laut.de-Kritik

Es gibt noch Dichter und Denker im Rap.

Review von

"Jeder, der meine Musik etwas länger verfolgt, erkennt ganz deutlich, dass ich versuche, das Volk zu retten." Es ehrt Cr7z, dass er, seiner Klarsicht zum Trotz, noch nicht alle Hoffnung fahren ließ. Auch, wenn zweifellos " ... morgen eh schon wieder Verdummung aus 'nem schweren Benz" pumpt, reicht heute noch die Zeit für einen kleinen Lyrik-Overkill.

Cr7z schürft tiefer als andere, das zeigte Anfang des Jahres bereits sein Debütalbum. Doch, merket auf: "'An7ma' war nur der erste Schritt." Neben dieser Verheißung umreißt "Yuki" auch gleich, was seinen Urheber aus der Masse der Konkurrenz hervor hebt: "Du spürst schon ganz genau, dass ich in Gehirnen wirke wie das Betrachten der würdevollen Gestirne, ähnlich den Verführungskünsten Circes, man fühlt mich sehr präsent."

Besser lässt sich die nachhaltig aufwühlende Wirkung, die Cr7z' machtvolles Vokabular hinterlässt, schwer in Worte fassen. Seine Zeilen zielen unmittelbar auf Herz und Hirn seiner Hörer und graben sich auf dem Weg dahin tief ins Fleisch. Den Stil seines Vortrags darf man gerne ein wenig eintönig finden. Bei Cr7z liegt der Fokus allerdings weniger auf dem Wie als darauf, was er sagt.

"Jedes der Lieder, die ich kreierte, ist ein Vermächtnis", preist ein Künstler mit einem neuen auch seine früheren Tracks an und verspricht: "Irgendeiner der 300 wird dich böse flashen. Kein Wunder: Das hier ist weitaus größer als das der Gestörten, die oberflächlich von Tiefsinn rappen - auf Klavierklängen." So viel Verachtung muss man in einem einzigen Wort, dem letzten nämlich, erst einmal unterbringen.

Dabei hat Cr7z offensichtlich gar kein grundsätzliches Problem mit Klavierklängen. Er nutzt sie selbst gerne, etwa in "Siegeszug", beim "Sprung In Das Blaue" oder in "Geboren Zum Rappen". Hier untermauern sowohl Cr7z selbst als auch sein Labelkollege Absztrakkt den Anspruch, mit dem sie sich den unbescheidenen Titel bei Vinnie Paz ausborgen. Dessen aggressive Zeilen aus "Role Of Life" finden dann auch per Cut Eingang und setzen grantige Akzente.

Bei Cr7z selbst steckt die Aggressivität eher in seinem radikalen Ansatz. Angesagten Strömungen gibt sich dieser Mann höchstens hin, um sich ans Ziel tragen zu lassen: "Deshalb tu' ich ab und zu, als folgte ich dem Trend, den man uns beibringt / schreibe etwas Seichtes, weil der eine oder andere erst mal langsam in das Wasser reingeht, nicht sofort von 20 Metern in die Kälte springt." Derlei Fürsorge täuscht allerdings nicht über die wahre Tiefe von Cr7z' Wassern hinweg. Genauso wenig wie die nur scheinbar einlullenden Beats, die wie hauchdünner Firnis über den Abgründen liegen.

Neben seiner aufrichtigen Hingabe an die Musik huldigt einer der letzten Vertreter der gefährdeten Spezies Dichter und Denker mit seiner "Hydra" der Liebe zur Sprache und zur Lyrik. Mit rasiermesserscharfem Intellekt seziert Cr7z die herrschenden Zustände. Anschließend noch schnell dem zuvor eingefangenen Zeitgeist die Kehle aufgeschlitzt und den ausgebluteten Kadaver an die nächstbeste Pinnwand genagelt. YOLO? Ja, du mich auch!

Trackliste

  1. 1. Shellshock
  2. 2. Yuki
  3. 3. Minus & Minus
  4. 4. Geboren Zum Rappen feat. Absztrakkt
  5. 5. Lass Mich Gehen
  6. 6. Siegeszug
  7. 7. Sprung In Das Blaue

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