laut.de-Kritik

Meisterhaft, farblos, peinlich - alles dabei.

Review von

DJ Khaled hat Trap für sich entdeckt. Das musste so kommen. Auf dem Vorgänger-Album "Grateful" deutete es sich in den beiden Tracks "I Can’t Even Lie (feat. Future & Nicki Minaj)" und "Major Bag Alert (feat. Migos)" an. In der Materialfülle fielen die Beiträge damals nicht so sehr auf, und 2017 gestaltete der DJ noch einen dramaturgischen Bogen: Intro, Skits und Outro, eine allmähliche Tempo-Steigerung und ein Schmuse-Dancehall-Schlusstune machten "Grateful" zu einer runden Sache, zudem war die Scheibe mit Gästen wie Alicia Keys an die R'n'B-Kultur rückgebunden. Ein Terrain, in dem sich Khaled sicherer bewegt als im Trap. Das atmosphärische Stück "Won't Take My Soul" demonstriert diese Kompetenz sehr gut auf "Father Of Asahd".

Das Beste über dieses elfte Album, in dem der Producer als Artist in Erscheinung tritt, ist damit schon gesagt. "You can see the pain in my eyes / see the tracks in my tears / feel it deep in my body (...) This world's so cold / but I can’t ever break my code / You won't ever take my soul". Diese Zeilen flowen cremig und drücken das Essentielle des Soul-Erbes aus, das Khaled antritt. Die Musik dazu erscheint soundtechnisch bretthart und butterweich zugleich, da kann man nicht meckern, und in diesem raren Moment verdient der 'DJ' seinen Titel. Cee-Lo Green gibt anmutig die Hook Line, und aus dem Kontext herausgenommen, überzeugt dieser Song.

Im Kontext des Albums würde man den DJ dagegen fragen, wie er so etwas Schönes in einen so verhunzten Rahmen packen kann. Die meisten Titel scheppern als grottige 08/15-Produktionen ohne jeden Biss, aber mit unglaublichem Staraufgebot von Cardi B bis – halten wir uns fest – Justin Bieber.

Um drei besondere Flops der Platte herauszupicken: Wie sich Future, eigentlich eine der ästhetischen, angenehmen Stimmen im heutigen Rap, und Jay-Z in "Top Off" kaputt auto-tunen lassen, gehört auf die Liste der schlechtesten Tracks des Jahres. Beyoncé macht auch mit. Dabei liegt dem SOng die witzige Idee zugrunde, mit Falsett-Tonlage zu spielen.

Auf ganz schreckliche Art ersäuft John Legend auf "Higher" in einem Hochwasser aus übersteuerten Gospelchören und Clap Beats. Hier stimmt schon handwerklich nichts, der Tune schmerzt in den Ohren. "Los Angeles love", verkündet Legend, "Fuck Niggas, always gotta learn the hard way", versucht sich Nipsey Hussle (R.I.P.) gegen den jammervollen Lärm zu behaupten.

Nicht dass die Idee einer Klang-Collage so verkehrt wäre, die Umsetzung blamiert sich hier. Anders als es manche Lobhuldigung sieht, ist das definitiv keine angenehme Würdigung oder Denkmalsetzung des ermordeten Rappers. Sondern peinlich schlecht produziert. "No Brainer (feat. Justin Bieber, Quavo, Chance The Rapper)" wabbelt als kraftloser Lounge-Titel für die Umkleide irgendeines Wegwerf-Mode-Stores vor sich hin und klingt wie die Aufwärmübung zu einer Gesangsstunde.

Sensationell geradezu und sogar gelungen überrascht der Einstieg ins Album mit einer krassen Kombination aus Dancehall und Neo-Soul. Buju Banton, im letzten halben Jahr gleich zwei Mal frisch aus dem Gefängnis entlassen, einmal nach über sieben Jahren wegen Kokainbesitzes, einmal nach ein paar Tagen U-Haft, weil er seinen Sohn zusammen geschlagen hatte, besteigt mit Drama-Timbre den "Holy Mountain". Der jamaikanische Dauer-Newcomer Mavado folgt ihm in erhabener Gesangs-Choreographie. Den Refrain gibt in Sopran-Stimme ein weiterer 'Bad Boy' aus der Karibik, Sizzla. Noch ein paar scharfe Samples aus dem Dancehall goldener Zeiten und ein paar Donnergeräusche eingebaut - fertig ist ein Track, den kein Radio-Host irgendwo kürzen oder ausfaden könnte. Hier hat der DJ-Producer ganze Arbeit geleistet.

"Wish Wish (feat. Cardi B, 21 Savage)" springt dann ohne Zusammenhang in eine völlig andere Musikrichtung, läuft solide und hypnotisch. So weit mag man dem Album noch gerne folgen, dann kommt der erste Schrott-Tune. "Just Us (feat. SZA)" groovt fett. SZA legt ordentlich Sehnsucht in ihre Stimme, und wenn wir nicht dauernd belehrt würden, "We! The best music", DJ Khaleds unkreativer Schlachtruf (und Labelname), dann könnte man sagen: meisterhaft. Alles Weitere klingt ausdrucksschwach, farblos, austauschbar, billig abgemischt und unausgegoren, Ausnahme siehe oben "Won't Take My Soul (feat. Cee-Lo Green, Nas)".

Nach dem Einstiegs-Tune mit Buju wartet man noch interessiert aufs Ende, wo er auf "Holy Ground" wieder auftaucht. Wer hätte nun einen akustischen Roots-Titel erwartet? Dass Buju Banton hier auf demselben Album gastiert wie Jay-Z, darf man für einen Zufall halten – oder auch nicht. Irgendwer musste ja den Zuschlag bekommen, sich um das Comeback des einstigen Reggae-Grammy-Gewinners zu kümmern. Wenn dieses Comeback auf Dauer so klingt wie "Holy Ground", dann scheint es bei Ky-Mani Marley & Gentleman und deren "Conversations"-CD astrein abgekupfert zu sein.

Mangels Originalität und mangels Stringenz bleibt unklar, was der Albumtitel "Father Of Asahd" sagen soll. Den Ansatz, die diversen Spielarten der Urban Music auf einer Platte zu kombinieren und zu fusionieren, unterstütze ich gerne. Die Ausführung dieses Vorhabens klingt hier im Schnitt grässlich.

Trackliste

  1. 1. Holy Mountain (feat. Buju Banton, Sizzla, Mavado & 070 Shake)
  2. 2. Wish Wish (feat. Cardi B & 21 Savage)
  3. 3. Jealous (feat. Chris Brown, Lil Wayne & Big Sean)
  4. 4. Just Us (feat. SZA)
  5. 5. You Stay (feat. Meek Mill, J Balvin, Lil Baby & Jeremih)
  6. 6. Celebrate (feat. Travis Scott & Post Malone)
  7. 7. Higher (feat. Nipsey Hussle & John Legend)
  8. 8. Won't Take My Soul (feat. Nas & Cee-Lo Green)
  9. 9. Weather the Storm (feat. Meek Mill & Lil Baby)
  10. 10. Big Boy Talk (feat. Jeezy & Rick Ross)
  11. 11. Freak N You (feat. Lil Wayne & Gunna)
  12. 12. Top Off (feat. JAY-Z, Future & Beyoncé)
  13. 13. No Brainer (feat. Justin Bieber, Chance The Rapper & Quavo)
  14. 14. Thank You (feat. Big Sean)
  15. 15. Holy Ground (feat. Buju Banton)

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