laut.de-Kritik

Amerika hat mehr zu bieten als George W. Bush.

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Wer die ironisch liebevolle Südstaaten-Hommage der Cohen-Brüder im Kino gesehen hat, wird die Referenz im Titel von "O Cracker Where Art Thou?" unschwer ausmachen. Zwei Institutionen des amerikanischen Untergrundes teilen sich die Urheberschaft an dieser beschwingt groovenden Platte voll von Country und Bluegrass: die Rockband Cracker um Frontmann David Lowery und Leftover Salmon, ihres Zeichens die countryesken Nachfolger von The Grateful Dead.

Die Kooperation nahm ihren Anfang, als Cracker-Sänger Lowery im Frühjahr vergangenen Jahres eines der legendären Livekonzerte von Leftover Salmon besuchte. Der Jamsessioncharakter der Liveperformance erinnert ihn an die eigene Arbeitsweise bei Cracker, und so findet er sich nach dem Konzert backstage wieder, wo er Leftover Salmon die Idee einer Zusammenarbeit unterbreitet. Die Bandleader Vince Herman und Drew Emmitt schlagen sofort ein, und so trifft man sich schon kurz darauf in Lowerys Studio in Virginia, wo einige Cracker-Klassiker für den Einsatz in den Honky Tonks amerikanischer Provinzstädtchen aufpoliert werden.

Vom ersten Ton an vermittelt "O Cracker Where Art Thou?" den Flair einer ungezwungenen Jamsession unter alten Freunden. "Get Off This" von 1993er Erfolgsalbum "Kerosene Hat" groovt unwiderstehlich aus den Boxen. Eine Spur ruhiger geht es zu, wenn "Eurotrash Girl", dessen sich auch die Chicks On Speed auf ihrem Debütalbum "Will Save Us All" angenommen haben, im Walzerrhythmus zum Schunkeln am Lagerfeuer einlädt. Natürlich dürfen auch die großen Cracker-Hits "Low", "Teen Angst" und "Lonesome Johnny Blues" nicht fehlen.

Cracker und Leftover Salmon gelingt mit "O Cracker Where Art Thou?" das Kunststück, den ansonsten durchweg negativ besetzten Schlagwörtern Hinterwäldlertum und White Trash mehr als nur eine positive Seite abzugewinnen. In den großen Weiten Amerika ist eben nicht nur jede Menge Platz für Trailer Parks und Tankstellen, an denen der wöchentliche Vorrat an Budlight und Miller Genuine Draft aufgefüllt werden kann. Hier ist Amerika immer auch das Land zahlloser freakiger Individualisten, die den anarchischen Gegenpart zum konservativen Weltverständnis von George W. Bush & Co. verkörpern.

Trackliste

  1. 1. Get Off This
  2. 2. Eurotrash Girl
  3. 3. Sweet Potato
  4. 4. Ms Santa Cruz County
  5. 5. Mr Wrong
  6. 6. Lonesome Johnny Blues
  7. 7. Low
  8. 8. Teen Angst (What The World Needs Now)
  9. 9. How Can I Live Without You?
  10. 10. Waiting For You Girl

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