laut.de-Kritik

Das Motto lautet: Hirntot bleiben.

Review von

Es war einmal in Westberlin zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus, als die Rapgottheit die Stimmen von Marius Müller-Westernhagen und Lil Jon mit 150 Pfund Gehacktem vermengte und das Blokkmonsta gebar. Der durch unheilige Crunk-Magie erschaffene Hackepetergolem zog fortan im Zeichen der Sturmmaske zu Felde gegen falsche Götzen, Wackrapper und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Auf seinem Weg scharte er eine Legion aus übel gelaunten Tilidin-Dämonen um sich und schrieb mit dem Blut seiner Feinde "Hirntot" auf ihr Banner.

Die jüngste akustische Ausgeburt aus den Folterkellern des Labels hört auf den Namen "Hirntot Originals". Das Plural-S steht für Perverz, der zur Freude der Hirntot-Fans zum ersten Mal seit 2015 wieder auf Albumlänge in Erscheinung tritt. Mit unterschiedlicher Vermummung, doch im Blutdurst vereint, morden und metzeln sich die beiden Protagonisten durch 15 Anspielstationen.

Musikjournalistischen Sprachvoodoo beiseite handelt es sich bei "Hirntot Originals" um ein klassisches Battlerap-Album Westberliner Schule, abgeschmeckt mit der typischen Dosis Gift und Galle à la Maitre de Hirntot. Das ist so originell wie drei Meter Blutwurst, macht aber auch genau so viel Spaß, gesetzt den Fall, man hat dafür prinzipiell etwas übrig.

Die Beats des Albums verantwortet Isy Beatz (mir noch in amüsanter Erinnerung durch seine Zusammenarbeit mit dem legendären Brutos Brutaloz) zusammen mit Kopilot C55. Das Soundbild ist unaufgeregt traditionell (aka langweilig), verfolgt in jedem Fall aber eine klare Linie. Diese besteht vor allem aus unheilschwangerem Instrumentarium (Frauenchöre, Glockenspiel dies das) und immer wieder Dirty South-Synthezisern, so wie der Chef sie mag, behutsam modernisiert mittels dumpf-trockenen 808-Snares und Trap-Hi-Hats. Man hätte sich das im Klang alles noch eine ordentliche Schippe wuchtiger gewünscht, so haben die Beats leider in einigen Momenten etwas von labbrigen Pommes: Darf ruhig so stumpf sein, wie es ist, schmeckt auch irgendwie, wäre aber ganz offensichtlich auch deutlich besser gegangen.

Dumpf-trocken gestalten sich ebenfalls lyrische Statements der Marke "mit Thor sein' Hammer ihre Köpfe zu Kompott zermalm' / Rote-Beete-Säfte und der Rest geht auf im Feuerqualm" ("Psychokore", Massenmord, Anspieltipp). Blokkmonstas Fleischwolf-Flow hat einfach diesen gewissen Charme einer halben Flasche Fürst Uranov, die man auf Ex wegzieht und sich dann auf den Kopf schlägt. In Westberlin geht's eben brutal zu.

Dass die beiden Protagonisten andererseits so hirntot gar nicht sind wie sie häufig tun, beweisen sie in Tracks wie "Keine Träne", einem klassischen Deutschrap-Schmachtfetzen mit Streichern und Lines für die Brudis, oder "Oldschool feat. MC Bogy". Auf Letzerem bringt Peverz seinen besten Part auf der Platte und lässt so nostalgisch wie humorvoll die Neunziger Revue passieren ("Helmut Kohl / das war ein fettes Problem" "Kommen diese drei Banger / dann schweigen die Lämmer").

Leider gibt Perverz ansonsten viel zu oft das Naloxon zu Blokkmonstas Tilidin, erinnert in Flow und Stimme an Frauenarzt, ohne jedoch dessen hirnverbranntes Charisma oder Juicy J-Swagger zu besitzen. Zwar lockern seine Parts die Platte auf und bieten Zeit zum Durchatmen vor Blokks nächster Hassattacke, bleiben aber meist mehr Streckmittel als wirklich sinnvolle Ergänzung.

Dennoch, Hirntot Originals bleiben: Das, was sie sind, immer waren und immer sein wollten, und unverrückbar in der Nische, die sie sich selbst erkämpft haben. Muss man mögen, kann man feiern. Und obwohl mit diesem Album wohl kein neues Kapitel im Buch der Neun Pforten aufgeschlagen werden wird, geh ich jetzt los in den Wald, "Hirntot Originals" hören und 'ne Ziege opfern.

Trackliste

  1. 1. Nennt Uns Wie Ihr Wollt
  2. 2. Der Teufel In Den Augen
  3. 3. In Den Medien
  4. 4. Unter Der Erden
  5. 5. Abrechnung
  6. 6. Hirntot Originals feat. Rako & Schwartz
  7. 7. Keine Träne
  8. 8. Hunderte Gauner
  9. 9. Mörder Ink
  10. 10. Psychokore
  11. 11. Wir Sind Hier
  12. 12. Weil Wir Es Wissen
  13. 13. Zahltag feat. Dapharao
  14. 14. So Wie Du
  15. 15. Oldschool feat. MC Bogy

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6 Kommentare mit 6 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    so richtig lange am stück geben kann ich mir das "ohrabkauender schwatznasensplatter"-ding zwar nicht - zu viel gelaber - aber die grundidee finde ich nach wie vor sympathisch.

  • Vor 2 Jahren

    Ich würde 3 Sterne geben. Perverz nervt mit seinem Tilidin etwas und ich habe mir eigentlich mehr von ihm erwartet nach HT100. Beats klingen teilweise ziemlich gleich. Irgendwie bleibt nicht viel hängen.. Track mit Bogy ist am besten

    • Vor 2 Jahren

      Herzlichen Glückwunsch 10 Jahre nur sinnbefreite Motzkommentare auf Laut.de posten muss man auch erstmal hinkriegen.
      Sind dir in der Zwischenzeit wenigstens mal ein paar Häärchen am Sack gewachsen?

  • Vor 8 Monaten

    Also der Opener ist richtig geil, sehr gute Combo aus tollem Beat, und gutem Flow. Auch Perverz' Part gefällt mir richtig, nur Blokk hat da keinen so tollen Text. Und man merkt auch, dass irgendwie auf fast jedem Lied nur einer der beiden Parts gut klingt. Das Album ist insgesamt ganz gut, aber klingt insgesamt wie mal eben in einer Woche hingeschissen. Klar, die HT Rapper brauchen sich nicht wirklich Mühe zu geben, weil die es mittlerweile wohl im Blut haben, gute eingängige Lieder zu schreiben, aber mich nervt es etwas, dass die Lieder am Ende einfach so abgehackt werden. Da waren die damals schon viel detailverliebter. Immerhin lässt Blokk seine klare Stimme weg, und seine Parts klingen allesamt aggressiv, auch wenn da der Text wie gesagt nicht immer so gut ist.

    Beim Titeltrack hätte ich mir ne Überraschung erwartet, vielleicht nen Possetrack mit anderen Berliner Rappern, oder sogar Beat von SDBY und nen Gastpart von Uzi, der ja nicht mehr dort ist.

    Auch sind mittlerweile auffällig wenige Features auf den Alben drauf. Damals hat man sich vor Gastparts ja nicht mehr retten können, aber das und der Releaseintervall haben ziemlich abgenommen.

    Die Themenvielfalt finde ich auch cool, nicht immer nur irgendwelche brutale Szenarien, mit in den Medien gibt's endlich wieder nen politischen Track, und auf Mörder Ink haben die mal was ganz Anderes behandelt.

    Insgesamt finde ich das Album besser, als es von der Community angenommen wird, besser als Flüsse aus Blut 2 und sowieso 100 mal besser als HT 100.