laut.de-Kritik

Zwischen Unterhaltung und Unterwerfung.

Review von

Angetrieben durch die notwendige Selfmade-Mentalität und weiter befeuert durch den exorbitanten Erfolg seines Jugendfreundes Mero öffneten sich auch für Brado die Tore in die Musikindustrie. Während einige etablierte Künstler dieser Tage wieder dank Kopfgeldern, Festnahmen und sonstigen Übergriffen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich lenken, treten junge Rapper wie Hemso oder Fero47 betont bescheiden ins Rampenlicht. Das gilt auch für Xatars Entdeckung Brado, der auf "DB1" das Bild des sympathischen Jungen aus der Nachbarschaft allerdings nicht über die volle Distanz durchhält.

Zum Einstieg steckt Brado in "Biggido" erstmal seinen Claim ab. Anstelle des viel kritisierten Autotune-Effekts, den vermeintlich talentlose Nachwuchsrapper benötigen wie den Back-Up zum Atmen, setzt der Rüsselsheimer auf klassische Genre-Tugenden. Das bescheidene Instrumental beschreibt nur den groben Rahmen, innerhalb dessen er sich mit präzisem Vortrag bewegt. Dabei strahlt er ähnlich wie Sero El Mero eine ansteckende Begeisterung für das Rap-Handwerk aus. Neben der Technik fällt der Inhalt erwartungsgemäß dünner aus: "Mero und Brado wollen nur lila."

"Zersäge die Szene mit Brado, QDH ist überall wie geplant. Zu viele Klicks, danke an Kai, habe doch dafür gezahlt." Labelkollege Mero verhalf "Kafa Leyla" im Vorfeld nicht nur zu Chartsweihen, sondern unterstrich nach SSIOs Video zu "Hash Hash" erneut den geschickten Umgang von Alles oder Nix Records mit den Klickkauf-Vorwürfen. Sie wissen, dass es keine negative Publicity gibt und integrieren selbstironisch die Anschuldigungen. Am Ende des Tages bleibt es Entertainment und das liefern Mero und Brado zu einem gelungenen Adibeats-Beat, den orientalische Sounds dominieren.

Grundsätzlich setzt "DB1" auf hervorragende Produzenten. Der melancholische Einschlag von Icebergs Instrumentals mag sich noch etwas mit dem unbeschwerten Inhalt beißen ("Kein Limit", "Dein Sohn Ist Ein Star"), doch E.M Beats kredenzt musikalische Highlights. Seine Produktionen bleiben hängen, ohne sich dabei penetrant in den Vordergrund zu rücken. Für "Ich Bin Da" fusioniert er fernöstliche Vibes mit einem Trap-Gerüst. "Steige Ein" überzeugt mit hypnotischen Flaschen-Sounds. Und für "Brado" stellt er sich als Leierkastenmann an die Promenade.

Auf "Wie Ein Präsident" schärft E.M Beats die musikalischen Klingen im Stil von "Game of Thrones". Ramo liefert die dazu passende Portion Wahnsinn ("Wer Frankfurt betritt, schmeckt das Samurai-Schwert"). Seine Feststellung, "deutscher Rap ist Sadomaso", regt zudem zum Nachdenken an. Wenn es in dem Genre tatsächlich darum ginge, den Hörer in die Rolle des Subs zu drängen, indem ihn der Künstler unterwirft und malträtiert, erscheinen viele Alben plötzlich in einem ganz neuen Licht. Brado tritt unterdessen lieber zivilisiert auf. Er bleibe der Sohn seines "Vaters mit reinem Herzen."

Doch diese angenehme Zurückhaltung verliert sich zumindest in seinen Songtexten. In "Dein Sohn Ist Ein Star" singt er prahlerisch: "Mama, ich bin jetzt ganz oben und die Neider von ganz unten schauen Richtung Himmel. Ich lach' sie aus und ich fühl' mich gut." Derart viel Verachtung war selten in so freundlichem Ton zu hören. Während hinter der für viele abschreckenden Inszenierung Frauenarzts der Slogan 'Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit' durchblitzt, frisst der nette Brado seine Konkurrenten im kapitalistischen Sinne auf: "Dein Traumwagen bleibt ein Traum, weil ich den leider lenke."

"Alte Freunde kommen aus dem tiefsten Loch wieder. Wollen an mich 'ran und sagen: 'Du machst baba Lieder.' Aber nicht vergessen, Bruder, ich bin Champions-Liga und steige ein in meinen Siebener." Von "Steige Ein" über "Ihr Könnt Geh'n" bis "Money" trüben regelrechte Unterwerfungsforderungen den positiven Gesamteindruck ein ("Dass Neider am Boden sind, ist mein Ziel"). So empfiehlt sich Brado als versierter Rapper, dem maßgeschneiderte Produktionen zur Verfügung stehen, doch seinen Leitsatz, "wer fliegt, fällt tief", verliert er dabei aus den Augen.

Trackliste

  1. 1. Biggido
  2. 2. Brado
  3. 3. Kafa Leyla (mit Mero)
  4. 4. Steige Ein
  5. 5. Ich Bin Da
  6. 6. Money
  7. 7. Kein Limit
  8. 8. Nie Mehr Broke
  9. 9. Ihr Könnt Geh'n
  10. 10. Prinzip
  11. 11. Million
  12. 12. Ich Pass Auf (mit Mel)
  13. 13. Wie Ein Präsident (mit Ramo)
  14. 14. Dein Sohn Ist Ein Star
  15. 15. Outro

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