laut.de-Kritik

Der Gainsbourg'sche Spiegel des Lebens besitzt keine glattpolierte Oberfläche.

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So mancher Künstler langweilt gerne mit der Veröffentlichung überflüssiger, zu Recht im Archiv gelagerter B-Aufnahmen. Nicht so Charlotte Gainsbourg: das Livealbum "Stage Whisper" ergänzte sie um acht bislang unveröffentlichte Studio-Aufnahmen, allesamt feine Tracks der A-Klasse.

Zum Beispiel die Beck-Komposition "Paradisco": Eine gleichermaßen vertrackt wie eingängig angelegte Nummer, die ohne Scham auf den Dancefloor schielt. Ein tiefer Bass wummert wohlig im Bauch und gibt die Richtung vor. Überraschend platzierte Samples und knurrige E-Gitarren-Einschübe halten die Spannung für die komplette Spieldauer auf hohem Level. Clubmusik muss nicht beliebig und platt sein.

Charlottes Stimme klingt mitunter sexy und angenehm neurotisch wie eine Juliette Lewis. "Terrific Angels" fasziniert durch dunkle Wave-Stimmung und drohender Lead-Gitarre. Hier fühlt man sich unwillkürlich an ursprünglich-rauhe Blondie-Tage zurück erinnert.

In "Got To Let Go" begeistert das Zusammenspiel mit Charlie Fink (Noah & The Whale), das in einen unwiderstehlich lieblichen, doch nie zuckrigen Pop-Refrain mündet. Im Hintergrund wabert verträumt ein sphärischer Wall aus sanften Elektro-Klängen. "Memoir" wiegt sich luftig und gefällig in wärmendem Chanson-Abendwind. Viele Songs vermitteln einen brüchigen Zauber, denn der Gainsbourg'sche Spiegel des Lebens besitzt keine glattpolierte Oberfläche. Dafür aber jede Menge feiner Risse.

Das Spiel mit der Zusammenführung unterschiedlichster Genres gelingt Charlotte gleichermaßen kunstfertig wie unangestrengt und fungiert nie als vordergründiger Selbstzweck. Gern lockt die Französin ihre Hörer im Laufe eines Songs auf eine falsche Fährte. Wozu auch ausgetretene, langweilige Pfade beschreiten, wenn die wahren Abenteuer abseits des Weges stattfinden?

Bei den Live-Aufnahmen ihres Vorgängeralbums "IRM" tritt ihre Band in den Vordergrund, die das bekannte Repertoire nicht einfach herunterspielt, sondern immer wieder neue Akzente einbringt. "IRM" drängt mit druckvoller Gitarre und knüppelndem Schlagzeug kräftig nach vorn. Die Begeisterung des oft frenetisch jubelnden Publikums fügt sich stimmig und willkommen in die Aufnahmen ein. "Heaven Can Wait" beschwört unwiderstehlichen Sixties-Pop.

Über eine große Stimme verfügt Charlotte Gainsbourg bekanntlich nicht. Dafür steckt sie mit ihrer Ausstrahlung und Sinnlichkeit manch besser ausgestattete Kollegin locker in die Tasche. Die handverlesene Songwriter-Auswahl von Beck über Jarvis Cocker (Pulp) bis hin zu Neil Hannon (The Divine Comedy) lässt mittelmäßige Kompositionen eh nicht zu.

Trackliste

  1. 1. Terrible Angels
  2. 2. Paradisco
  3. 3. All The Rain
  4. 4. White Telephone
  5. 5. Anna
  6. 6. Got To Let Go
  7. 7. Out Of Touch
  8. 8. Memoir
  9. 9. IRM (Live)
  10. 10. Set Yourself On Fire (Live)
  11. 11. Jamais (Live)
  12. 12. Heaven Can Wait (Live)
  13. 13. In The End (Live)
  14. 14. Af607105 (Live)
  15. 15. Just Like A Woman (Live)
  16. 16. The Operation (Live)
  17. 17. The Songs That We Sing (Live)
  18. 18. Voyage (Live)
  19. 19. Trick Pony (Live)

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