laut.de-Kritik

Ein alptraumhafter Trip durch schwermütige Ambient-Welten.

Review von

Hinter Burial versteckt sich der Producer William Emmanuel Bevan. Seine Anonymität wahrt der Südlondoner bis heute. Das letzte Album "Untrue" liegt mittlerweile zehn Jahre zurück. Danach hat er eine Reihe von Singles und EPs an der Schnittstelle von Garage, 2Step, Dubstep, Downbeat und House veröffentlicht. Seiner einzigartigen Soundvision aus verstörenden urbanen Geräuschen und fremdartigen Sprach- und Gesangs-Samples sollte er dadurch kontinuierlich neue verblüffende Facetten entlocken. Auch mit seiner aktuellen EP "Subtemple/Beachfires" entwickelt er sich konsequent weiter - diesmal in Richtung Ambient.

Die A-Seite "Subtemple" baut bis zum Schluss eine subtile Spannung auf. Dieses für Burial so charakteristische Vinylgeknister und eine mysteriöse Spieluhrmelodie prägen die Nummer. Eine gesampelte Frauenstimme deutet mehrmals eine eingängige Soul-Melodie an, verschwindet jedoch stets im Nebel. Ein entrückter Trip Hop-Beat schreitet schleppend voran. Dunkle Ambient-Flächen umrahmen dabei das beklemmende Geschehen. Später hört man nervöse Monolog-Fetzen und langsame Schritte. Innere Unruhe kommt auf. Regen ergießt sich anschließend auf den grauen kalten Asphalt. Was für ein unheimliches Ritual hier vor sich geht, überlässt der Track dagegen der eigenen Fantasie.

Dennoch belegt die Nummer, mit welcher klanglichen Dichte und atmosphärischen Geschlossenheit der Südlondoner nach wie vor agiert. Eine tiefgreifende Melancholie und Sehnsucht, die mit "Come Down To Us" auf "Rival Dealer" (2013) ihren Höhepunkt erreichen sollte, prägte viele seiner Tracks in den letzten Jahren. Auf den Stücken von "Subtemple/Beachfires" herrscht dagegen durchgehende Schwermut.

Die B-Seite unterstreicht dies eindrücklich. Eine klare Songstruktur existiert auf diesem Track kaum noch. Man nimmt das zeitlupenartige Pochen des Herzens, unheilvolle Geisterchöre und etwas Beschwörendes wahr, das an eine Totenzeremonie erinnert. Abgründige Soundscapes, die man eher von Dark-Ambient-Projekten wie Lustmord und Raison D'Être erwarten würde, sorgen die weiteren Minuten für Unbehagen. Es benötigt daher schon mehrere Anläufe, um dieses ungemütliche Stück in seiner Komplexität zu erfassen.

Burials Wandlungsfähigkeit überrascht letztendlich aber immer wieder aufs Neue. Bevan hat mit "Subtemple/Beachfires" eine alptraumhafte Klangwelt erschaffen, die es den Hörer alles andere als leicht macht, und die man nur durch intensives Eintauchen für sich erschließt. Letztendlich schert er sich ohnehin nicht um Erwartungshaltungen. Deshalb weist seine Musik auch nach über einem Jahrzehnt keinerlei Abnutzungserscheinungen auf. Demgegenüber hofft man auf den kommenden EPs auf ein paar lebensbejahendere und optimistischere Momente.

Trackliste

  1. 1. Subtemple
  2. 2. Beachfires

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