laut.de-Kritik

Ecken und Kanten sucht man in ihrem Pop Light-Universum vergeblich.

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"It's me versus America". Briskeby legen los, als hätte Marilyn Manson beim Texteschreiben ausgeholfen. Ob der große Düsterling aber Spaß an den eingängigen, mit zarter Frauenstimme vorgetragenen Popsongs im 80s-Style gehabt hätte, ist eher zweifelhaft. In bester ABBA-Manier sind auch Briskeby zu viert, kommen allerdings aus Norwegen und haben nur eine Frau, die aber auch singt und außerdem so hübsch ist, wie Agnetha und Frida zusammen. Sogar ein Bjorn ist mit dabei, der Gitarre spielt, alle Songs komponiert und privat auf Motörhead steht, was zwar überhaupt nicht auf Briskeby zurückfällt, im Heimatland aber trotzdem Preise regnen lässt, wie einst bei den berühmten ABBA in deren eig'nem Land.

Ähh, was will ich sagen? Briskeby sind zwar nicht gleich ABBA, Ecken und Kanten sucht man in ihrem Pop Light-Universum aber auch vergeblich. Herausragender Augenblick: "Propaganda", die Vorabsingle, ein schmeichelndes Stück Elektro-Pop mit dezentem Gitarreneinsatz, lasziv vorgetragen und verführerischer als Mon Chérie (keine Kunst!) und "Dancing Queen" (Kunst!). "Electro Boy" geht noch am ehesten in diese Richtung. Sequenzerbeats und Robot-Vocals gepaart mit eingängiger Hookline greifen die Atmosphäre der Endachtziger auf, als Belinda Carlisle und Elektropop gleichzeitig passierten.

Ansonsten dominiert der melodiöse Gitarreneinschlag, nur im Hintergrund blubbert Elektronik, was beim Opener auch elegant funktioniert. "Berlin" und "Hey Harvey" dagegen wollen nach vorne rocken, scheinen aber partout die Zündung nicht zu finden und kleben daher fest wie Bonbon-Papier. Den Inhalt bilden dann die zuckersüßen "Wide Awake" und "Cellophane Eyes", die ich in ihrer geradlinigen Hit-Strukturierung sofort ins Herz geschlossen hatte. Einige Durchläufe später stößt die Substanz dann aber an die selbstgesteckten Grenzen. Sprich: beides heiße Single-Kandidaten.

"Stars In Their Eyes" zeigt die Band zum Ende ungewohnt leise und von Streichern begleitet, fehlt eigentlich nur noch das Zirpen der Grillen bei einem Picknickausflug ins Grüne. Hey, das ist überhaupt die Lösung: Picknickkorb packen, rausfahren, mit ABBA-Scheiben Feuer machen, Briskeby anschmeißen und Bonbons lutschen. Verschlucken kann man sich hier nämlich nirgends.

Trackliste

  1. 1. The Asphalt Beach
  2. 2. Wide Awake
  3. 3. Electro Boy
  4. 4. Keep It To Yourself
  5. 5. Propaganda
  6. 6. Berlin
  7. 7. Loveenterprise
  8. 8. Hey Harvey
  9. 9. Cellophane Eyes
  10. 10. Envy
  11. 11. Stars In Their Eyes
  12. 12. The Asphalt Beach (Reprise)

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