laut.de-Kritik

Geht der Techno-Pionier in Rente?

Review von

Er gehörte stets zu den Ersten: Als Techno die Geburtswehen hinter sich hatte und zum Sprung über den Atlantik ansetzte, tüftelte der Brite Cristian Vogel bereits mit Produktionsequipement herum und experimentierte mit Sounds. Als elektronische Musik wenig später zum Massenphänomen wurde, stand Vogel an den Turntables und gab den Vierviertel-Takt vor.

Als House und Techno Ende der 90er Jahre ihren Schwung verloren hatten, distanzierte sich Vogel von der Szene. Freilich ohne auf den, für ihn so wichtigen Reibungspunkt verzichten zu wollen.

Seit diesem mit viel Pathos verkündeten Break im Schaffen zog der Brite als Solokünstler nicht mehr ganz so viel Aufmerksamkeit auf sich. Bei Kritikern und Publikum hoch im Kurs standen dagegen die ersten Releases seines gemeinsam mit Jamie Lidell lancierten Projekts Super Collider.

Die kreative Hochphase des Duos erwies sich jedoch als kurzlebig, und so wurde das Projekt nach zwei Longplayern in den Stand-By-Modus überführt. Und Vogel machte das, was er auch schon vor seinem Break gemacht hat: elektronische Musik.

Auf seinem inzwischen 14. Album hat die zum einen mit frühen experimentellen Ambient Stücken, zum anderen mit den abstrakten Techno-Dekonstruktionen der 90er Jahre zu tun. Zudem erschließt sich Vogel mit Dubstep ein weiteres für ihn interessantes Terrain aktueller elektronischer Musik. Dort fallen einige Kompositionsprinzipien zusammen, die auch für seine Releases typisch sind: Das Spiel mit verschachtelten Rhythmen, die extreme Verfremdung von Sounds und ein Groove, der sich nur selten so vorhersehbar gibt, dass er zum Tanz animiert.

Eine der Ausnahmen dieser Regel und zugleich eines der Highlights von "The Inertails" findet sich unter dem Titel "Snakes In The Grass". Hier kombiniert Vogel seine Vorliebe für industrielle Sounds mit dubbigen Bass-Sounds. Ansonsten deckt er vor allen Dingen, die bereits erwähnten Genres Ambient und Experimental ab: Von paranoider Hektik getragene Beat-Strukturen ("Dreams Of Apolonia (Trying For Your Love)") wechseln sich mit ruhigen Nummern wie dem ironischen "Todays Standard Form" und "Spectral Transgression" ab.

Der Gesamteindruck bleibt zwiespältig. Manche der Tracks klingen wirklich gut, andere dagegen hätten so schon vor zehn oder 15 Jahren erscheinen können. Für einen Produzenten wie Cristian Vogel, der für sich in Anspruch nimmt, sich von aktuellen Entwicklungen abzukoppeln, ist ein derart diffuser Höreindruck dann etwas zu wenig.

Trackliste

  1. 1. Enter The Tub
  2. 2. Seed Dogs
  3. 3. Lucky Corner
  4. 4. Snakes In The Grass
  5. 5. Todays Standard Form
  6. 6. Deepwater
  7. 7. Dreams Of Apolonia (Trying For Your Love)
  8. 8. Bootstraps
  9. 9. Spectral Transgression
  10. 10. Moved By Waves

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