laut.de-Kritik

Es gibt Platten, die einen sprachlos zurücklassen.

Review von

Es gibt Platten, zu denen fällt mir einfach nichts ein. Weil man einfach nicht viel sagen muss. Zu ihnen. Über sie. Weil sie für sich selbst sprechen. Weil sie das viel besser können, als so ein Hansel wie ich, der sich einbildet, er verstehe etwas von Musik. Ich, der ich dann Captain Planet höre und denke: Warum darüber schreiben?

Warum nicht einfach mit dieser Platte raus in die Welt gehen und sie den Leuten vorspielen? Damit sie hören, damit sie verstehen. Damit sie das verstehen, was man nach einem Durchlauf "Inselwissen" wissen muss. Dass Captain Planet gegenwärtig die beste deutsche Punk-Band sind.

Es gibt Platten, zu denen sollte einem nicht viel einfallen. Weil man sich in der Zeit, die man damit zubringt, etwas über sie zu Papier, pardon, zu Text-Programm zu bringen, lieber mit der Musik auseinandersetzen sollte, anstatt sie zu zerfleddern, nach Schwächen zu suchen, die Stärken zu destillieren. Weil diese Musik es verdient hat, ja sogar verlangt.

Sie schreit geradezu danach, sich in ihr zu verlieren. Das Licht auszumachen, den Rechner zuzuklappen. Die Beine unter die verschränkten Arme zu ziehen und einfach mal zuzuhören. Zu horchen, was Sänger Arne zu singen hat. Was er zu sagen hat, ist enorm. Groß. Manchmal unermesslich wichtig. Für ihn - und für dich.

Es gibt Platten, zu denen darf einem nicht viel einfallen. Weil es bedeutet, dass man den Respekt vor ihr verliert. Eine Platte wie "Inselwissen" strahlt in all der frenetischen Musik und der Dringlichkeit, der Direktheit und der transzendierenden Angst eine Erhabenheit aus, die man nicht enttäuschen möchte.

Die Musik, die Komplexität, das treibende, zurückhaltende Drumming, die Gitarren, so fesselnd, lieblich, betörend. Am Mikro ein Lyriker, der nicht einfach Geschichten erzählt, sondern direkt zu dir spricht. "Von den Geschichten gefesselt, die zwischen euch liegen."

"Inselwissen" ist eine Platte, zu der fällt mir einfach nichts ein. So ähnlich war es schon beim Vorgänger "Wasser Kommt Wasser Geht", doch es scheint, als seien Captain Planet zur Steigerung fähig. Zur Maximierung des guten Gefühls, der Wärme, der Nähe.

Wer es schafft, mich derart sprachlos zu hinterlassen, dem sei die Höchstwertung gegönnt. Auch wenn es mir fast banal erscheint, derartige Musik mit Punkten bewerten zu wollen. Wichtiger ist zu wissen, dass Captain Planet ihresgleichen suchen. Und das kann man getrost mit Edding an die Wände hauen.

Trackliste

  1. 1. Walbaby
  2. 2. Hans Dampf
  3. 3. Vom Fass In Den Regen
  4. 4. Blattsport
  5. 5. Blick Durch Den Lattenrost
  6. 6. Rambo
  7. 7. Knapp Unterm Dach
  8. 8. Der Rückbau
  9. 9. Miniaturwurzelwerke
  10. 10. Stühle Rücken
  11. 11. Parkhaus

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23 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    @oh-no (« @ode to the sun (« @oh-no («
    als mit Hardcore-Bands die sich Screamo nennen weil es gerade hip ist »):

    Escapado und andere Bands nennt sich nicht Screamo weil es hip ist, sondern sie spielen die ursprüngliche Screamoform der 90er wie Portraits Of The Past, Saetia etc. :rayed: »):

    Das würden sie wohl gerne, aber ich denke da kann man hierzulande andere Bands zu Rate ziehen als diese Combo. Ich erinner mal an Yage, Age aus Bremen ... Wo wir wieder beim Thema sind ... Klingen Captain Planet wie Mid90s Screamo? Also was sollen die da gemeinsam haben? Ich meine, da fing die Diskussion ja mal an. Captain Planet kommen da doch viel mehr vom Melodycore der 90er als das sie von den Mid90s Screamosachen beeinflußt sind ... »):

    Yage sind super, die find ich auch besser als Escapado

    Aber beide ortienieren sind am mid90s Screamo!

    Escapado und Captain Planet haben die Herangegehensweise an ihre Texte gemeinsam, und das beide msuikalisch rhtymisch komplexer agieren.

    Denn mit Melodycore a la Bad >Religon hat Captain Planet wewnig zu tun eher Post-Punk.

  • Vor 11 Jahren

    uh hab garnich gesehen das zu dem album ne review am start is. jedenfalls, klasse album, wie schon erwähnt wurde, finde ich die unterschiede zum vorgänger minimal aber wurst sind 2 geniale platten. einzig was mich wiedermal stört ist das sie wieder mal viel zu kurz geraten is die platte. aber wer weis wohin die reise mit der band noch geht :)