laut.de-Kritik

Starker Befall von konsequenter Ideenarmut.

Review von

Die Herzschmerz-Nummern der vergangenen Jahre und Alben ließen bei manchem die Galle hochkommen, andere feiern die Waliser von Bullet For My Valentine genau wegen ihrer Entscheidung, einen Schritt in Richtung Mainstream gegangen zu sein. "Venom" soll nun von den vier bislang erschienenen Alben das härteste sein und die Leichen im Keller Matt Tucks ausmisten. Die Ansage des Frontmanns: " Es ist ganz bestimmt die aggressivste Platte, die wir bislang gemacht haben. Wir haben uns selbst neu erfunden und sind bereit es ein weiteres Mal mit der ganzen Welt aufzunehmen."

Um direkt eingangs zu spoilern: "Venom" ist immer noch von weichgespülten Arrangements durchzogen wie ein Nackensteak im Vollwaschgang. Ist es deswegen genauso nichtssagend wie die letzten beiden Alben? Ein definitives und unumstößliches 'Jein'. Denn was die 'Bullets' mit "No Way Out" abfeuern, atmet die schwere Luft des typisch-britischen Metalcores und entfesselt eine Brutalität, wie man sie nur aus Brechern vergangener Tage her kennt (Stichwort: "Hands Of Blood").

"Es ist einer der, wenn nicht sogar DER musikalisch und textlich härteste Track, den wir jemals aufgenommen haben," sagt Frontmann Tuck, und auch das will man ihm zu gerne abkaufen. Allerdings hat der gute Matt wohl manche seiner früheren Werke gemeinsam zu den angesprochenen Leichen gepackt und vergessen. "No Way Out" ist wuchtig, keine Sekunde zu lang und lässt auf das restliche Album hoffen - ein Tritt in die Weichteile aller Kritiker. Eine "Gänsehaut', wie sie der Gitarrist und Sänger der 'Bullets' "jedes Mal beim Hineinhören in diesen Track" hat, stellt sich dann aber wohl nur bei emotional empfänglichen, pubertären Mädels ein.

Die "Army Of Noise" zückt den Thrash-Prügel und klingt mehr nach 90er Metal, als viele andere Bands aus diesem musikalisch ambivalenten Jahrzehnt. Tucker weiß ganz genau, was er mit seinem Organ alles anstellen kann, und arbeitet sich durch die gesangliche Klaviatur des Metalcores. Ein Hochgeschwindigkeitssolo als Bridge zieht so schnell an einem vorbei, dass kein richtiger Genuss aufkommen kann.

Störend hinzu kommen die vorhersehbaren Strukturen, die sich zwar mit dicken Sounds, harmonischen Parts und Tucks markanter Stimme schmeichelnd an den Hörer anschmiegen; nach Überraschungen sucht dieser jedoch vergeblich. Das könnte man als Konsequenz oder Ideenarmut auslegen.

Die erste und einzige Singleauskopplung vor Release versprach vorab bereits einiges. "You Want A Battle? (Here's A War)" ist ein Destillat aus Metallica, Iron Maiden und 30 Seconds To Mars(!). Bullet For My Valentine bildet dabei das Gelenk zwischen drei Jahrzehnten. Kurzweilig, temporeich, ein nettes Riff und der obligatorische Kinderchor bilden das Fundament dieses kleinen Höhepünktchens von "Venom".

Dessen namensgebender Track in der Mitte des Albums fällt anschließend in eine Grube voller zahnloser Schlangen ab. Warum denn auch Experimente wagen? Das überlassen die 'Bullets' dann doch lieber anderen Bands wie Bring Me The Horizon oder dem Metal-Tourette-Trio "The Hirsch Effekt".

"Venom" ist das aufgeweichte Gegenstück zu "Tears Don't Fall" - in schlecht. Ein austauschbares Riff wird gefolgt von trivialem Rumgeklöppel auf den Fellen, alles schön im Mid-Tempo gehalten, damit ja kein Drive hineinkommt, gepaart mit einem jaulend-weinerlichen Sänger. Die Bullet-typische Ballade nach Schema F. Als Titeltrack eine kleine Frechheit, die man den Walisern aber so schnell verzeiht, wie "Venom" selber im Ultrakurzzeitgedächtnis verschwindet.

"Skin" und "Pariah" sind das letzte Aufbäumen auf der neuen Scheibe der Briten. "Skin" macht sich gut auf einem Festival - man schmeckt förmlich den Staub zwischen den Zähnen -, während "Pariah" sich langsam aufbaut und in einer roten Blutwolke explodiert. Zahm bleiben die letzten Tracks trotzdem.

"Venom" ist ein Paradebeispiel für kalkulierten Fan-Service und gleichzeitiges Schielen auf die Charts. Die hochwertigen Aufnahmen unter der Leitung Carl Richardsons (Slipknot, Machine Head, Trivium) sind wuchtig geworden. Besser als "Temper Temper" und "Fever" ist "Venom" allemal ... was auch nicht schwierig zu bewerkstelligen war. Zu ganz alter Stärke fanden die Jungs aber nicht zurück

Trackliste

  1. 1. V
  2. 2. No Way Out
  3. 3. Army Of Noise
  4. 4. Worthless
  5. 5. You Want A Battle? (Here's A War)
  6. 6. Broken
  7. 7. Venom
  8. 8. Harder The Heart
  9. 9. Skin
  10. 10. Hell Or High Water
  11. 11. Pariah

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5 Kommentare mit 5 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Lächerliche Emocore-Kapelle. Die Überschrift müsste lauten: "Starker Durchfall mit konsequenter Ideenarmut"

    1/5

  • Vor 3 Jahren

    Mir ist aufgefallen, dass Bullet for my Valentine schon zum 3. mal ein neues Album als ein Album der Superlative angepriesen haben. Die scheinen sich irgendwie nicht sehr viel zuzutrauen, oder?

  • Vor 3 Jahren

    Ich hab mir das Album jetzt auch mal angehört. Die erste Hälfte des Albums geht ja noch, die ersten 2 Tracks ballern sogar gut und der Titeltrack und "Broken" hauen auch rein, aber dann haben meine Ohren angefangen zu bluten. Wenn man 8 Stücke hintereinander dieselben Riffs, denselben Gesang und die gleiche Rhythmik hört, dann ist das nicht zu verzeihen! Da ist die Diskographie einer jeden Grindcoreband erträglicher, die Lieder sind wenigstens kurz und schnell genug für die Monotonie. Aber im Midtempo und immer 3 bis 4 Minuten lang dieselbe Scheiße abzuziehen, das verdient einen Ehrenplatz im Sammelsorium ausgestopfter Künstler.

    "Starker Befall von konsequenter Ideenarmut." trifft es perfekt! Mein Beileid an Herrn Esche, dass er das Album durchhören musste.

  • Vor 3 Jahren

    Diese seite ist so zum kotzen. Hab bisher noch nie eine positive kritik hier gelesen. Eine der wenigen metal-bands bei der mir nicht vor langeweile die augen zu fallen. Lyrisch gesehen waren sie mal etwas besser. Aber ich bezweifle das hier irgendwer etwas besseres hört. Alles nur Meinungen die krampfhaft verallgemeinert werden.