laut.de-Kritik

Weitermachen, aber Klappe halten.

Review von

Led Zeppelin gehören ohne Zweifel zu den einflussreichsten Bands, wenn es um Musik der härteren Gangart geht. Wer sich demnach mit den Mannen um Rock-Gott Robert Plant vergleicht, der wandelt entweder auf dem schmalen Grat zwischen Arroganz und breitbrüstigem Selbstbewusstsein oder ist einfach nur Mitglied einer Supergroup mit dem gehaltvollen Namen Chickenfoot.

Sammy Hagar, seines Zeichens ehemaliger Shouter von Van Halen und Mastermind der Hühners, macht jedenfalls keinen Hehl daraus, dass das Zweitwerk seiner Allstar-Band mindestens die gleiche Qualität besitzt wie das Erbe von Plant & Co. Schwere Geschütze eines Mannes, der mit Joe Satriani, Chad Smith und Michael Anthony drei Gleichgesinnte um sich schart, die schon zur Genüge bewiesen, dass sie es drauf haben.

Der Opener "Last Temptation" röhrt beachtlich und kommt dennoch über das bewährte Hardrock-Muster der Achtziger nicht hinaus. Natürlich klingt die Mike Fraser-Produktion um einiges dichter und zeitgemäßer als vergleichbare musikalische Ergüsse aus Zeiten des kalten Krieges, und dennoch bleibt die Struktur vorhersehbar und unaufgeregt.

Zudem klingt das Stimmorgan eines Sammy Hagar anno 2011 nur unwesentlich anders als vor zwanzig Jahren; von einem Vergleich mit der Inbrünstigkeit der Stimme eines Robert Plants gar nicht erst zu reden.

Doch die Jungs geben sich Mühe. Was auf ihrem Debüt noch ziemlich abgehalftert klang, präsentiert sich dieser Tage zumindest in punkto Vielfältigkeit um einiges reifer. Das zeigt sich besonders bei den Stücken "Alright Alright", "Three And A Half Letter" und "Dubai Blues". Während Ersteres auch gut und gerne aus der Feder Jagger/Richards stammen könnte, beschreitet das Quartett auf Letzterem bluesige und fast schon experimentelle Pfade. "Three And A Half Letter" explodiert im Refrain förmlich in ungeahnter Härte, während Hagar die groovigen Vers-Parts mit Sprechgesang füllt.

Die individuellen Qualitäten der einzelnen Protagonisten ordnen sich dem Kollektiv-Gedanken unter, und so kommt es nur selten zu ausufernden Solo-Ausflügen eines Joe Satriani oder stimmlichem Balz-Gehabe von Sammy Hagar. Was zählt ist die Gemeinschaft. Und die funktioniert.

Das reicht zwar nicht für einen Eintrag in die Musik-Geschichtsbücher und rechtfertigt auch nicht den im Vorfeld groß angekündigten Zeppelin-Vergleich, aber kurzweilig unterhaltend ist es allemal.

Vor allem, wenn sich die alternden Veteranen entspannt zurücklehnen und mit Songs wie "Come Closer" oder "Something Going Wrong" die Füße vom Pedal nehmen, verdient sich ihr Zusammentun eine Daseinsberechtigung. Die haben letztlich aber tausend andere Combos auch, ohne dass man sie in einem Atemzug mit Legenden wie Led Zeppelin nennen würde. Insofern: Weitermachen, aber Klappe halten.

Trackliste

  1. 1. Last Temptation
  2. 2. Alright Alright
  3. 3. Different Devil
  4. 4. Up Next
  5. 5. Lighten Up
  6. 6. Come Closer
  7. 7. Three And A Half Letters
  8. 8. Big Foot
  9. 9. Dubai Blues
  10. 10. Something Wrong

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