laut.de-Kritik

Fanfaren, Pianos und Bässe lassen den Hip Hop der alten Schule aufleben ...

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Gleich vorweg: Von diesem Team habe ich mehr erwartet. Immerhin treffen sich hier Vertreter zweier Rap-Institutionen, die dem Genre einen nicht unwesentlichen Stempel aufgedrückt haben. Produzent DJ Muggs hat mit seinen düsteren Rauchschwadenbeats einer ganzen Generation die erste Sportzigarette angezündet (Remember: Cypress Hills "I Wanna Get High"?), und GZA sprach mit seinem Wu-Tang Clan der selben Generation die Legitimation zu, dass es auch außerhalb von Staten Island völlig OK ist, sich im dicken Kapuzenpulli an brennenden Mülltonnen die kleinkriminellen Finger zu wärmen.

Dass die zwei Schwergewichtige jetzt als Duo zum Rundumschlag ausholen, ist natürlich mehr als erfreulich. Mehr als eine Handvoll Heads sehnen sich die Zeiten von "Temples Of Boom" und "Enter The Wu-Tang" zurück. Auf der anderen Seite ist so eine musikalische Elefantenhochzeit natürlich oft mit Erwartungen verbunden, die nicht selten enttäuscht werden. Die Frage ist: Können die Raps eines GZAs oder die Beats von Muggs überhaupt irgendwann noch einmal besser klingen als 1995?

"Grandmasters" liefert auf diese Frage keine klare Antwort. Ein Klassiker ist den Herren Gary Grice und Lawrence Muggerud nicht gelungen. Trotzdem flammt stellenweise das Gefühl auf, das jedem Head bekannt sein sollte, der einmal zu "Wu-Tang Clan Ain't Nuthing Ta F' Wit" begeistert das Köpfchen genickt hat. Die rohe Ungeschliffenheit eines RZA-Stückes jagt DJ Muggs zwar nicht aus seiner MPC. Trotzdem klingen die Beats des Cypress Hill-Produzenten mehr nach ungeschliffener Echtheit, als noch bei jüngeren Cypress Hill-Stücken oder seinem psychedelisch-abgefahrenen Soloalbum "Dust". Die Beats treiben, die Samples sind simpel, aber exakt gesetzt, Fanfaren, Pianos und Bässe lassen den Hip Hop der alten Schule aufleben, und das eine oder andere Mal entstehen dabei außergewöhnliche Rapstücke.

Auf "Queen's Gambit" etwa übertreffen sich Emcee und Produzent gegenseitig. GZA stellt seine Storytelling-Fähigkeiten phänomenal unter Beweis, und Muggs schustert so atmosphärisch einen trockenen Beat, Piano-Loop und vereinzelte Bläser zusammen, als habe er in seinem Leben nichts anderes erlebt, als verregnete Sonntage. Auch "Exploitation Of Mistakes" zeigt Muggs' dunkle Seite der Macht, ganz unterschiedliche Stimmungen mit seinen Produktionen zu erzeugen. "Advance Pawns" und "Unprotected Pieces" schlagen dagegen, mit ihren monumentalen Arrangements, eine tiefe Kerbe in das sonst eher ruhig angelegte Sound-Konzept. Zu bedrohlichem Streicherloop ("Advance Pawns") statten Cousin RZA, Raekwon und Sen Dog einen lyrischen Besuch ab, während auf "Unprotected Pieces" der GZA ganz alleine zu nicht weniger angsteinflößenden Geigen der großen Dichtkunst frönt.

Um noch einmal, abgesehen von der tatsächlichen Qualität dieser Platte, das Gewicht dieser Kollaboration zu verdeutlichen: Die beiden Altmeister des Raps (39 und 37 Jahre jung!) werfen gut und gerne gemeinsam fast vier Jahrzehnte Hip Hop-Erfahrung in den Credibility-Topf. Und eigentlich machen sie auf "Grandmasters" genau das Richtige. Sie beziehen sich auf den Sound, der sie und das Rap-Genre groß gemacht hat, ihnen entgeht dabei aber nicht, dass man im Rausch der goldenen Neunziger nicht stehen bleiben kann. So entsteht klassischer Hip Hop, der sich einerseits im ausgehenden Jahr 2005 nicht verstecken braucht, der andererseits Vertreter der neuen Generation wohl nicht vom Hocker reißt. Schade eigentlich.

Trackliste

  1. 1. Opening
  2. 2. Those That's Bout It
  3. 3. Destruction Of A Guard
  4. 4. Exploitation Of Mistakes
  5. 5. General Principles
  6. 6. Advance Pawns
  7. 7. Queen's Gambit
  8. 8. All In Together Now
  9. 9. Unstoppalble Threats
  10. 10. Unprotected Pieces
  11. 11. Illusory Protection
  12. 12. Smothered Mate

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