laut.de-Kritik

In der Prog-Szene zu Recht verehrt und jetzt wieder zu haben!

Review von

Evans & Hanselmann hätten 1980/81 das Zeug zur Progressive Rock-Supergoup gehabt. Warum es mit diesem tollen Album nicht so recht klappte, weiß Gott allein. Diese Platte ist möglicherweise so etwas wie der künstlerische Höhepunkt in der musikalischen Biografie der beiden. In Teilen der Prog-Szene zu Recht verehrt und seit Jahren vergriffen, erfährt die LP nunmehr ihre verdiente Auferstehung als schicke CD mit ansprechendem Bonusmaterial.

Der konkrete innere Zusammenhang des als Konzeptalbum postulierten Werks will sich dem Hörer auch nach eingehender Lektüre der Texte nicht recht erschließen. Fest steht: Es geht um die Schöpfungsgeschichte im Allgemeinen und den berühmten magischen Steinhaufen sowie König Arturs Camelot im Besonderen. Da Storylines und Konzepte ohnehin selten der Stein aller Weisheit im Rock sind, ist deren kryptische Unausgegorenheit aber auch kein Makel. Hauptsache, die Musik taugt.

E&H erheben sich wohltuend über den Kreis berüchtigter Kardinalfehler des Prog. Bei ihnen steht nicht die verkopfte Zurschaustellung bloßer Fingerfertigkeit und vertrackter Strukturen im Vordergrund. Stattdessen servieren sie eine Melange aus sinnlicher Eingängigkeit, großartigem Gesang von Hanselmann und eine rockigen Verschmelzung von Synthies und Gitarren am damaligen Puls der Zeit.

Die Scheibe ist stilistisch ein echter Bastard mit gehörigem Schuss AOR. Wer ein Ohr für klassischen Rock hat, sollte unbedingt ein Ohr riskieren. Fans von Asia, Magnum, Alan Parsons, BTO oder den 80er-Yes (Trevor Rabin Phase) lassen das freigeschaufelte Juwel sicherlich nicht im Regal verstauben.

Vor allem die Sequenzer betonten Rocknummern haben es in sich. Als ultimativen Anspieltipp kann ich jedem das schicke "Salisbury Plain" wärmstens empfehlen. Hanselmann gibt im Refrain den abgehangenen Shouter, Evans' Keyboard geht fast sogar ein bisschen aus sich heraus. Und die Melodie bleibt sofort im Ohr.

In "Glastonbury" verarbeiten sie ansprechend das Gedicht "Jerusalem" von William Blake. Und im "Epilogue" zitieren sie Layamon, einen englischen Nationaldichter des 13. Jahrhunderts. Zwischendurch gibt es ein wenig Mittelalterfolk, einen Hauch Ambient, Schlachtengetümmel und sogar eine Prise der Genesisgeschichte auf Hebräisch. Wer es an dieser Stelle nicht drauf hat, muss sein Album fast zwangsläufig fürchterlich überladen. Dass dem nicht so ist und sich dem Lauschenden durchweg ein Hörgenuss bietet, ist das Verdienst der beiden im Gespann großartigen Musiker.

Trackliste

  1. 1. Genesis
  2. 2. Sunrise - Stonehenge Theme
  3. 3. Salisbury Plain
  4. 4. The Stones Of Avebury
  5. 5. Earth Magic
  6. 6. Silbury Hill
  7. 7. Guinevere (New Version)
  8. 8. O Virtus Sapientiae (The Isle Of Glass) (New Track)
  9. 9. Glastonbury, Temple Of The Stars
  10. 10. Cadbury Castle, King Arthur's Camelot
  11. 11. Lancelot + Guinevere - Arthur's Battle (New Track)
  12. 12. Epilogue (New Version)
  13. 13. Layamon's Prophecy (New Track)
  14. 14. Stonehenge Theme

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