laut.de-Kritik

Dreckiger 60s-Beat im glutheißen Death Valley.

Review von

The White Stripes, The Black Keys, Blood Red Shoes: drei Bands, die in den vergangenen 15 Jahren bewiesen haben, dass man im gern überproduzierten Rockbereich auch mit wenig Personal eine Menge erreichen kann. Doppelläufige Gitarren und vierstimmige Chöre sind schon lange kein Muss mehr, um die Massen auf seine Seite zu ziehen. Auch das Londoner Duo Cowbell kommt im Studio bestens mit einer Handvoll Kabel aus. Schlagzeug, Gitarre, zwei Mikros: mehr brauchen Jack Sandham und Wednesday Lyle nicht.

Schnell noch ein Grand Canyon-Poster und verstaubte Tourplakate der Stray Cats und der Beatles aufgehängt und los geht's: Mit crunchiger Retro-Slide-Gitarre und trockener Rhythmik geben Cowbell gleich auf dem Opener "Tallulah" die Richtung vor. Schon nach wenigen Sekunden bröckelt der staubige Putz von der Garagendecke, wenn die beiden Verantwortlichen ihren dreckigen 60s-Beat ins glutheiße Death Valley katapultieren.

Eine Schande, dass sich ein feuchter Fleck im Hitzepol östlich der Sierra Nevada keine zehn Minuten behaupten kann – so bleibt das Surfbrett ("Hanging By A Thread") leider zu Hause. Dafür werden aber umso mehr die Hüften geschwungen ("Never Satisfied", "Love Got Me Down").

Beide Protagonisten verfügen über ein eher limitiertes Organ. Weder Jack noch Wednesday glänzen mit souligen Phrasierungen oder standardisiertem Marlboro-Timbre. Stattdessen verlassen sie sich voll und ganz auf eingängige und simple Melodieläufe, die im Verbund mit ihren klaren Stimmfarben ein rundum stimmiges Gesamtbild erzeugen.

Ob High Speed-Ausflüge nach New Orleans ("Mississippi"), Snare-lastige Umarmungen ("Scratch My Back") oder tänzelnde Piano-Exzesse ("Bills"): Cowbell schaffen es, trotz vermeintlicher Gesangsdefizite, spielend leicht die Blutbahnen eines jeden in Wallung zu bringen, der sich die Fab Four auch gern einmal im Rockabilly-Outfit angetan hätte. Aber, warum mit einer Träne im Knopfloch zurück blicken? Schließlich feiert man doch am liebsten im Hier und Jetzt.

Trackliste

  1. 1. Tallulah
  2. 2. Hanging By A Thread
  3. 3. Never Satisfied
  4. 4. Love Got Me Down
  5. 5. Mississippi
  6. 6. Scratch My Back
  7. 7. Bills
  8. 8. Castle Walls
  9. 9. Oh Girl
  10. 10. All In Good Time

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