laut.de-Kritik

Viel Sozialkritik im harmlosen Sound-Mäntelchen.

Review von

Eine hohe Arbeitslosigkeit, tödliche Polizeigewalt, mittlerweile über 200.000 Corona-Tote, im November Präsidentschaftswahlen - die vier Ziffern des Albumtitels symbolisieren die aufgeheizte Stimmung in den USA in diesen Tagen. Und jeder weiß, wie es gemeint ist: Das Jahr 2020 wird im kollektiven Gedächtnis unschön in Erinnerung bleiben. Auch in seinen Texten kehrt Jon Bon Jovi die offensichtlichen Missstände nicht unter den Teppich.

Im Gegenteil. Die Ballade "American Reckoning" schrieb er angesichts des gewaltsamen Todes George Floyds und stellt eine richtige Frage: "God damn those eight long minutes lying face-down in cuffs on the ground ... When did a judge and a jury become a badge and a knee on these streets?". Die Erlöse, die die Single bis Ende des Jahres einfährt, spendet die Band an die Bryan Stevenson's Equal Justice Initiative, die sich für die Schwächsten in der US-Gesellschaft stark macht.

Die Auskopplung "Unbroken" behandelt wiederum ein Dauerthema: das Schicksal traumatisierter US-Kriegsveteranen. Auch hier geben Bon Jovi die Einnahmen aus zwölf Monaten direkt an eine gemeinnützige Organisation weiter, die Patriotic Service Dog Foundation. "Lower The Flag" ist von den Amokläufen in Dayton, Ohio und El Paso, Texas, 2019 inspiriert, "Blood In The Water" von den Flüchtlingen in Europa und an der mexikanischen Grenze.

Viele Texte verbreiten also alles andere als gute Laune. Dabei steigen Bon Jovi dynamisch und optimistisch in die neue Platte ein: "Limitless" ist eine Art alternativer Stadionpoprock. "Do What You Can" atmet im Anschluss dagegen melodiösen Country-infizierten Working Class-Rock aus. Der Track entstand zu Beginn des Lockdowns im März und enthält Textpassagen von Fans: Jon Bon Jovi hatte sie aufgefordert, Vorschläge für die zweite Strophe einzureichen.

Beide Tracks wurden ebenfalls vorab ausgekoppelt und stecken im Dreiklang mit Blockbuster-Balladen wie "Story Of Love" das musikalische Terrain des 15. Studioalbums der amerikanischen Megaseller ab. Bon Jovi eben: Songwriting und Dramaturgie von Stücken wie "Let It Rain" und "Brothers In Arms" spiegeln die Jahrzehnte lange Mainstream-Poprock-Erfahrung wider, die sie 2017 auch in Rock and Roll Hall of Fame einziehen ließ.

Ähnlich wie Aerosmith wissen Bon Jovi einfach, wie man es anstellt, Amerikas Radiostationen und Biker-Kneipen zu erobern. An der Gitarrenarbeit gibt es beispielsweise nichts auszusetzen. So knüpft "Beautiful Drug" atmosphärisch an den Opener an. Das Stück ist einer jener cooleren Rocker, den die Band eben auch immer mal drauf hat: Lässige Bassline, ordentlich Tempo, Mitsingrefrain und ein Gitarrensolo, wie man es hören will. Klar der beste Track der Platte, deren Release aufgrund der Corona-Pandemie von Mai auf Oktober verschoben worden war.

Derlei Songs würde man gerne mehr hören. Doch Bon Jovi spielen direkt im Anschluss mit dem oben erwähnten "Story Of Love" wieder genau die entgegen gesetzte Karte. Für den klassischen Fan der Amerikaner dürfte insofern nur eine Nachricht wichtig sein: "2020" hat keinen Aussetzer.

Trackliste

  1. 1. Limitless
  2. 2. Do What You Can
  3. 3. American Reckoning
  4. 4. Beautiful Drug
  5. 5. Story Of Love
  6. 6. Let It Rain
  7. 7. Lower The Flag
  8. 8. Blood In The Water
  9. 9. Brothers In Arms
  10. 10. Unbroken

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7 Kommentare mit 31 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    Ist schon ziemlich rebellisch, wie er da auf alle guten Ratschläge scheißt und einfach in sein Fäustchen hustet.

    • Vor 2 Monaten

      Hätte er wohl mal besser die Laut Experten wie dich gefragt, oder? Obwohl, hmm, während Jon Bon Jovi weltbekannt ist und bestimmt ein glückliches, sorgenfreies Leben führt und alles machen kann, was er will, sitzen Experten wie du 24/7 alleine vorm PC, haben kein Leben und kommentieren durchgehend jeden Mist um zumindest im Netz bei der Gemeinde aus gleichtraurigen, Jammergestalten mit arrogant, pseudolustigen Bemerkungen und dem ewigen Abqualifizieren ein wenig Anerkennung zu erheischen. Bravo. Du bist ein echter Rebell und weißt Bescheid.

    • Vor 2 Monaten

      Stehste wirklich so sehr auf Bon Jovi? Na gut, er hat sich auch ganz gut gehalten, aber feuchte Träume würde ich da nicht kriegen. Jedem Tierchen und so.

    • Vor einem Monat

      @DickGrinder: Du solltest die Kommentarsektion von Laut.de lieber meiden. Glaub mir, du wirst glücklicher sein - denk an dein schwaches Herz.

    • Vor einem Monat

      DickGrinder ergreift gerne Partei für abgehalfterte Stadionrockstars. Insofern wird er Kommentarsektion unheimlich bereichern.

    • Vor einem Monat

      ... auch wieder wahr

    • Vor einem Monat

      ah, da sind ja die nächsten Internetüberexperten, die zu ihrerer traurigen Arroganz auch noch die passende Portion Sexismus und "Niveau" packen und sich als die erbärmlichen Trottel demaskieren, die sie im echten Leben wahrscheinlich tatsächlich sind. Anders lässt sich das ja nur schwerlich deuten. Klassisch serviert ohne Argumente mit Beleidigungen und der obligatorischen "Lösch dich" Aufforderung, wenn man nicht die coole, elitäre Attitude mitträgt, ganz wie 7-jährige das eben machen. Schon klar, Musik ist immer nur dann gut, wenn sie entweder keiner kennt, außer eben dem erlauchten Kreis der Experten, smile, oder sie sich keiner anhören kann und mag, weil einfach beschissen. Und wenn sie im Mainstreamradio läuft und ein Massenpublikum sie gutfindet, man sogar Touren weltweit in Stadien spielt weil eben viele Menschen das sehen wollen, jesses, da dann muss es einfach abgehalfterte Kackmusik sein, logo, billigere und einfachere Props bekommt man doch gar nicht von der Community. Toll.

    • Vor einem Monat

      Geil. Organ Grinder ist mein neues Lieblingsfakeprofil. Geht schön in die Richtung "ungefickter Mittfünfziger, der schon auf ein paar Treffen vom Ortsverband der AfD war, sonntags pflichtbewußt den Tatort guckt und den Lieferjungen anschnauzt, wenn seine Salamipizza das letzte Mal zu viel Oregano hatte". Mittelfristig sicher nicht leicht, den unterhaltsam zu halten, aber fängt zumi dest gut an.

    • Vor einem Monat

      "...ganz wie 7-jährige das eben machen."

      Naja, deine Argumentation beschränkt sich aber auch nur auf spekulative Übertreibungen und willkürliche Rückschlusse. ¯\_(ツ)_/¯

    • Vor einem Monat

      Hmm, un da sieht man den Unterschied. Viel mehr falsch beim Pseudospekulieren kann man gar nicht liegen, selbst bei den paar Bröckchen an Informationen, die man durchaus aus meinen Kommentaren herauslesen kann, dürfte auch einem Halbbeschränkten klar sein, dass die pubertäre Hasstirade komplett ins Leere läuft und stumpf Provokationsnonsens ist, schade, da hätte ich doch mehr erwartet. Irgendwie bezeichnend, dass man wie bspw. unter der Deftones Rezi halbwegs verständlich und vernünftig zu diskutieren in der Lage ist, wenn die Platte auch nur irgendwie szene-und bubblerelevante Coolnessfaktoren und-generatoren abbildet und man da ganz der Experte rumposaunen kann, aber unter ner Bon Jovi Rezi auf allerniedrigstem Billoniveau den eigenen Selbsthass, Selbstekel und das Selbstmitleid auslebt, natürlich vollkommen sinn-und argumentationsfrei. Respektabel. Ganz schön arm. Erwartbar.

    • Vor einem Monat

      Geil. Mach bitte weiter! Vor allem, was Du alles aus meinem komplett unspektakulären, freundlichen Mini-Spott über das Albumcover so alles herauszuholen vermagst, ist ganz wunderbar!

      Wie wärs damit, daß man die jungen, ach so coolen Sänger ja gar nicht versteht, wenn die so schnell sprechen? Oder dieses ewige laute Bumm-Bumm-Bumm, was da immer aus den ganzen Clubs herauswummert?

    • Vor einem Monat

      "den eigenen Selbsthass, Selbstekel und das Selbstmitleid auslebt"

      Mein lieber Schwan. :D Was ne Drama Queen!

    • Vor einem Monat

      Welche Sänger sprechen denn schnell? und aus welchen Clubs wummert denn bitte 2020 Musik? Wenn ich das so lese, frage ich mich ernsthaft, wer der ungeficke Mitfünfziger ist... Hmm, mehr als die gleiche ausgelutschte Schiene kommt da nicht? Echt kreativ.

    • Vor einem Monat

      Ach, wie wäre es denn mit Selbstlöschung?

    • Vor einem Monat

      Auch hier sehen wir eine gelungene Persiflage der Reaktion darauf, daß man mit der Luft geschimpft hat, die sich im kindlichen Knatschen äußert. Schreibste eigentlich beruflich oder nur so als Hobby? Laß uns mal verlinken, wenn Du regelmäßig auf Facebook schreibst oder ironischerweise heute noch nen Blog betreibst!

    • Vor einem Monat

      Jetzt mal im Ernst, Organ Grinder und Ragism sind doch ein und derselbe Spacken, oder?

    • Vor einem Monat

      So gelangweilt kann doch keiner sein

    • Vor einem Monat

      Danke, zu viel der Ehre, aber ich nutze meine Kreativität und Zeit für andere Dinge als mir noch eine zweite Kunstfigur für laut.de auszudenken!

    • Vor einem Monat

      "ich nutze meine Kreativität"
      Der war gut.

    • Vor einem Monat

      OrganGrinder ist natürlich ein sehr langweiliger Fake, aber das hier war schon eine treffende Beschreibung von Ragsim:
      "..., sitzen Experten wie du 24/7 alleine vorm PC, haben kein Leben und kommentieren durchgehend jeden Mist um zumindest im Netz bei der Gemeinde aus gleichtraurigen, Jammergestalten mit arrogant, pseudolustigen Bemerkungen und dem ewigen Abqualifizieren ein wenig Anerkennung zu erheischen..."

      Löschung von Mueri2.0 ist auch schon sehr lang überfällig, ma sagen.

      Bon Jovi natürlich 1/5, Musik für den lautuser.

    • Vor einem Monat

      Craze, du weißt das "gleichtraurige Jammergestalten" dich mit einschließt, richtig?

    • Vor einem Monat

      Schließt das nicht uns alle ein? Ja, tut es.

    • Vor einem Monat

      Da Ragism bei mir absolut garkeine Anerkennung genießt, fühle ich mich da nicht angesprochen.
      Auf Dich trifft das jedoch auch vollumfänglich zu, Schwingi.
      Wann postest Du eigtl mal wieder :rolleyes: unter Musik die nicht von vorgestern ist. :)

    • Vor einem Monat

      Ach, MannIN will nicht mit mir spielen? Da muß ich wohl die falschen Lebensentscheidungen in dieser Krabbelgruppe getroffen haben

    • Vor einem Monat

      "Bon Jovi natürlich 1/5, Musik für den lautuser."

      Da kröhnt uns Ochsi diesen Fremdscham-Faden dann mit so nem Mumpitz. Denke Ragism sollte dat ganze Ding löschen.

    • Vor einem Monat

      Fremdscham war doch noch nie ein Problem dieser Community.

    • Vor einem Monat

      Richtig. Gegenseitige Fremdscham ist sogar der Klebstoff, der uns verbindet. Immer tiiiiiiief einatmen!

    • Vor einem Monat

      Also ich fands unterhaltsam und würde Organ-Grinder auf jeden Fall die Rolle als verletzter, unnötig aggressiver Fanboy geben.

      Aber Craze, dieses ewiggleiche Zurschaustellen deines Hasses auf Ragism langweilt, ich les den Mumpitz hier doch um zu lachen. Ein wenig kreativer bitte.

  • Vor 2 Monaten

    Ebi, so lobende Worte und dann nur 2/5 Sterne? C’mon!

    • Vor 2 Monaten

      Du regst dich über eine (angeblich) zu niedrige Bewertung zu einem babypozarten Protest-Album auf, an welches sich in zwei oder drei Tagen niemand mehr erinnern wird (die Band eingeschlossen)? C'mon!

  • Vor 2 Monaten

    Klar, die New Jersey-Zeiten sind lang vorbei. Trotzdem ist 2020 ein Bon Jovi-Album, das ich mal wieder durchhören kann. Die Rockmusik wird zwar auch dieses Mal nicht neu erfunden, aber damit war ja auch nicht zu rechnen. Alles in allem absolut solide, handwerklich gut gemachte und gut produzierte Songs mit erstaunlich guten Texten. Und trotz hoher Balladen-Dichte nicht so kitschig wie das ein oder andere Mal in der Vergangenheit („Bed of Roses“ und Konsorten). Für mich definitiv eines der besseren Bon Jovi-Alben der letzten Jahre.

  • Vor einem Monat

    Leider haben sich die Jungs dazu entschieden, ohne Ihren jahrelangen Klampfenmann und Songschreiber weiterzumachen, auf dieses Ergebnis bin wohl nicht nur ich sehr sehr gespannt...! Quo Vadis Bon Jovi?

  • Vor einem Monat

    Ey Dobler! Da freut man sich auf einen klassischen Bon Jovi-Hausfrauenrock-Vollveriss, und dann sowas: wie wat, gute Songs? Und dann stimmt das mit Beautiful Drug auch noch, der Track ist jetzt kein Klassiker, aber durchaus brauchbar. Auf nix is dieses Jahr Verlass. 2020, du bist ein Arschloch.

  • Vor einem Monat

    Für mich war New Jersey immer der BJ Goldstandard, der nie wieder erreicht wurde und die Kurve wurde immer flacher. 2020 ist nun tatsächlich für mich durchhörbar und hat meines Erachtens 3 Punkte verdient, weil handwerklich solide, eigentlich unkäsig und angemessen aktuell. JBJ schlüpft mehr und mehr in die Springsteen-Rolle und beleuchtet die Leben der kleinen Leute in schweren (Pandemie) Zeiten.
    Man muss auch sagen, dass es so langsam in Richtung Spätwerk geht, und dass der Rock der früheren Tage nun dem Country weicht. You Tube Musik jedenfalls knüpfte nach dem Ende des Albums direkt mit "Warm Beer" an. Na danke!