laut.de-Kritik

Niemand erwartet feinsinnige Vocallines!

Review von

Ich mag Children Of Bodom. In meinen Augen zählt Alexi Laiho zu den letzten wirklich großen innovativen Gitarristen. Viele stimmen dem nicht zu. Angesichts von "I Worship Chaos" kann ich diesen Standpunkt sogar nachvollziehen.

Mit "Halo Of Blood" meldeten sich Children Of Bodom eigentlich stark zurück. Alexi hatte wieder Ideen, schicke Riffs und den einen oder anderen Hit auf Lager. Leider ist davon 2015 nicht mehr viel übrig.

Die ersten paar Songs auf "I Worship Chaos" rauschen einfach durch. Das Opening von "I Hurt" klingt noch einigermaßen vielversprechend, dann gehts jedoch munter ab in stumpfes Gehacke. Wo sind die Hooks?

"My Bodom (I Am The Only One)" schließt nahtlos an. Die Riffs gehen hier rein, da raus. Ein paar Pinch-Harmonics, ein bisschen Palm-Mute, ein bisschen Hammering und ein Breakdown, der einfallsloser kaum geraten könnte. Einzig der Lead-Schlusspart hebt die Laune. In diesem Bereich hatten Alexi und Janne ebenfalls schon Besseres auf Lager.

Angelangt bei "Horns" lautet der erste Gedanke: "Nimmt das denn gar kein Ende?" Entweder man hat das Zeug schon zigmal gehört oder es ist besser, dass dem nicht so ist. Ich mag zwar "Morrigan", doch COB-Songwriting gestaltete sich definitiv schon spannender.

Dazu kommt: Nicht nur gitarristisch tritt Laiho auf der Stelle, sondern auch gesanglich. Feinsinnige Vocallines erwartet ja niemand. Aber mehr als dieses monotone Durchgekeife hat er normalerweise schon drauf.

Dann endlich: "Prayer For The Afflicted". Von Innovation selbst innerhalb des Bandkosmos' weiterhin Lichtjahre entfernt (da hat man mit "Punch Me I Bleed" und "Angels Don't Kill" schon ganz anderes im Low-Tempo-Sektor geleistet). Dennoch: Auf "I Worship Chaos" reicht es für einen Lichtblick. Zumindest kehrt einmal Abwechslung ein.

Und, hey! Die zweite Hälfte scheint tatsächlich Wiedergutmachung betreiben zu wollen. Der Titeltrack "I Worship Chaos" verfügt gar über ein Strophenriff. Plötzlich klingen die Vocals nicht mehr ganz so halbgar. Es geht also noch. "Hold Your Tongue": Hurra, noch mehr Riffs!

Während "Suicide Bomber" fallen Children Of Bodom nach gutem Intro (und gutem Ende) erneut ins Gedresche zurück, dafür überzeugt "All For Nothing". Janne packt den klassischen Klavierton aus, Alexi haucht sein Leben aus, es wird besinnlich. Der erste wirklich richtig gute Song. "All For Nothing" würde auch auf anderen Alben der Finnen ganz und gar nicht untergehen. Yeah, das trifft auch auf Soli und Melodien zu!

"Widdershins" beendet "I Worship Chaos" als solider Schlusspunkt. Keine Überraschung, aber auch kein Ausfall. So akklimatisiert man sich – dank zweiter Hälfte – im Laufe des Albums zwar. Es täuscht trotzdem nicht darüber hinweg, dass "I Worship Chaos" im Großen und Ganzen eher eine "okaye" denn eine "noch gute" Angelegenheit darstellt. Doch wenn einer bei der nächsten Platte zurückkommen kann, dann Alexi Laiho.

Trackliste

  1. 1. I Hurt
  2. 2. My Bodom (I Am The Only One)
  3. 3. Morrigan
  4. 4. Horns
  5. 5. Prayer For The Afflicted
  6. 6. I Worship Chaos
  7. 7. Hold Your Tongue
  8. 8. Suicide Bomber
  9. 9. All For Nothing
  10. 10. Widdershins

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5 Kommentare mit 10 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Tja so unterschiedlich sind die Geschmäcker...gerade die ersten 3 Songs sind für mich - abgesehen von den Klassikern Ende 90/Anfang2000 - das beste das CoB rausgehauen haben!

  • Vor 3 Jahren

    Aber was will man mittlerweile von laut.de auch erwarten wenn die neue Trivium, die zwar nicht schlecht ist, aber von einem Klassiker genauso weit entfernt ist wie eine Kuh vom Eierlegen, 5 Sterne bekommt...

  • Vor 3 Jahren

    Als fan der "something wild" kann mich cob sowieso leiser nicht mehr zum Lächeln bringen :/
    2/5 gerechtfertigt.

  • Vor 3 Jahren

    Zähle mich auch als der Verfächter des Old Schools von Something Wild - Follow the Reaper...

    ich seh das neue Album ganz anders als der Herr Berger, Für mich sind die ersten Stücke alle relativ langweilig.Vorallem I Hurt und I Worhip Chaos sind sehr ähnlich. Aber dann wurde meine Enttäuschung aufgefangen und es hat sich zum positiven gewendet.
    Prayer for the afflicted, suicide bomber und vorallem all for nothing sind richtig gut geworden. klar kann man sagen, es gab schon ruhige Lieder, aber Dead mans hand on you ist da auch keine Granate.
    Für mich das eindeutig bessere Album als Halo of Blood.
    Da vorallem wieder das Keyboard mehr in den Vordergrund gerückt ist, was auf Halo of Blood total COB untypisch minimiert wurde.

    Ansich braucht COB keine einfachen Trasher wo er nur reingrowlt. Sondern wieder vermehrt abwechslungsreiche Tempo, Instrumental Passsagen gemixt mit Screams und Growls + Keyboard unique. Sonst kann ich auch andere Bands hören.
    Aber, was ist eig mit Alexis Stimme los, seit Halo of Blood ist sie ziemlich komisch geworden, dabei merkt man an den Cover songs, dass er doch noch anders singen kann. Naja.

    • Vor 3 Jahren

      Soweit man weiß, arbeitet er zusammen mit Peter Tägtgren an den Vocals. Seit "Halo of Blood" wieder. Wo das Keyboard auf der Scheibe "minimiert" gewesen sein soll, bleibt vermutlich dein Geheimnis.

  • Vor 3 Jahren

    COB werden mit zwei Sternen nach Hause geschickt und das neue Trivium Album bekommt derer fünf? Was ist denn da passiert meine Damen und Herren? Zugegebenerweise sind beide Alben sicher nicht die absoluten Highlights im Katalog der beiden Bands, aber solide drei Sterne sind hier schon fällig, finde ich!