laut.de-Kritik

Melodienreicher Blackcore mit Streichern.

Review von

"Slow Death" von Carnifex hat stellenweise kaum noch was mit klassischem Deathcore zu tun. "Countess Of The Crescent Moon" zum Beispiel kommt bis zum Breakdown quasi als reinrassiger Black Metal-Brocken daher. Die Breakdowns sind im Grunde auch das einzige, was man Carnifex hier vorwerfen kann. Denn die führen zu Standard-Deathcore-Riffs und Standard-Deathcore-Riffs bestehen meist aus punktiertem Standard-Staccato und punktiertes Standard-Staccato ist — richtig — langweilig.

Um so schöner, dass Carnifex dagegen einige Mittel haben. Wie wäre es etwa, den Breakdown mit einer Shotgun zu würzen ("Dark Heart Ceremony")? Oh yeah, das fetzt. Die sinnlichere Variante, gebrauchte Strukturen aufzubrechen, stellt intensiver Einsatz von Streichern und Klavier dar. Mit einer Kombination aus beidem startet die Band das Album. Ein destruktives Synthierauschen verhindert, dass all zu gemütliche Stimmung aufkommt. Auch umgekehrt funktioniert das prächtig, wenn später die Streicher immer wieder zwischen geschwärzte Gitarrensalven und Scott Lewis' Hassgrowls grätschen.

Mit diesen Raffinessen im Arrangement dürfte zwar bereits bewiesen sein, dass Carnifex weit mehr können, als stumpf drauflos zu prügeln (besonders schön: ein Spieluhr-artiges Keyboard-Pattern in "Pale Ghost", das sich herrlich mit Gitarren- und Schlagzeugrhythmik ergänzt). Doch die Band scheut sich nicht, dies auch in weiteren Bereichen vorzuführen.

Möglicherweise das Beste an "Slow Death" sind die Soli. Melodiegespür hat Jordan Lockrey definitiv. Bei aller Brutalität des Soundbetts schmiegen sich seine Leads doch wunderbar an. Anspieltipps: "Black Candles Burning", "Drown Me In Blood", "Countess Of The Crescent Moon" sowie der Titeltrack. In Sachen Melodie sei außerdem das feingliedrige Zwischenspiel "Life Fades To A Funeral" erwähnt.

Ganz zum Schluss reicht man "Servants To The Horde" noch einen Batzen tonnenschwere Eingängigkeit, der sich live bestimmt als wunderbare Gangshout-Hymne entpuppen wird. Nicht zwingend notwendig, nimmt man aber gerne mit. Bleibt am Ende stehen: Deathcore, Death Metal, Black Metal, mit melodischen Soli und spannenden Arrangementdetails. Einigen wir uns auf Blackcore? Mehr davon.

Trackliste

  1. 1. Dark Heart Ceremony
  2. 2. Slow Death
  3. 3. Drown Me In Blood
  4. 4. Pale Ghost
  5. 5. Black Candles Burning
  6. 6. Six Feet Closer To Hell
  7. 7. Necrotoxic
  8. 8. Life Fades To A Funeral
  9. 9. Countess Of The Crescent Moon
  10. 10. Servants To The Horde

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1 Kommentar mit einer Antwort

  • Vor 2 Jahren

    Review klingt mMn besser als die Platte im Endeffekt ist. Sicher nicht schlecht, aber ne Offenbarung auch nicht. Dafür hat man alles irgendwo schon mal gehört.. Obwohl besonders die vocals echt brutal kommen. Solide 3/5

    • Vor 2 Jahren

      Nunja, Carnifex klingen schon sehr eigen. Eine Offenbarung ist "Slow Death" sicher nicht, allerdings ist es auch weit über "nicht schlecht" und "solide" einzuordnen. Einfach eine richtig gute und für Deathcore-Verhältnisse innovative Scheibe, die sich durchweg auf ein und dem selben Niveau bewegt.