laut.de-Kritik

Rein in die Sneakers und ab auf die Tanzfläche.

Review von

Auf ihrem vierten Studioalbum präsentieren die Thüringer um Frontmann Hannes Naumann lupenreinen Electro-Pop. Nah am Mainstream waren sie schon immer, aber mit "This Is Forever" zeigen Captain Capa auf erfrischende Weise, was ihnen seit je her am besten liegt: Indie-Kids auf die Tanzfläche zu befördern. Spoiler für Fans der ersten Stunde: Hier gibts keine Pokemon-Hommage.

Zuvor gab es im Bandgefüge Bewegung: Mario Saegling an den Synthesizern und Ex-Supershirt-Musiker Marco Pilzecker an der Gitarre stehen nun im Lineup. Die Verbindung zu Supershirt besteht seit 2010 mit dem Release der Split-EP "Tote Tiere". Als frischgebackenes Trio veröffentlichten Captain Capa 2015 die "Death Of A Hydra"-EP, die dem neuen Release nun als Bonus beiliegt. In Sachen Produktion funkt auch wieder das Audiolith-Universum mit: Norman Kolodziej, besser bekannt als Der Tante Renate (und Teil von Bratze), sorgt für den nötigen Feinschliff.

Der Opener "Nightwings" stellt einen smoothen Einstieg in die Platte dar. "Drive, Baby, Drive": Elektronischer Retropop mit Synthieklängen, ein perfekter Track für laue Sommernächte und biertrunkene Geständnisse im Auto (natürlich nicht von Seiten des Fahrers) - garniert mit bittersüßer Abschiedsstimmung. Auch Songs wie "Kings Of Nothing" und "O O O" ziehen auf die Tanzfläche und verbinden altbekannte Pop-Strukturen ("Come, take me somewehere where no one knows my name / Let's drink till we're feeling the same") mit treibenden Beats und Synthesizern.

Warm wabernde Beats, gepaart mit Breaks an den richtigen Stellen, dumpfem Bass und obligatorischen Handclaps: Im Song "Athena" wird Hannes' Stimme verfremdet und ein kurzer Ausbruch in das Chill Wave-Genre gewagt. Nicht die einzige musikalische Überraschung - so werden depressiv angehauchte Zeilen in "Judd Apatow Lied To Me" von einem Reggae-Beat unterlegt: "I'm done with the fun and the games, so I'm giving it up / I'm afraid I'm sick and I'm tired of me".

Gerade die stärksten Lieder könnten für einige Hörer aber ein Wermutstropfen sein. "This Is Where I Lost You": Die erste Single "The Fever" gesellt sich in der Pop/Punk-Sparte einen gewaltigen Tick zu nah an die Emo-Vetreter Breathe Carolina, Metro Station oder gar The Medic Droid. "Clarendon", "The Weeks After" und "Savescummer" folgen diesem Beispiel und lassen alptraumartige Flashbacks aus Zeiten von MySpace, bemalten Vans und Frisuren, die gleichzeitig Heimat von verschiedenen heimischen Vogelarten sein könnten, hochkommen. Wer damit kein Problem hat - hier steigt die Party.

Langweilig wird es mit Tracks wie dem eher langsam aufbauenden "Gazer" trotz allem nicht. Gekleidet in ein nettes Gerüst aus Trance und einem Oldschool-Disco-Bass, wirkt der Song sehr schlüssig und könnte glatt aus dem hochgelobten "Drive"-Soundtrack stammen. Hut ab. Mit "Vantaheart" ist auch ein obligatorischer Break-Up-Song vertreten, geschmückt mit E-Gitarren im Hintergrund und wabernden Synthies. Eine starke Nummer, trotz eher dürftiger Parolen "This is your time to say your goodbyes" und "I'm about to leave you - for good".

Auf dem Dancefloor spielt das allerdings keine große Rolle. Und genau dort zieht einen die Platte eben hin: Rein die bequemen Sneakers und ab dafür.

Trackliste

  1. 1. Nightwings
  2. 2. The Fever
  3. 3. Clarendon
  4. 4. Vantaheart
  5. 5. Kings Of Nothing
  6. 6. O O O
  7. 7. Athena
  8. 8. This Is Where I Lost You
  9. 9. Gazer
  10. 10. The Weeks After
  11. 11. Judd Apatow Lied To Me
  12. 12. Savescummer
  13. 13. Trondheim
  14. 14. Anomaly 87.1
  15. 15. Haruka (Bonus Track)
  16. 16. Vipera (Bonus Track)
  17. 17. 42 Summers (Bonus Track)
  18. 18. Mirage (Bonus Track)

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