laut.de-Kritik

Zurück zum Easy Listening vergangener Tage.

Review von

Nachdem er Anfang des Jahrtausends seinen Bauchspeicheldrüsenkrebs erfolgreich bekämpft hatte, krempelte der britische Sänger und Gitarrist sein Leben um. Angefangen bei der Musik: Weg von den bluespoppigen Balladen, die ihn seit Ende der 1970er bekannt und erfolgreich gemacht hatten, hin zu anspruchsvollen Projekten wie "Blue Guitars" (2005, bestehend aus elf CDs, einer DVD und einem Buch), die Filme samt Musik "Santo Spirito Blues" (2011) und 2016 das Remake seines Filmes von 1986, "La Passione", den er dem 1961 verstorbenen Rennfahrer Wolfgang von Trips widmete.

Recht überraschend also kehrt Chris Rea mit der vorliegenden Liedersammlung nun wieder dorthin zurück, wo er angefangen hat. Andererseits verständlich, schließlich bleibt er gesundheitlich angeschlagen und muss immer wieder Operationen über sich ergehen lassen. Dass er dennoch immer wieder auf Konzertreise geht, ist um so bewundernswerter. "Road Songs For Lovers" bietet genau das, was der Titel verspricht: Easy Listening für intensive Konzertabende.

"I'm rolling down the highway / Got a smile upon my face / All the things that hurt me / Disappear without a trace", stellt Rea gleich in den ersten Zeilen klar. Slide-Gitarre, Ziehharmonika, Keyboards, Perkussionen, Schlagzeug, Bass, Bläser und die altbekannte ruhige wie angeraute Stimme: Der Opener ist Rea in Reinform.

Das Thema des Reisens zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Wie auch das der Liebe. "Sunburned feet on the dashboard / Suntan legs brown and bare / Suntan oil mixed with gasoline / Linger in the summer air" dichtet er im Titeltrack und verfasst somit Sehnsuchtszeilen, die vielen Autoschraubern gefallen dürften. Gut, dass er auch die eine oder andere Ballade auf Lager hat, etwa gleich der zweite Track.

Mit "Money", dank prominentem Bass eines der besten Stücke, wagt Rea eine zaghafte Gesellschaftskritik. Doch geht es ihm eher um die Liebe und das gute Gefühl, ständig in Bewegung zu sein. Auch wenn er sich danach sehnt, einen Ort zu finden, in dem es kein Gestern, kein Morgen, keine Sorgen und keine "Chains of Love" mehr gibt ("Nothing Left Behind") ist es doch die Liebe, die siegt, wie er im abschließenden "Beautiful" bestätigt.

An musikalischen Ideen fehlt es ihn nach wie vor nicht. Geschickt legt er Gitarrensoli über Keyboardbläser, gibt sich mal energiegeladen, mal nachdenklich. Das längste Stück des Albums "Last Train" beginnt als langsame Klavierballade und steigert sich allmählich in einen Klangbombast, der den Hörer wegzublasen scheint.

Live dürfte das Stück abgehen, wenn Rea mit Band im Herbst 2017 im deutschsprachigen Raum unterwegs ist. Nicht nur die Zuschauer dürften dabei glücklich sein: "I'm happy ... happy on the road", stellt Rea im Opener fest.

Trackliste

  1. 1. Happy On The Road
  2. 2. Nothing Left Behind
  3. 3. Road Songs For Lovers
  4. 4. Money
  5. 5. Two Lost Souls
  6. 6. Rock My Soul
  7. 7. Moving On
  8. 8. The Road Ahead
  9. 9. Last Train
  10. 10. Angel Of Love
  11. 11. Breaking Point
  12. 12. Beautiful

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3 Kommentare

  • Vor 11 Monaten

    Ich mochte seine Stimme und seine coole Art schon immer. "Well I'm standing by the river but the water doesn't flow.
    It boils with every poison you can think of ... And the perverted fear of violence chokes the smile on every face and common sense is ringing out the bell. This ain't no technological breakdown, oh no, this is the road to hell". Besser und ungerührter als Chris hat das nie jemand formuliert. Und das schon vor ziemlich langer Zeit. Guter Mann!

  • Vor 11 Monaten

    Dieser Kommentar wurde vor 11 Monaten durch den Autor entfernt.

  • Vor 11 Monaten

    Eine durchwegs positive Kritik, aber nur 3 Sterne?