laut.de-Kritik

Melodische Popsongs, maskiert für die Wacken- und WGT-Klientel.

Review von

Mit ihrem zwölften Album "Antiserum" machen Crematory das recht durchwachsene Dutzend voll. Doch die gelegentlichen Peinlichkeiten gehören endlich der Vergangenheit an. Die aktuelle Platte agiert handwerklich wie kompositorisch deutlich souveräner als ehedem.

Nicht zum ersten Mal experimentiert die Westhofener Düsterkapelle mit elektronischen Elementen, jedoch noch nie so songdienlich. Die meisten Lieder bekommen ein gut zugeschnittenes Kleid aus der Steckdose. Hie ein wenig abgehangenen EBM, dort eine Prise Futurepop. Alles schön durchmischt mit ihren typischen Gothmetal-Light-Attacken samt Growls und hymnischem Klargesang im Wechsel.

Schöner Nebeneffekt: Durch die Eigenwilligkeit ihrer Stilpanscherei ereichen Crematory ein ganz und gar eigenständiges Klangbild mit hohem Wiedererkennungswert. Nicht so todernst evil wie viele Kollegen; eher die knuffige Buntmetal-Band in den Reihen der Schwarzkitteltruppen.

Solch ein spezieller - nicht gerade hartwurstkompatibler - Charme taugt selbstredend nur etwas, so man den Cocktail mit gelungenem songwriting und souveränen Vocals unterfüttert. Beides war im Verlauf der Crematory-Karriere mehr Achillesferse denn Stärke. Nicht so bei den vorliegenden elf Tracks. Den Kitsch gekillt, die Melodien aufgehübscht und die Stimme poliert. Endlich klingen sie wie aus einem Guss.

Schon der erste Song "Until The End" trumpft nach schickem Intro regelrecht auf. Die Strophe gehört dem growlenden Tier. Der starke Chorus kommt mit klassischer Rockvoice und dem nötigen Quäntchen Pathos um die Ecke. Auch "Welcome", "If You Believe" und erst recht der hitverdächtigen Anspieltipp "Inside Your Eyes" zeigen das starke Händchen für Eingängigkeit, die zum Mitsingen anregt ohne zu langweilen. Im Grunde sind es tolle, sehr melodische Popsongs, maskiert für die Wacken- und WGT-Klientel.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen ebenso der "Shadowmaker" und "Back from The Dead". Ersterer klingt, als hätten sich der Elektrometal Marke KMFDM mit einem Sisters Of Mercy-Track gepaart und ein growlendes Wechselbalg geboren. Das Lied aus dem Totenreich hingegen bietet toll pulsierenden Drive und hervorragend atmosphärisch eingesetzte Keyboards. Wenn dann alles zuende ist, hat man genau jenes Crematory-Album bekommen, das man sich seit dem grandiosen "Tears Of Time" stets wünschte und ihnen kaum mehr zutraute.

Trackliste

  1. 1. Apocalyptic Vision
  2. 2. Until The End
  3. 3. Shadowmaker
  4. 4. If You Believe
  5. 5. Inside Your Eyes
  6. 6. Kommt Näher
  7. 7. Irony Of Fate
  8. 8. Virus
  9. 9. Back From The Dead
  10. 10. Welcome
  11. 11. Antiserum

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