laut.de-Kritik

Anspruchsvoller und anregender Chill Out.

Review von

Der norwegische Musiker, Produzent und Klangästhet tobt sich auf "IM" mal so richtig im akustischen Ambientbereich aus. Heraus kommt anspruchsvoller und anregender Chill Out für die ruhigen Momente des Lebens. Ein Soundtrack zur wohlwollenden Innenschau und Inspirationsquelle für Phantasiereisen. Was man dafür benötigt, liefert "IM" vollumfänglich: Raum und Zeit!

Verhalten schöne Klanginstallationen sind es, die Bugge Wesseltoft auf seinem zweiten Soloalbum darreicht. Ausgestattet mit einem goldenen Händchen für harmonische Rahmungen und der Pause als Stilmittel verpflichtet, erklärt er (mal wieder) die Reduktion zum Prinzip. So subtil, so intim hört man ihn sonst nur in der kongenialen Verbindung mit Sidsel Endresen.

Auf "IM" fesselt er die samische Vokalkünstlerin Mari Boine für zwei Songs ans Mikrofon. "Joiken" nennt sich der Singstil der Samen (Lappland), der auf uralte schamanische Traditionen und Riten zurückgreift, die mit Hilfe der Joikgesänge Kontakt zu Geistern und Göttern herstellten. "Yoyk" heißt der dazugehörige Song, irgendwie ein passender Titel!

Aber Scherz beiseite, einen Eindruck vom Klang-Charakter erhält, wer die Instrumentierung von "IM" beachtet: Ein Steinway Flügel! Danach kommt lange nichts. Dann etwas verhaltene Elektronik und dezente Loops. Hie und da die menschliche Stimme. "Ich wollte die Schönheit des Pianos herausstellen. Vor ein paar Jahren habe ich mir einen Steinway-Flügel gekauft, der einfach so unfassbar schön und warm und gut klingt", kommentiert Bugge Wesseltoft das Geschehen.

Der Albumopener "Black Pearl Makes Dream" besitzt den klanglichen Charme, die atmosphärische Schönheit und die melodische Verspieltheit eines Köln-Concert. Ungelogen! Nach so einem Auftakt lässt man sich gerne von Herrn Wesseltoft und seinem Flügel entführen. Von der Innenwelt seines Steinway ("Hit") über die groovende Minimal-Pop-Perle "Yoyk" bis hin zu "Wy", einer traurigen Angelegenheit über Krieg, Massenvergewaltigung und schlimmerem.

Schon über Wesseltofts erste Soloeinspielung "It's Snowing On My Piano" wurde 1997 viel diskutiert. Diese Ehre gebührt auch "IM". Denn eine überzeugende Einspielung, die die Ambientgrenzen mit einem akustischen Instrument auslotet, läuft einem ja nicht alle Tage über den Weg. "IM" hat meine Fährte gekreuzt. Zum Glück!

Trackliste

  1. 1. Black Pearl Makes Dream
  2. 2. Wy
  3. 3. Delmager
  4. 4. Yoyk
  5. 5. Hit
  6. 6. Min By
  7. 7. Vidde
  8. 8. Fot
  9. 9. Im
  10. 10. Road Home

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