laut.de-Kritik

Musik für Entdecker.

Review von

"Science Fiction" ist erstmal eine große Überraschung. Denn dass Brand New überhaupt noch ein Album veröffentlichen würden, haben die wenigsten geglaubt. "Science Fiction" ist aber wohl die letzte Platte der Band. Das letzte Kapitel geht also zuende, und wie es sich gehört, gibt es einen Rückblick auf alles, was so geschehen ist.

"Science Fiction" ist deshalb auch eine Sammlung an Selbstzitaten. Viele Songs greifen lyrische und musikalische Themen der Vorgänger-Alben auf. Da ist zum Beispiel die Aufnahme eines Pfarrers, der schon den Titelsong von "Daisy" einleitete. Hier beendet er "In the Water". Lieder wie "Can't Get It Out" und "No Control" bauen mit straighten Achtel-Gitarren auf den deprimierten College-Rock eines "Deja Entendu" auf. "Same Logic/ Teeth" oder "Out of Mana" wiederum sind so vielschichtig wie "The Devil And God Are Raging Inside Me".

"Science Fiction" zitiert aber nicht nur Brand New, sondern auch viele andere Bands. Man hört Nirvana (deutlich in "137"), Pearl Jam, Queens of the Stone Age, Modest Mouse oder Jimmy Eat World. Bluesrock, Rock'n'Roll, Grunge, Postcore und 90er-Alternative-Rock werden sorgsam eingesetzt und klug zitiert. Die Truppe um Jesse Lacey verliert darüber aber nie ihren eigenen Kopf, sondern bleibt ganz bei sich. Immer wieder brechen sie die Songstrukturen auf und setzten Kontrapunkte, um aus Genres wieder auszubrechen.

Das Paradebeispiel hierfür ist "Same Logic/Teeth", das ohne Probleme zwischen spanisch angehauchter Gitarre, fettem Alternative-Groove und ruhigem Akustik-Geschrammel wechselt. Elektroschnipsel, hysterisches Geschrei und heftige Breaks haben in diesem Monstersong auch noch Platz.

"Science Fiction" ist deshalb (pathetisch gesprochen) eine Anthologie. Eine Art Zusammenfassung ihres Schaffens unter Berücksichtung vieler neuer Ideen. Brand New nehmen sich über Teile des Albums sehr weit zurück: spärlich instrumentiert, Midtempo, ruhiger Gesang.

Die Akustikgitarre spielt eine wesentliche Rolle. Bei "Could Never Be Haven" hat sie sogar eine tragende Funktion. Über sanftem fast schon folkigem Fingerpicking schwebt Jesse Laceys sehr melodischer Gesang. Auch "Waste" bleibt balladesk. Wo andere Bands aber kitschige Streicher reinpflanzen, schaffen Brand New lieber mit Feedback, verzerrten Gitarren und fusseligen Bass-Geräuschen eine dichte Atmosphäre.

"Science Fiction" geht auch gut ab, der ruhige Tenor macht die Ausbrüche um so heftiger. Bei "Out of Mana" und "No Control" haben die E-Gitarren das Sagen. "451" trieft nur so vor Groove und düsterem Bluesrock. Josh Homme hätte seine Freude daran. Auch "Desert" und "In the Water" schlagen in eine ähnliche Kerbe und bauen auf staubige Percussion, Orgel sowie Chor.

"Science Fiction" ist nicht so anstrengend wie die Vorgänger-Alben und dennoch sehr einnehmend. Es will am Stück gehört werden. Am besten mehrmals hintereinander. Denn jedes Mal fällt etwas Neues auf. Ist das eine Mandoline in "In The Water"? Haben die doch Streicher in "Waste" reingepackt? Wer singt da so tief bei "Same Logic/ Teeth"? Musik für Entdecker.

"Science Fiction" ist vermutlich das letzte Album von Brand New und das ist ok. Denn diese Platte wäre ein wirklich guter Abschied. Ein forderndes, spannendes und verspieltes Stück Musik. Zwölf Songs, die sowohl die Band als auch ihre Einflüsse repräsentieren, aber diese genauso weiterentwickeln und auf einen Punkt bringen. Kann man besser "Lebt wohl" sagen?

Trackliste

  1. 1. Lit Me Up
  2. 2. Can't Get It Out
  3. 3. Waste
  4. 4. Could Never Be Heaven
  5. 5. Same Logic / Teeth
  6. 6. 137
  7. 7. Out of Mana
  8. 8. In the Water
  9. 9. Desert
  10. 10. No Control
  11. 11. 451
  12. 12. Batter Up

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