laut.de-Kritik

Bläser, jazzige Seltsamkeiten und ein Slap-Bass.

Review von

Die Superstars des Balkan-Brass sind wieder mit einem neuen Album am Start. Das knallt ordentlich, und zwar anders als bisher gewohnt. Der Sohnemann des großen Boban steht mittlerweile gleichberechtigt neben dem berühmten Daddy und das macht sich mehr und mehr bemerkbar. Während Puristen sich verwundert die Augen und vor allem die Ohren reiben, dürfte manch einer vor Verzücken durchs Wohnzimmer kullern. Wo ehedem der Fokus des Blasmusik-Wahnsinns fast ausschließlich bei der Bläsersektion lag, erfährt der Gesamtsound eine nicht unerhebliche Modernisierung mittels Beats.

Dank des zusätzlichen Wumms' rollt der Viervierteltakt noch druckvoller aus den Boxen und verwandelt jede Wohnzimmer-Party mittels balkanesischer Grandezza in ein Sliwowitz-Furiosum. "Turbo Dizel" geht ab wie das sprichwörtliche Zäpfchen. Die drückendere Stoßrichtung der Songs geht so weit in Ordnung, wie die Herrschaften die Beats in wohldosierter Form einsetzen. Zum Beispiel bei "Disko Dzumbus 2013" verkommen die Markovics aber zum ESC-Folklore-Stadl. Das will niemand wirklich hören.

Bedächtig geht das Orchester bei "Truba I Covek" zu Werke. Zu jazzig anmutenden Tönen tröten die Markovic-Bläser melancholisch. So richtig stimmungsvoll kommt dies nicht rüber, im Vergleich zum "Dzumbus" mutet es aber wie eine reine Wohltat an. Hernach wird das Gaspedal aber wieder gen Bodenblech gedrückt. "Gipsy House" und das gewaltig schunkelnde "Zvizduk" verbreiten wieder den anarchischen Frohsinn des Beginns. Auch "Od Hana Do Kana" feiert musikalisch das eigene Vermächtnis ab, ehe mit "Fankerica Smekerica" wieder experimentiert wird. Da schau her, die Markovics funken, Slap-Bass inklusive. Nun ja ... wers braucht.

Richtig absurd wird es bei "Afrika Paprika". Weiß der Kuckuck, wer die Idee zu diesem Teil hatte, inspirierend, interessant oder auch nur annähern mitreißend wirkt das nicht. Eher wie bemühtes Muckertum. Dass Markovic und Markovic gute Musiker sind, muss man nicht anhand konstruierter Jazz-Variationen über Pseudo-Buschsounds aufgedrängt bekommen. "Bobanova Saga" ist dann der Abschluss der Experimental-Runde. Ein ganzes Album in diesem seltsamen Stil, und die Markovics wären ein Fall für den nächsten Jazz-Frühschoppen.

Trackliste

  1. 1. Caje Sukarije
  2. 2. Turbo Dizel
  3. 3. Balkan Karavan
  4. 4. Bum Tras
  5. 5. Disko Dzumbus 2013
  6. 6. Cokolada
  7. 7. Zivot Cigana
  8. 8. Divlji Konj
  9. 9. Truba I Covek
  10. 10. Gipsy House
  11. 11. Zvizduk
  12. 12. Od Hana Do Kana
  13. 13. Fankerica Smekerica
  14. 14. Afrika Paprika
  15. 15. Bobanova Saga
  16. 16. Sljivovica (Remix)

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