laut.de-Kritik

Trotz Staraufgebot folgt auf jede gute Idee eine miserable.

Review von

"This might be the last day and lucky you, on your last day you gon' hear the Busta Rhymes album, you lucky bitch." Es handelt sich immer um einen sinnvollen Ratschlag, sich auf das Positive zu konzentrieren. Das gilt nach Chris Rock selbst im Angesicht des Untergangs, den Busta Rhymes mit "Extinction Level Event 2: The Wrath Of God" beehrt. Zugegebenermaßen fällt das mehr als siebenminütige Intro ein wenig konfus aus. Doch frühere Großtaten des New Yorkers nähren die Hoffnung, dass alles seine Richtigkeit haben wird: "If you don't get it at first, revisit it later".

Ohnehin hat sich der Rapper selten übertrieben ernst genommen, was er im lautmalerischen "Strap Yourself Down" erneut unterstreicht: "Talk shit every time I talk". Auch beim völlig enervierenden "Outta My Mind" ist der Name Programm. Ein abgehackter Vortrag zum Stotter-Beat von Dready, und Busta Rhymes wechselt sich mit einem unpassenden Chorus ab. Zwischenzeitig weckt er kurz freudige Erwartungen, wenn er "Pass The Courvoisier Part II" antäuscht ("Don't this shit make my niggas wanna..."), nur um den Rezipienten wieder brutal in die Kakophonie zu zerren.

Auf diesen harmlosen Mumpitz folgt mit "E.L.E. 2 The Wrath Of God" ein Song, den ein langer Vortrag von Louis Farrakhan von der Nation of Islam einleitet. Die im Hinblick auf antisemitische Äußerungen ohnehin kontroverse Figur hinterlässt mit seinen religiös getränkten politischen Aussagen einen unangenehmen Beigeschmack. Mit Gotteszorn tritt dann auch Busta Rhymes auf, dessen Wutrede sich an Trump, Machtmissbrauch und Ungerechtigkeit abarbeitet, um in einer Beschwerde über zu enge Hosen und die allgemeine Entmannung zu münden.

"I do have a tendency to do what's great and leave. A legacy that's hard to duplicate", konzentriert er sich mit Q-Tip in "Don't Go" auf die Verwaltung des eigenen Werks. Aufgrund der wunderbar zarten Produktion gelingt ein Höhepunkt des Albums. Auch mit Rick Ross harmoniert Busta Rhymes in "Master Fard Muhammad" ganz hervorragend auf einem Jazz-Instrumental von Hi-Tek und Terrace Martin. Damit diese atmosphärischen Stücke unter keinen Umständen für sich stehen, schaltet sich immer wieder Chris Rock ein, um Anerkennung für die überragenden Leistungen einzufordern.

Andere Kollaborationen scheitern bereits an der Grundidee. Geradezu absurd erscheint es in "Slow Flow" den vor mittlerweile 16 Jahren verstorbenen Ol' Dirty Bastard auftreten und ihn sich dann auch noch selbstbewusst von der Konkurrenz abgrenzen zu lassen, die er selbst nie kennenlernen konnte. Mit dem leichten Dancehall-Einschlag von "The Don & The Boss" weiß Vybz Kartel naturgemäß umzugehen, doch Busta Rhymes verläuft sich mit seiner Lobpreisung der ausladenden Kehrseite von Megan Thee Stallion völlig in der Beliebigkeit.

So bemüht sich der New Yorker, wirklich jeden erdenklichen Stil zu bedienen. Während Dready ihn mit einem Trap-Beat versorgt ("Oh No"), setzen DJ Scratch ("Boomp!") und DJ Premier ("True Indeed") auf klassische Produktionen des Genres. Mit Mariah Carey folgt eine R'n'B-Nummer für das Radio. Zum Storyteller "Deep Thought" fehlt nur noch der dazugehörige Film Noir. Und Kendrick Lamar lässt sich deutlich besser auf das soulige Instrumental zu "Look Over Your Shoulder" ein als Busta Rhymes, der es niederzuringen versucht, und am Ende kreischt erneut Chris Rock rein.

"We are not created equal, no", bemüht sich der Rapper zum Ende hin mit "Freedom?" noch einmal um ein wenig Relevanz. Anschaulich schildert er seine Zerrissenheit zwischen der Verpflichtung zum Widerstand und der Aufgabe, den eigenen Kindern eine Stütze der Hoffnung sein zu müssen. Doch da auf jede gute Idee mindestens eine miserable folgt, singt schließlich noch Chris Rock schief zu Chopins Trauermarsch. So endet ein Album, das alles abzudecken versucht, als wäre hier keine altgediente Genreheld am Werk, sondern ein Frischling auf musikalischer Identitätssuche.

Trackliste

  1. 1. E.L.E. 2 Intro (mit Chris Rock, Rakim und Pete Rock)
  2. 2. The Purge
  3. 3. Strap Yourself Down
  4. 4. Czar (mit M.O.P.)
  5. 5. Outta My Mind (mit Bell Biv Devoe)
  6. 6. E.L.E. 2 The Wrath Of God (mit Minister Louis Farrakhan)
  7. 7. Slow Flow (mit Ol' Dirty Bastard)
  8. 8. Don't Go (mit Q-Tip)
  9. 9. Boomp!
  10. 10. True Indeed
  11. 11. Master Fard Muhammad (mit Rick Ross)
  12. 12. YUUUU (mit Anderson .Paak)
  13. 13. Oh No
  14. 14. The Don & The Boss (mit Vybz Kartel)
  15. 15. Best I Can (mit Rapsody)
  16. 16. Where I Belong (mit Mariah Carey)
  17. 17. Deep Thought
  18. 18. The Young God Speaks
  19. 19. Look Over Your Shoulder (mit Kendrick Lamar)
  20. 20. You Will Never Find Another Me (mit Mary J. Blige)
  21. 21. Freedom? (mit Nikki Grier)
  22. 22. Satanic

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5 Kommentare mit 25 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    Die Rezension trifft es für mich schon ziemlich gut, es ist von allem Etwas, meistens auch nicht so wirklich gut umgesetzt und relativ nervig.

  • Vor 2 Monaten

    Habe es nicht zuende angehört, wegen der skits. Super nervig. Vor allem tragen die fast gar nicht zum Gesamtwerk bei, wirken lieb- und leblos, und das obwohl ich eigentlich ein Fan davon bin, beim vorletzten clipping. Album zum Beispiel haben die super zur Atmosphäre beigetragen, bei keemos Geist sind Intro und Outro (beinahe schon) Gänsehautmomente. Hier würde man gerne skippen, geht aber nicht. Fuck that shit.

    Ein paar Tracks gefielen mir ganz gut, am besten ist mir The Purge in Erinnerung geblieben. Würde ich mir Playlisten zusammenstelle, könnte der schon auf einer landen, mach ich aber nicht, deswegen hole ich lieber den Rest seiner Disko nach. 2/5 ist schon okay, würde wohl 2,5 geben.

  • Vor 2 Monaten

    Einen kreativen, bissigen, eingängigen, technisch beeindruckenden Jahrhunderttrack wie das irrwitzige "Gimme Some Mo'" (oder die anderen aus dieser starken Platte) wird er nicht mehr hinkriegen. Aber gut, welcher heutige Hip-Hop-Act kann das schon?

  • Vor 2 Monaten

    busta rhymes ist der beste rapper ohne klassikalbum

  • Vor 2 Monaten

    Finde das Album ziemlich gelungen und kann die Review auch nicht nachvollziehen. Finde die Produktion abwechslungsreich und dennoch in sich stimmig, trotz der vielzahl an Producern. Busta hat noch fast die selbe Energie wie vor 20 Jahren und inhaltlich passt es auch. Die Features sind Top und alleine schon ein Grund für mind. 3 Sterne.
    Mir will auch nicht ganz in den Kopf, wie man BSH und den anderen Vögeln 4/5 geben kann und 'nem Album mit Rakim, ODB, Q-Tip, Rapsody usw. nur 2/5 gibt.

    Chris Rock ist natürlich nervig, aber das ist er auf jedem Album, an dem er beteiligt war. Skippen kann man das aber recht gut, da die Skits fast nur am Ende der Tracks auftauchen.

    • Vor 2 Monaten

      Highlights sind don't go, master fard Muhammad, deep thought und look over your shoulder.
      4/5 hätte ich gegeben.

    • Vor 2 Monaten

      Also das mit der Energie von Busta finde ich wirklich garnicht, da liegen für mich Welten dazwischen. :D

    • Vor 2 Monaten

      Uh, so gegensätzliche Meinungen von zwei meiner Lieblingsstisern hier?

      Werde das im Laufe des Tages hören und dann DIE WAHRHEIT verkünden. ;)

    • Vor 2 Monaten

      Ist es für euch kein Auschlusskriterium, wenn ein antisemitischer Pimmelkopp auf einem Album zitiert wird, oder hat der Autor hier den Kontext nicht kapiert?

    • Vor 2 Monaten

      Ganz ehrlich: Ich hatte mich mit Farrakhan bisher nicht wirklich auseinandergesetzt. Hatte nach der Rezi mal kurz ein paar Infos überflogen und das liest sich wirklich sehr eklig. Da ich das Album aber sowieso wack af finde und es nicht mehr hören werde, hab ich da Nix mehr zu geschrieben, aber Du hast natürlich Recht: Allein deshalb sollte man Busta hier nicht supporten. :)

    • Vor 2 Monaten

      Der wird nicht zitiert, der spricht das extra für das Album ein. Farrakhan ist sicher eine sehr polarisierende Person, hat aber ähnlich viele Fürsprecher wie Gegner und weist die Anschuldigungen von sich oder relativiert diese. Ob zu recht oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Ich finde nur diesen moralischen Zeigefinger bei einer Kunstform wie Rap recht schwierig, weil man dann 80% der US Rap Releases nicht mehr hören sollte.

    • Vor 2 Monaten

      Naja, bisschen zu leicht gemacht, oder? Trump oder die AfD weisen auch immer wieder alles von sich mit Ihrer Rhetorik. Für mich ist das schon wichtig. Künstler müssen nicht meine Meinung wiederspiegeln, aber ein demokratischer und antirassistischer Konsens sollte schon da sein. Dass Farrakhan den Schwarzen Ego und Stimme sein will, macht seinen Rassismus nicht besser.

    • Vor 2 Monaten

      ...und die offen antisemitischen Äußerung sind halt wirklich eher semi. :rolleyes:

    • Vor 2 Monaten

      Ich mache es mir nicht einfach, ich kann es nicht beurteilen und will nicht irgendeinen Wikipedia Artikel als Grundlage für meine Meinungsbildung nehmen. Desweiteren, sollte man sich einfach mal ansehen, wie stark die NOI, die 5% usw im Rap verwurzelt sind. Dann auch so konsequent sein und Wu Tang meiden, Guru meiden, Rakim meiden usw..

    • Vor 2 Monaten

      Kweli, KRS usw usw, ich weiß. Die Kunst sollte davon unbefangen bleiben und das ist sie hier nicht.

    • Vor 2 Monaten

      NOI ist übrigens Farrakhan.

    • Vor 2 Monaten

      Ich check dich aber: Wo die Grenze ziehen... Schafft es die Ideologie oder ein hochrangiger Vertreter dieser aufs Album, ist sie für mich überschritten.

    • Vor 2 Monaten

      Ich weiß, dass Farrakhan NOI ist, aber das ist vielleicht nicht allen hier bekannt, daher spreche ich von der NOI. Man muss sich ja alleine mal den Shitstorm ansehen, den Vlad für seine despektierlichen Aussagen zu Farrakhan bekommen hat, das macht vielleicht deutlich wie hoch sein Stellenwert für die schwarze Bevölkerung in den USA ist.
      Ich kann ja auch nachvollziehen, dass man keinen Bock auf ein Album aufgrund seiner Mitwirkung hat, aber ob der nun auf dem Album ist, in den Texten oder sonst wo durch irgendwelche Künstler abgefeiert wird, macht für mich keinen Unterschied. Und auf all diese Künstler möchte ich persönlich nicht verzichten. Auch wenn das sicherlich inkonsequent ist.

    • Vor 2 Monaten

      PS. Die Kunst ist ja bei allen genannten genauso befangen, wie in Bustas speziellen Fall hier.

    • Vor 2 Monaten

      "Mir will auch nicht ganz in den Kopf, wie man BSH und den anderen Vögeln 4/5 geben kann und 'nem Album mit Rakim, ODB, Q-Tip, Rapsody usw. nur 2/5 gibt."

      Verabschiede dich einfach von dem Gedanken, dass die Bewertung hier als exakte Metrik genutzt werden kann. Heißt ja nur "Hat dem Rezensenten/der Rezensentin gar nicht/nicht so/einigermaßen/gut/sehr gut gefallen.

      "Skippen kann man das aber recht gut, da die Skits fast nur am Ende der Tracks auftauchen."

      So kann ich kein Album hören. Wenn die Skits eigene tracks wären, würde ich mir evtl noch ne Playlist machen, aber bei 2/3 der Tracks manuell etwas drücken killt mein Vergnügen.

      "Dann auch so konsequent sein und Wu Tang meiden, Guru meiden, Rakim meiden usw.."

      Aber haben die solche Aussagen gesampled? Wu Tang denke ich nicht, Rakim und Guru könnt ich nicht so sicher sagen. Und ist ja nicht nur so eine Ansprache einfach auf einem Album, ist ja schon ihm Rahmen von politischen Aussagen, da fände ich das schon problematisch.

      "Ist es für euch kein Auschlusskriterium, wenn ein antisemitischer Pimmelkopp auf einem Album zitiert wird, oder hat der Autor hier den Kontext nicht kapiert?"

      Nicht generell, kommt wie du schon andeutest sehr auf den Kontext an.

    • Vor 2 Monaten

      Ist ja auch verlockend...Sag einer unterdrückten Minderheit, sie sei die eigentliche Herrenrasse. Menschlich ist deren Afiinität für diese Ideologie ja vllt sogar noch nachvollziebarer als der strukturelle Rassismus hierzulande. Aber wirklich besser macht es das eben dann doch nicht.

    • Vor 2 Monaten

      Klar ist es keine exakte Metrik, aber gerade beim selben Rezensenten erwartet man ja, dass die Alben schon auf Basis ähnlicher Kriterien bewertet werden.

      Ob die jetzt auch Aussagen gesampled haben, kann ich gar nicht sagen, aber von Wu Tang über Nas, Jay Z usw finden sich in allen möglichen Lyrics Verweise auf Ideologie der NOI oder 5%. Man muss bei sowas aber natürlich auch den Background der Künstler betrachten, die Verhältnisse aus denen sie kommen, die Situation der schwarzen Bevölkerung in den USA.

      Ich will hier auch Farrakhan nicht verteidigen oder die Ansichten der Organisationen verteidigen, kann ich auch gar nicht, weil ich da nicht im Thema bin.
      Ich wollte nur darauf hinweisen, dass das weit verbreitet ist und man sich dessen, als Hörer von US Rap, auch bewusst sein sollte, wenn die Sympathien vielleicht nicht in der Tracklist nachzulesen sind.

    • Vor 2 Monaten

      Böse Zungen würden einen Zusammenhang zwischen zu viel Weed und der Anfälligkeit für krude Theorien herstellen, analog zu einigen eigentlich nicht komplett verblödeten Aluhüten hier ;-)

    • Vor 2 Monaten

      Ich würde einfach nicht so viel (respektive nichts) auf die Meinung von jemanden geben, der "Hip Hop ist am Arsch" 5 Sterne gegeben hat.

    • Vor 2 Monaten

      Das hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm :D

    • Vor 2 Monaten

      Toll. Jetzt ist die ganze Diskussion für die Cuts :D

    • Vor 2 Monaten

      Diskussion hiermit beendet. :lol: