laut.de-Kritik

Der untote Albtraum eines jeden aufrechten Republikaners.

Review von

Der etwas andere Wilde Westen: "It's one tooth of silver, it's one tooth of gold" Ungerührt klimpert die Akustikgitarre ihr freudloses Lied. Alle Revolverhelden sind tot oder müde, alle Heldenepen längst verklungen. Vom Paradigma des heroischen Kämpfers blieben höchstens zerschlissene Staubmäntel. John Wayne, Gary Cooper und alle anderen Mythen verblassen wie Skelette im Sand. In resignierter Konsequenz verkündet der Sänger "There's honor in giving up when you can't win the fight."

Willkommen im Colorado von DBUK, einem Ort, an dem niemals ein Sonnenstrahl erscheint, das Firmament verzweifelt wolkenverhangen bleibt und hinter nächtlichen Schatten die Fratze des Untergangs lauert. Mit diebischer Freude bürstet die Band um Sänger und Texter Munly Munly alles gegen den Strich, was man je über den glorreichen Westen zu wissen glaubte. Ihre intimen, bittersüßen Lieder bilden den untoten Albtraum eines jeden aufrechten Republikaners.

Jede Träne, die Männer hier vergießen, hämmert einen Sargnagel in das geschichtsklitternde Lügengebäude, auf dem Männer der Sorte Trump, Reagan, Nixon ihre Ideologie gründen. Heraus kommt unwiderstehliche Gothic Americana, Totengräber-Folk und Knochenlutscher-Country voller Liebe für die Verlorenen.

Mit Cello, Waschbrett, Banjo und einem Haufen betörender Melodien dekonstruieren DBUK jede Legende und schenken dem alten wie neuen Wilden Westen dadurch einen Haufen tiefer, empathischer Gefühle. Dabei achten sie darauf, dass jede Weinerlichkeit außen vor bleibt. Kurz vor dem Grenzübertritt gen Rührseligkeit kommt meist die Wendung gen Schauergeschichte.

Exemplarisch dafür steht "Jim Nabors, From Bass To Mezzo-Soprano". Vom Trucker zum Transvestiten wandelt sich der Antiheld, zieht das Kleid der Freundin an, schminkt sich und wandelt samt Revolver zum örtlichem Drugstore und Club. Ob das ganze schlussendlich in Suizid, Amoklauf oder Befreiung mündet, bleibt dem Scharfsinn des Hörers überlassen. Als zusätzlichen Gag schiebt Munly Munly Timbre und Phrasierung in Richtung Peter Murphy . Der Song klingt besonders in der zweiten Hälfte, als wären Bauhaus zur Rootsmusic konvertiert.

Ein zusätzlicher Reiz ergibt sich aus dem gelegentlichen Harmoniegesang Jay Munlys - so sein bürgerlicher Name, mit Cellistin Rebecca Vera (u.A. "The Columbia Girl"). So gut wie jeder Song geht als finstere Perle durch und adelt das von 16 Horsepower/Woven Hand erfundene Dark Country-Genre. Dazu gibt es in Liedern wie "Deerslayer" noch eine gehörige Portion Hank Williams-Spirit, der simultan als Hommage wie augenzwinkernde Ironisierung auftritt. Spätestens, wenn sie sich genüsslich über John Denver hermachen und diesem einen kaputten Zombiegesang namens "From The Estate Of John Denver" widmen, muss man sie einfach lieben.

Trackliste

  1. 1. Broncos Fight Song
  2. 2. Jim Nabors, From Bass To Mezzo-Soprano
  3. 3. The Columbia Girl
  4. 4. Uncle John's Boat
  5. 5. Three Bloodhounds, Two Shepherds, One Fila Brasila
  6. 6. Immaculately Warded Children
  7. 7. I Hid And Seeked The Funnel
  8. 8. Red Cross Is Giving Out Misinformation
  9. 9. Bonnie Clyde, The Big-Bull-Hen Of The Women's Prison
  10. 10. Deerslayer
  11. 11. From The Estate Of John Denver
  12. 12. In San Francisco Bay
  13. 13. Coca-Colonialism
  14. 14. The Misrepresentation Of The Thompson Gun
  15. 15. It's Killing Me
  16. 16. And God Bless You 

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1 Kommentar mit 2 Antworten

  • Vor einem Jahr

    ich muss gestehen, ich habe es ein paar mal gehört. hank williams und peter murphy sind natürlich referenzen. leider kann ich den enthusiasmus des werten anwalts nicht teilen.

    es ist nicht schlecht, aber es ist auch nicht so gut wie die neue inhuman nature von those poor bastards the maker von den goddam gallows.

    allerdings habe ich 2018 auch wie blöde besagte neue machtwerke der "goddam gallows" und der "those poor bastards" gepumped ohne ende. und das ist halt schon schweres kaliber im gefilde des schizoid-wahnhaften psychotiker-cuntrys für die geistig labilen. da muss man(n) erst mal rankommen

    • Vor einem Jahr

      das kann natürlich auch ein wahrnehmungsproblem sein. wenn man die - zu recht deinerseits hochgelobten - psychopathensachen des genres sointensiv verinnerlicht, kommt einem danach alles andere womöglich fast schon automatisch wie tantiger weicheinerkram der halbgaren sorte vor.

      da entgeht einem eventuell, wie gut dieser balanceakt gelingt. denn die schaffen es ja, quasi auch ein normales publikum zu ködern, dass dann beim zuhören eine überraschung erlebt.gerade die art, es fast fürein nashville-publikum genießbar zu machen, ist doch eigentlich die krönung subversiven vorgehens.

    • Vor einem Jahr

      das stimmt natürlich auch wieder. es ist auf jeden fall ein sehr schönes album und es freut mich, dass die letzten jahre, trotz des fast 6 jährigem sabbaticals von HankIII, in recht hoher frequenz hochklassiker americana/ alternativer cuntry veröffentlicht wird.

      Mir gefiel sogar das diesjährige album von king dude recht gut, der dank seines PC statements bzgl der taake us tour und den vielen postpunk elementen auf "Music to make war to" fast allen rückhalt aus der BM Szene verloren hat.

      Allerdings ist es nicht soo gut wie die frühen alben des kings... aber -es ist erschreckend- er kann wie ein (junger) Nick Cave klingen, wenn er möchte :uiui: :phones: