laut.de-Kritik

Knöcherne Raps, wie man sie aus den Tiefen Brooklyns erwartet.

Review von

2005 war das Jahr von Duck Down-Records. In ihrer Triple Threat-Kampagne hatten sie mit Sean Prices "Monkey Barz" und Buckshot & 9th Wonders "Chemistry" nicht weniger als zwei der besten Alben des Jahres in ihrem Katalog. Die Fans von roughem Street-Hip Hop aus den Tiefen Brooklyns durften sich über die neue Emsigkeit des Labels freuen.

Dass das so bleibt, dafür sorgt das mittlerweile dritte Album des Zusammenschlusses des Duck Down-Rosters: die Boot Camp Clik. Und während derzeit in New York der dreckige Süden musikalisch den Ton angibt, orientiert sich die Clique bestehend aus Buckshot, Smif-N-Wessun, Heltah Skeltah und O.G.C. an ihren Anfangstagen und lädt auf eine frische Fahrt in die Mitte der Neunziger Jahre ein.

Für Entzückung sorgen in erster Linie die Auftritte zweier Produzenten, die der Generation der Verfechter des goldenen Mittneunziger-Sounds besonders ans Herz gewachsen sind: Pete Rock und Large Professor. Der Soul Brother-Nummer Eins Pete Rock schickt einen astreinen Boom Bap-Beat aus seinem Sampler, während Large Professor eine zurückgeschraubte Funk-Nummer mit klarer E-Gitarren-Line aus dem Hut zaubert.

Den dritten musikalischen Tonangeber mimt Little Brothers 9th Wonder, der gewohnt gekonnt seine (Soul-)Samples mit klicklackenden Drumpatterns kreuzt. Nack 9ths Kollabo-Platte mit Buckshot ("Chemistry") ein weiterer Beweis dafür, dass der Schulterschluss zwischen Justus League-Posse und Duck Down Records zum wahren Glücksgriff taugt.

Wer sich jedoch nach dem wahren Bucktown-Scheiß die Finger leckt, findet in den Produktionen von Ill Mind und dem unbekannten Marco Polo seine Favoriten. Erstgenannter prescht mit einer staubtrockenem In-die-Fresse-Drumloop nach vorne, den er mit einem nicht minder simplen Piano zusammen tackert. So kennt man die Boot Camp Clik aus ihren Anfangstagen - in passender Abstimmung flowen die neun Spitter, ohne große Spielereien, aber mit knöchernen Raps, wie man sie aus den Tiefen Brooklyns erwartet.

Marco Polo steigt bei seinem Engagement mit luftigen Harmonien ein ("Stand Alone"), schlägt aber auf "Yeah" deutlich düstere Töne an. Bedrohliche Streicher und eine Spieluhr aus dem tiefsten Kellerloch treiben dem Hörer Angst und Schrecken in Mark und Bein. In eine solche Untergangsstimmung passt ein Bass-Organ wie das von Sean Price perfekt. Ähnlich düster geht es auf "I Want Mine" zu, wobei hier die G-Funkige Synthie-Line auch ohne Beanstandung auf eine Beerdigung in Compton, Long Beach, passen würde.

Die kurz gehaltene Promo-Version von "The Last Stand" verwehrt zwar einen allumfassenden Blick, trotzdem ist im Ansatz erkennbar, dass die Boot Camp Clik es knapp zehn Jahre nach ihrem Debüt "For The People" und vier Jahre nach "The Chosen Few" erneut ein Posse-Album aufgenommen hat, das jedem einzelnen Rapper genügend Platz zur freien Entfaltung liefert. Bei neun eigenständigen Protagonisten wahrlich keine leichte Aufgabe. Die Duck Down-Rückkehr von Heltah Skeltahs Rock wirkt dabei als letztes erfreuliches Tüpfelchen auf dem I.

Trackliste

  1. 1. Here We Come
  2. 2. Let's Go
  3. 3. Yeah
  4. 4. Hate All You Want
  5. 5. Don't You Cross The Line
  6. 6. 1-2-3
  7. 7. Take A Look (In The Mirror)
  8. 8. He Gave His Life
  9. 9. Trading Places
  10. 10. "... But tha Game Iz Still tha Same"
  11. 11. So Focused
  12. 12. Everybody Knows Now
  13. 13. World Wide
  14. 14. Soul Jah

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