laut.de-Kritik

Von Karaoke-Heavyrock bis Autoscooter-Metal.

Review von

Als die teutonische Heavyrock- und Metal-Kavallerie in den Achtzigern zum internationalen Angriff blies, und mit Bands wie den Scorpions, Accept, Running Wild, Kreator und Helloween dem Rest der Metalwelt das Fürchten lehrte, feierte auch eine Ingolstädter Combo namens Bonfire große Erfolge. Allein das zweite Album der Mannen um Sänger Claus Lessmann "Fireworks" ging über 250.000 Mal über die Ladentische.

Erfolg ist aber nicht abonnierbar. Und so verschwanden Bonfire, wie viele andere Bands dieser Ära, mit Beginn der Alternative-Welle Anfang der Neunziger wieder in der Versenkung. Es folgten diverse verzweifelte Reload-Versuche, die allerdings nach hinten losgingen. Traurige Höhepunkte: Der schwarz-rot-goldene Rohrkrepierer "Proud Of My Country" aus dem Jahr 1999 und die Vertoung der deutschen Nationalhymne anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2012 in Südafrika. Gruselig.

Anno 2015 soll das "Freudenfeuer" endlich wieder lodern. Dafür hat sich das einzig verbliebene Ur-Mitglied, Gitarrist Hans Ziller, für einen personellen Rundumschlag entschieden. Sogar Sänger und Band-Aushängeschild Claus Lessmann bekam seine Papiere überreicht. Ersetzt wurde er durch den ehemaligen Accept-Shouter David Reece. Die anderen Neuzugänge hören auf die Namen Frank Pané (Gitarre), Ronnie Parkes (Bass) und Harry Reischmann (Schlagzeug). Und die wollen gleich zu Beginn unter Beweis stellen, dass sie zu Recht angeheuert wurden.

Mit reichlich Hall im Gepäck begeben sich die Verantwortlichen mit dem Midtempo-Opener "21 Guns Salute (Goes Boom)" auf eine Reise in die Vergangenheit. Klassische Bombastdrums und sägende Powerchords bestimmen das Klangbild. Über allem thront das bluesgeschwängerte Organ von David Reece. Zünden will das aber trotzdem nicht so richtig. Zu leblos und langatmig schmiegen sich hier altbekannte Strukturen wie aus dem Keller befreite batteriebetriebene Kuscheltierbären aneinander. Die brummen zwar noch stotternd vor sich hin, flehen aber eigentlich nur noch um den Gnadenschuss.

Das anschließende Judas Priest-meets-Accept-Kniefall "Nothin' At All" versucht sich erstmals auf der Überholspur. Aber auch mit reichlich Tempo auf der Habenseite fährt das frisch zusammengewürfelte Kollektiv kaum Pluspunkte ein. Für eine glorreiche Zieleinfahrt wird in puncto Songwriting, Leidenschaft und Spielfreude einfach zu wenig in die Waagschale geworfen.

Auch die Stimme von David verliert im weiteren Verlauf des Albums immer mehr an Zugkraft. Sein mitunter an Ian Gillan erinnerndes Timbre hat es aber auch nicht leicht. Nach Songs wie "Fallin' Outta Love", der schmachtend vorgetragenen Albumhymne "Glorious" und der völlig überladenen Halbballade "Shooting Star" verliert sich der musikalische Background zunehmend in einem Wust aus Karaoke-Heavyrock und Autoscooter-Metal.

Wenn dann am Ende auch noch Harley-Maschinen zu Mofas umfunktioniert werden ("Free Wind Desperado") und Bandklassiker wie "Sweet Obsession" und "American Nights" von den Toten auferstehen, wird einem schon beim bloßen Gedanken an eine Beatles-Coverversion Angst und Bange ("With A Little Help From My Friends"). Und das völlig zu Recht.

Trackliste

  1. 1. 21 Guns Salute (Goes Boom)
  2. 2. Nothin' At All
  3. 3. Can't Break Away
  4. 4. Remember
  5. 5. Fallin' Outta Love
  6. 6. Glorious
  7. 7. Supernatural Disguise
  8. 8. Shooting Star
  9. 9. Lies
  10. 10. Put Out The Flames
  11. 11. Free Wind Desperado
  12. 12. Sweet Obsession
  13. 13. American Nights
  14. 14. With A Little Help From My Friends

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1 Kommentar

  • Vor 3 Jahren

    Das mit dem "Ö" dürfen eigentlich nur Lemmy und Co...
    alleine schon dafür sollte man den Ziller's Hans verklagen...
    die Mucke selbst ist eh nur unterdurchschnittlicher Hardrock,
    also am Besten: Schnell vergessen das Ganze, und auf die nächste Axel Rudi Pell warten...