laut.de-Kritik

Mehr Afterhour als Club.

Review von

2013 schrieb sich der Newcomer Daniel Avery mit einem bahnbrechenden Debütalbum "Drone Logic" unwiderruflich in die Technolandschaft ein. Für seinen Zweitling ließ sich der reflektierte Brite fünf Jahre Zeit und fokussierte sich währenddessen vorrangig aufs Kerngeschäft als DJ. Vom stringenten, fast Song- und vor allem Peaktime-orientierten Drive des Vorgängers bleiben nun interessanterweise nur Versatzstücke übrig.

Es wirkt, als hätte sich Avery bewusst für eine Reduktion des Soundkostüms entschieden und vermehrt Wert auf ein konsistentes Hörerlebnis gelegt, das ohne Paukenschläge auskommt. Dafür spricht nicht nur die verminderte BPM-Zahl: Mehrere Ambient-Skits stützen die Vermutung ebenfalls. Zudem leben auch die längeren Techno-Tracks mehr von sporadischen Variationen in den Beat-Patterns denn von überbordenden Melodien - "Song For Alpha" versteht sich als Liebeserklärung an den meditativ repetitiven Charakter des Techno.

Eine erste Kostprobe dessen gibt es nach dem beatlosen Opener "First Light": "Stereo L" kommt als zurückgenommene Acid-Nummer daher, die keine Anstalten macht, sich zu verbiegen oder versucht mehr zu sein, als sie ist. Für "Projector" oder "Clear" gilt Ähnliches: Auch bei erhöhtem Tempo setzt Avery auf sphärische Klänge, luftige Snares und melodisch begrenzte Loops, die sich nach und nach entfalten. "Sensation" knüpft hingegen noch am ehesten an "Drone Logic" an. Schwer hallende, überbordende Flächen, eine rhythmisch stampfende Kickdrum und der Eindruck musikalischer Katharsis dienen als Indizien.

Als regelrechte Überraschung und bemerkenswertester Track der Platte präsentiert sich "Diminuendo", das seinen musiktheoretischen Namen mit Nachdruck konterkariert und eine Blaupause für waschechten Bigroom-Techno darstellt. Düster, dronig und unbeirrbar rattert der Track über sieben Minuten mit typischer Detailverliebtheit von Highlight zu Highlight.

"Slow Fade" und "Glitter" profitieren von ihren schönen Basslines, bleiben melodisch aber gleichfalls bewusst simpel, wobei Letzteres immer wieder auf sakral anmutende Chöre zurückgreift. Avery rückt die Verhältnisse wieder gerade: Man wähnt sich der Afterhour nun wieder näher als dem Club. Diesen Eindruck bestätigt auch das finale "Quick Eternity", das mit traumhaft weichen Patterns und melodischen, verzerrten Cowbells das klangästhetische Resümee dieses Albums markiert.

Wer Daniel Avery als Produzent und DJ kennt, weiß, dass Schnellschüsse seinem Naturell nicht entsprechen: "Song For Alpha" beeindruckt als umsichtig entworfenes, in seiner Konzentration radikales Album, das vor allem als Gesamtkunstwerk verstanden werden soll.

Trackliste

  1. 1. First Light
  2. 2. Stereo L
  3. 3. Projector
  4. 4. TBW17
  5. 5. Sensation
  6. 6. Citizen // Nowhere
  7. 7. Clear
  8. 8. Diminuendo
  9. 9. Days From Now
  10. 10. Embers
  11. 11. Slow Fade
  12. 12. Glitter
  13. 13. Endnote
  14. 14. Quick Eternity

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