laut.de-Kritik

Hier galoppiert der Wahnsinn auf der wilden Raubsau.

Review von

Wer genauso unbedarft und unbefangen an diese CD rangeht wie ich das getan habe, sollte zuerst ein klärendes Gespräch mit seinem Arzt oder Apotheker führen. Der Konsum von "Collection Prestige" kann zu bleibenden Schäden und/oder manch eingeknoteter Gehirnwindung führen. Ich sag nur: Wahnsinn mit Methode.

Während die Kollegen Gauger, Dobler und Schuh bei der Erwähnung von Fantômas nicht nur weiche Knie, sondern wohl auch weichen Stuhl bekommen, muss ich meist den Drang unterdrücken, irgendjemandem (bevorzugt Mike Patton, Buzz Osbourne oder Dave Lombardo) inne Schnauze zu hauen. Nichts gegen durchgeknallte Musik, aber etwas System darf schon dahinter sein, und ein akustischer Overkill ist noch lang keine Kunst.

Mächtig einen an der Semmel haben auch die Franzosen von Carnival In Coal, die mit "Collection Prestige" schon zum vierten Mal eine Mischung aus allen möglichen Metal-Arten, Pop, Disco, Swing, Jazz, Oper und jeder Menge Schwachsinn verbreiten. Hier galoppiert der Wahnsinn auf der wilden Raubsau, hier bleibt kein Auge trocken und keine Windel ungenässt. Das geht bis an die Schmerzgrenze.

Schmerzen scheint auch der Kerl in "Party At Your House" zu haben. Das klingt irgendwie nach ner Mischung aus Nudel im Reißverschluss eingeklemmt und eingewachsenem Zehennagel. Dazu groovt immer wieder ein finsteres Rob Zombie-Riff, ehe das Duo unvermittelt in die Disco-Nummer "Fuckable" umschwenkt. Völlig irre! Damit aber nicht genug, switcht der Song zwischen Disco, derbem Metal und Samba hin und her und endet in einem völlig abgedrehten Soundtrack für jeden Bugs Bunny-Comic.

Was kann nach so was noch kommen? Wie wär's mit nem astreinen Black Metal-Song namens "Satanic Disaster", den ein kurzer Bebop-Part auffrischt und textlich jedes Klischee durch den Kakao zieht? Kein Problem, haben wir (der Lärm am Ende des Songs ist übrigens authentisch). Oder vielleicht eine erstklassige Thrash-Nummer mit dem Titel "Right Click ... Save Target As ...", mit freundlicher Aufforderung, diesen Song zu downloaden und anzuhören. Sollte machbar sein.

Disco-Sounds scheinen die heimliche Liebe von Arno Strobl und Axel Wursthorn (die heißen wirklich so!) zu sein, denn "Cartilage Holocaust" könnte in jeder Hütte mit anständiger Disco-Kugel an der Decke laufen. "The Lady And The Dormant Sponge" nimmt wieder kräftig die ganzen Black Metal-Fuzzis und ihre meist selten dämlichen Texte auf die Schippe, ist dabei musikalisch aber meist allererste Sahne.

"Delivery Day" ist mit großartigen Melodien gespickt, sowohl vom Gesang her als auch von der Gitarre und schießt dabei kräftig gegen alle TV-Junkies. "Ohlala" zerrt dafür ganz schön an den Nerven und führt auf Dauer, trotz diverser Calypsoklänge zu Ermüdungserscheinungen. Abgefahren ist dafür wieder die Coverversion von The Buggles. Doch CinC nehmen sich nicht den Dauerbrenner "Video Killed The Radio Star" vor, sondern das nicht so bekannte "Living In The Plastic Age".

"D.O.A (Drunk Once Again)" hat zwar seine guten Momente, wenn die Melodien einsetzen, überzeugt aber sonst nur mit dem witzigen Text. Das Outro "Promenade" lassen wir hier mal außen vor, klingt es doch eher so, als ob ein Orchester gerade seine Instrumente stimmt. Irgendwie passt das aber ins Bild und macht "Collection Prestige" zum durchgeknalltesten Album, das ich je gehört habe und das mir trotzdem gefällt.

Trackliste

  1. 1. Party At Your House
  2. 2. Fuckable
  3. 3. Satanic Disaster
  4. 4. Right Click ... Save As ...
  5. 5. Cartilage Holocaust
  6. 6. The Lady And The Dormant Sponge
  7. 7. Delivery Day
  8. 8. Ohlala
  9. 9. Living In The Plastic Age
  10. 10. D.O.A (Drunk Once Again)
  11. 11. Promenade

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