laut.de-Kritik

Nur in Details variierte Screamo-Schemata.

Review von

Besitzt Equal Vision eigentlich schon eine Hausband? Ein pflegeleichtes Aushängeschild für Jubiläums- und Weihnachstfeier, das die perfekte musikalische Schnittmenge der eigenen Signings bildet? Chiodos aus Michigan sind beim Schablonenfertigen sehr eifrig gewesen und somit prädestiniert für den Posten. Die Neue Mitte als größtmöglicher Kompromiss für Anhänger des Emocore.

Dabei hinterlassen düsteres Booklet und fantastisch gezeichnetes Coverartwork zunächst einen alles andere als indifferenten Eindruck. Darauf prangt der greise Bootsmann Charon, der in der griechischen Mythologie die Verstorbenen über den Totenfluss ins Reich des Hades verfrachtet. Der Bandname hat übrigens entgegen einer spontanen Vermutung nichts mit Hellenischer Zahnpasta zu tun - er referiert auf das Regie-Duo Chiodo, das in den 80ern obskure Horrorfilme produzierte.

Allerdings weicht die Vorfreude ob der Aufmachung 40 Minuten später der Ernüchterung. Chiodos nisten im Zentrum von Emo und Post-Hardcore, werden aber nicht recht flügge und fügen den Genres keine bemerkenswerten Nuancen hinzu. Man kennt das ja mittlerweile zu Genüge: Zweistimmiger Gesang, duellierende Gitarren, engelsgleiche Chöre, metallische Blastparts, melodische Popbreaks und der omnipräsente Dauerlutscher namens Herzschmerz ("Name the last time I wrote about something other than you").

Leider setzten die Labelkollegen und Ideenpaten von The Fall Of Troy das Ding mit der Breaklastigkeit unlängst überzeugender um. Außerdem vertrauen Chiodos fast schon penetrant oft auf die Pianoklänge des Keyboarders. Zwei Tracks stechen dennoch aus der Tracklist hervor: "Baby, You Wouldn't Last A Minute On The Creek" behandelt wie zuletzt Film- und Clipregisseur Michel Gondry das Thema Gedächtnislöschung, während "All Nereids Beware" erst vor lauter Brüchen beinahe überläuft, um gen Ende mit harmonischem Gesang zu umarmen.

Letztlich geht das meist nur in Details variierte Screamo-Schema X auf Dauer ein wenig auf den Geist. "All's Well That Ends Well" greift also als Leitmotiv für diese Melange aus Thursday, Coheed And Cambria und From Autumn To Ashes definitiv zu kurz. Für die Kurzweil einer Betriebsfeier reicht es aber allemal.

Trackliste

  1. 1. Prelude
  2. 2. All Nereids Beware
  3. 3. One Day Women Will All Become Monsters
  4. 4. Expired In Goreville
  5. 5. Baby, You Wouldn't Last A Minute On The Creek
  6. 6. The Words 'Best Friend' Become Redefined
  7. 7. Interlude Pt. 1
  8. 8. There's No Penguins In Alaska
  9. 9. Interlude Pt. 2
  10. 10. We're Gonna Have Us A Champagne Jam
  11. 11. No Hardcore Dancing In The Living Room
  12. 12. Who's Sandie Jenkins
  13. 13. To Trixie And Reptile, Thanks For Everything

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