laut.de-Kritik

Die Neunziger sind zurück! Klingt erfrischend alt!

Review von

"This is CNN" verkündet der Nachrichtenjingle im Intro erwartungsvoll. Als die ersten gefilterten Fragmente von alten Klassikern wie "The Invincible, Untouchable." ertönen, beginnt auch schon die "Channel 10"-Berichterstattung. Hoffentlich verspricht sie Brisanz wie etablierte Abendnachrichten.

Seit dem letzten Album sind schließlich neun Jahre vergangen, was also ist passiert, dass die Reporter Capone und N.O.R.E.(aga) auf einmal wieder News ankündigen? Brauchen sie Geld? Haben sie etwas Wichtiges zu sagen? Wollen sie Rapmusik erneut revolutionieren?

Die Zeichen standen jedenfalls nie besser für gemeinsame Studioarbeit. Endlich sind beide Rapper gleichzeitig für die Aufnahmen vor Ort zur Stelle. Nichts muss mühsam über das Telefon koordiniert werden und Capone ist tatsächlich die ganze Zeit auf freiem Fuß. Beste Voraussetzungen also, die Erfolgsstory ihres Debüt-Albums "The War Report" zu wiederholen.

"The War Report" gilt als Meilenstein des Undergrounds. Zusammen mit Mobb Deep representen sie ihr New Yorker Viertel Queensbridge und prägen den harten Street-Rap zu jener Zeit dermaßen, dass ihr Stil fortan als klassischer Eastcoast-Sound betitelt wird. Lyrics handeln im Wesentlichen vom Leben auf der Straße sowie der damit verbundenen Kriminalität und kommen ausschließlich über roughe Beats, die lieber eine Spur zu düster oder melancholisch gestaltet sind, statt in Richtung jiggy oder Party zu holpern.

Diese glorreichen Pionierzeiten sind schon ein Jahrzehnt passé. Seitdem überzeugten eher durchschnittliche Soloalben nicht wirklich, erst N.O.R.E.s Feature auf dem Track "Bounce" vom kanadischen Elektro-Noize-Duo MSTRKRFT sorgte im letzten Jahr für Aufsehen.

Um meine eigene Nostalgie bangend, höre ich also in "Channel 10" rein. Gleich der erste Song begründet das aufgefrischte Bündnis "united we stand, divided we fall", dahinter ein Dire Straits Gitarren-Sample. Klingt erfrischend alt! Die Neunziger sind zurück! Und wie!

Tanzbarkeit bzw. Partytauglichkeit steht hinten an, dafür Street-Raps wieder ganz vorne. Jeder Beat könnte aus irgendwelchen Tracks von der Eastcoast Garde vor dem Millennium stammen. Tragendes Sample, Loop, simple Breaks, fertig. Der Rap im Mittelpunkt.

"Talk To Me Big Time" enthält heroischen Chorgesang, der an die finale Kampfszene zwischen Darth Maul und Obi-Wan Kenobi aus Krieg der Sterne erinnert. DJ Premier zeichnet für "Grand Royal" verantwortlich, was nicht schwer herauszuhören ist, aber erfreut. Super Beat, klassischer Premo Style, dazu eine unverkennbare gescratchte Hook "CNN, The-The-The-Reunion" (warum macht das eigentlich niemand mehr?).

Mobb Deep rappen in "Wobble" mit und machen den NYC-Soundtrack perfekt. "My Hood" featured dafür ausgerechnet Tha Dogg Pound, die mit "NY NY" damals den Beef unter den Crews eröffneten. "You dedicate it to yours, and I dedicate it to mine ... my hood my hood." lautet nun der Beginn der Friedensverhandlungen.

Der "Beef"-Track zeigt, dass das Leben ohne ewige Streitereien eben nicht das Schlimmste ist, "raised in the belly of the beast ... you know it’s hard, all this ghetto living got me scared". "My Life", "Follow The Dollar" oder "Stick Up" erzählen aus dem Leben des Queensbridge Duos. Sogar kleine Gesangseinlagen finden sich in "Channel 10" und "Addicted".

Insgesamt besticht das Album mit typischen, alten New York Beats, die zwar in ihrer Geschwindigkeit eher langsam sind und gern von einem tragischen Piano verziert werden, allerdings das eingespielte MC-Paar dementsprechend in Szene setzen. Das goldene Zeitalter des Hip Hop lebt hier wieder auf. Lediglich die Auskopplung mit Busta Rhymes & Ron Brownz fällt aufgrund einer Autotune-Hook und etwas Cluborientierung in der Produktion aus dem Rahmen.

Produzenten wie DJ Premier, The Alchemist, STK Play & Skills und Hazardous Sounds stehen mit Beiträgen parat. Darüber hinaus überzeugt eine prominente Gast-Feature-Liste mit Busta Rhymes & Ron Brownz, Fat Joe, The Clipse, Tha Dogg Pound, Maino, Uncle Murda, Picalo und Charlie Hustle.

Für Post-Millennium sozialisierte Hip Hop Ohren könnte "Channel 10" eventuell etwas unspektakulär wirken. Ich als Nostalgiker muss sagen: Endlich klingt es wieder wie damals. Früher war es wirklich besser. Klingt jedes Comeback wie dieses Album, ich hätte kein Problem damit, jedes Mal ein ganzes Jahrzehnt darauf zu warten.

Von Karim Chughtai

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. United We Stand
  3. 3. Rotate
  4. 4. Talk To Me Big Time
  5. 5. Bring It Here
  6. 6. Grand Royal
  7. 7. Argument
  8. 8. Mirror
  9. 9. Wobble
  10. 10. Channel 10
  11. 11. Beef
  12. 12. My Life
  13. 13. Stick Up
  14. 14. My Hood
  15. 15. Follow The Dollar
  16. 16. You See Me!
  17. 17. Addicted

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15 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Wenn es Dad Rap (Pendant zu Dad Rock) noch nicht offiziell gibt (wobei 99% Westcoast-kram ja schon diese Stellung einnimmt), dann spätestens jetzt.

  • Vor 11 Jahren

    @Reptile (« Wenn es Dad Rap (Pendant zu Dad Rock) noch nicht offiziell gibt (wobei 99% Westcoast-kram ja schon diese Stellung einnimmt), dann spätestens jetzt. »):

    heisst du würdest es nicht weiterempfehlen? hatte eigtl vor es mir zuzulegen.....

  • Vor 11 Jahren

    das album is einfach der hammer. hab es mir zugelegt in den player geschmissen und mich direkt in alte zeiten zurückversetzt gefühlt.

    the war report, the reunion was für geile zeiten und nun endlich die re reunion channel 10 !!!

    die beiden harmonieren wie immer bestens. die beats allesamt klasse und typisch queensbridge.

    der einzige track den ich systematisch wegskippe ist bustas beitrag, was nicht an ihm liegt sondern am popsong ansich, fällt komplett aus dem konzept des albums.

    ausser diesem ausrutscher ist jeder track ohne abstriche hörbar und mit jedem mal GEILER !

    so bin wieder nachrichten hören

    CNN NETWORK CHANNEL 10

  • Vor 11 Jahren

    @Rower (« 5/5. niemals, höchstens 3/5, eher in die richtung 2/5. das album war eines der schlechtesten, wenn nicht sogar das schlechteste c-n-n-album, der letzten jahre. »):

    das letzte richtige album von cnn gab es anno 2000 keine ahnung was du unter "letzten jahre" verstehst

    und es reiht sich einfach mal nahtlos in die klassiker von damals ein.
    top album das. liegt halt nicht jedem, der 1999 noch im sandkasten kuchen backte.

    word !

  • Vor 11 Jahren

    @laut-veritas (« @Rower (« 5/5. niemals, höchstens 3/5, eher in die richtung 2/5. das album war eines der schlechtesten, wenn nicht sogar das schlechteste c-n-n-album, der letzten jahre. »):

    das letzte richtige album von cnn gab es anno 2000 keine ahnung was du unter "letzten jahre" verstehst

    und es reiht sich einfach mal nahtlos in die klassiker von damals ein.
    top album das. liegt halt nicht jedem, der 1999 noch im sandkasten kuchen backte.

    word ! »):

    selber word, du schmuddel backe!

  • Vor 11 Jahren

    @laut-veritas (« @Rower (« 5/5. niemals, höchstens 3/5, eher in die richtung 2/5. das album war eines der schlechtesten, wenn nicht sogar das schlechteste c-n-n-album, der letzten jahre. »):

    das letzte richtige album von cnn gab es anno 2000 keine ahnung was du unter "letzten jahre" verstehst

    und es reiht sich einfach mal nahtlos in die klassiker von damals ein.
    top album das. liegt halt nicht jedem, der 1999 noch im sandkasten kuchen backte.

    word ! »):

    mixtapes wurden einfach spontan von mir als alben dazu gezählt. und du willsat mir doch nicht sagen, dass der mixtapekram von c-n-n gut ist (das zeug, das nach 2000 erschienen ist)?