laut.de-Kritik

Der perfekte Sound für gammelige Kellerclubs.

Review von

Fuzzfuzzfuzz, fiepfiepfiep, schwurbelschwurbel – oh, eine Sitar! Cherry Choke aus England machen ihrer selbstgewählten Genrebezeichnung (Heavy Psych) alle Ehre. Ihr drittes Album "Raising The Waters" tobt sich in verqualmten Fantasien, spiritueller Grenzerfahrung und schwerem, bluestriefendem Stoner Rock aus.

Glattpoliert ist hier folgerichtig nichts. Aufgenommen auf 2''-Tape in den Colour Haze-Studios, München, atmet alles an "Raising The Waters" Old School-Attitüde. Die Produktion ist rau und extrem basslastig. Die kreierte Soundschicht ist drückend, dicht und wie geschaffen für die gammeligen Kellerclubs, die wir alle doch so mögen.

Musikalisch offenbart sich neben offenkundiger Black Sabbath- (steht hier Ozzy am Mikro?) und Led Zeppelin-Verehrung auch eine Vorliebe für amerikanischen Country-Blues. Das auf der Akustikklampfe hypnotisch durchlaufende "Rage On"-Mainriff weckt Erinnerungen an Kenny Wayne Shepherds "Blue On Black" (wers nicht kennt: unbedingter Anspieltipp – besser als alles, was Bonamassa je geliefert hat) – nur liegt darüber eben eine fette Ladung Heavy Blanket.

Statt in Endlosjams zu versickern, geben sich Cherry Choke dabei jedoch erstaunlich eingängig. Die "Rage On"-Hook kriegt man nicht mehr so schnell aus dem Ohr. Erst recht nicht, wenn das Trio sie im passend betitelten "Hypnotize Me" erneut zückt: "You move like lucifer on the floor / You move like lucifer on the floor / You move like lucifer on the floor / You move like lucifer on the floor." Und begleitet von ein paar Handclaps noch mal: "You move like lucifer on the floor / You move like lucifer on the floor". Jetzt alle zusammen: "You move like lucifer on the floor / You move like lucifer on the floor!". Wehe, auf den Konzerten wird nicht gesungen!

Körperlose Flüge durch das Land der grasbedingten Möglichkeiten haben Cherry Choke natürlich trotzdem im Angebot. Wie wärs mit entspannendem Meditationstrip und zeitgleicher Nervenprobe im Instrumental "Where The Sun Rises"? Während eine totgefuzzte Gitarre unerbittlich das zarte Trommelfellchen fickt, wiegt sich daneben eine Sitar sinnlich zum Orgasmus.

Ein wenig von dieser Fernoststonerparadiesatmosphäre schwappt auch in das nachfolgende "6ix & 7even" über. Speziell dieser Track offenbart allerdings am anschaulichsten die Schwäche der Mannen aus Leicester. Bisweilen fallen deren Kompositionen schon etwas geradlinig und damit vorhersehbar aus. Und das dann über sieben Minuten hinzuziehen, nimmt den Songs leider ihre durchaus vorhandene Coolness und Lässigkeit. Schade, aber Repetition ist eben nicht immer gleich hypnotisch, sondern kann auch mal ganz schnell langweilig werden.

Trotzdem bleibt der Gesamteindruck von "Raising The Waters" ein positiver. Unterstützenswertes haben die Engländer allemal drauf. Und gerade den eröffnenden Klängen von "Rage On" kann man sich schwer entziehen. Und hey – es gibt 'ne Sitar!

Trackliste

  1. 1. Rage On
  2. 2. Mindbreaker
  3. 3. Black Annis
  4. 4. Used To Call You Friend
  5. 5. Hypnotize Me
  6. 6. Where The Sun Rises
  7. 7. 6ix & 7even
  8. 8. My Mind To Lose
  9. 9. Discarded Hearts

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