch wenn er sich diesmal deutlich zurückhält - verlässlich jedes Album seit "Circle of Snakes".

    • Vor einem Jahr

      Gerade der schneidende und grelle Gitarrensound hebt Danzig von anderen Doom/Hardrock-Kapellen ab. Tommy Victor setzt einen Gegenpol zum geerdeten Rocksound der Band. Ich sehe es als Fortschritt. Aber immer wieder interessant wie unterschiedlich die Geschmäcker doch sind.

  • Vor einem Jahr

    Wow, der Sound toppt sogar Killing Jokes "Hosannas From The Basements Of Hell"

  • Vor einem Jahr

    'Was für ein höllischer Auftakt nach den ultimativen Tiefpunkten in Danzigs Schaffen namens "" und "Deth Red Sabaoth".'

    Da fehlt wohl was.

    • Vor einem Jahr

      "Skeletons" wurde offenbar vom Rezensenten fast erfolgreich verdrängt ;)

      "Deth Red Sabaoth" würde ich aber nicht als Tiefpunkt seines Schaffens bezeichnen. Sicher, beschissener Sound und Tommy Victors nerviges Gitarrengenudel, aber immerhin gute Songs und stimmlich das Beste seit "IV".

  • Vor einem Jahr

    Klingt als wäre es live in einem Landgasthof mit Konzerthalle aufgenommen. Dadurch hat es einen besonderen Charme. So klangen eigentlich die Blues-Hardrock-Konzerte die ich in den frühen 90ern mitgenommen habe. Nostalgiefaktor! 4/5

  • Vor einem Jahr

    klingt wie alter opa auf der oma.

  • Vor einem Jahr

    großartige platte!!!! so wie deth red sabaoth auch ne großartige platte ist. die beiden werke verlangen halt nach leistungsstarkem verstärker und boxen und 100qm fläche. dann passt auch der sound.