laut.de-Kritik

Pop mit Tambourin-Geklöppel und Fidel. Wars das?

Review von

Betrachtet man sich das Cover der neuen Blackmore's Night, kommt man nicht umhin, die Hände über den Kopf zusammen zu schlagen. Zwar mutet die Abbildung nicht ganz so diddelig an wie die meisten Artworks der Folkrocker um Ritchie Blackmore. Trotzdem muss man sich fragen, ob man für die Gestaltung nicht einmal jemanden heranziehen kann, der abseits des Kunst-LKs werkelt. Das Auge hört schließlich auch mit.

Beim Inhalt sieht es leider ähnlich aus, mit dem Unterschied, dass Blackmore und seine Holde bei den traditionell auftauchenden Coverversionen diesmal ordentlich in die Latrine gefasst haben. Mit der Wahl von Mike Oldfields Heuler "Moonlight Shadow" (gibt es einen ausgelutschteren Song?) sowie Sonny & Chers "I Got You Babe" haben sich die Spielleute wahrlich keinen Gefallen getan, zumal Candice gedoppelter Gesang dem ohnehin schon kitschigen Arrangement eine zusätzliche Zuckerdosis verpasst. Die Melodien an sich sind für die Ewigkeit, aber wenn man dem ganzen wirklich null Originalität beimengt, möchte man dem Liedelein mit den Händen an der Gurgel den Garaus bereiten.

Täglich grüßt das Murmeltier, ganz ähnlich verhält es sich mit dem Song, der nicht zuletzt dank seiner Verwendung im Film mit Bill Murray ewiger Ruhm beschieden ist. Die dämlichen Glocken im Hintergrund und die völlig geleckte Produktion meucheln den letzten Rest an Flair. Dass Candice immer die gleiche Intonation in ihren Vortrag legt, trägt zudem nicht zur Hebung des Spannungslevels bei. Ebenso traditionell wirken Blackmores Fingerübungen bei Instrumentals, hier: "Queen's Lament". Das klingt gefällig, ist sauber gespielt und hübsch anzuhören, hinterlässt aber ebenfalls kaum einen bleibenden Eindruck.

Songs wie das zu Beginn schön vor sich hin dengelnde "Where Are We Going From Here" verhunzen Blackmore's Night in der Folge mittels aufgeblasener Produktion und völlig deplatzierten Sounds aus der Konserve. Konzentrierten sich die Herrschaften vielmehr auf die Grundessenz ihrer Songs und befreiten sie vom aufgeplusterten Ballast, es klänge um einiges interessanter. So hat man leider den Eindruck, "All Our Yesterdays" sei vor allem dazu gedacht, mal wieder den Planwagen zu bestücken und als fahrende Spielleute durch die Lande zu ziehen.

Blackmore's Night-Songs klingen immer dann am spannendsten, wenn sie vermehrt Renaissance-Einflüsse verarbeiten. Davon ist 2015 jedoch nur wenig übrig geblieben. Vielmehr hören wir hier Popsongs mit Tambourin-Geklöppel und etwas Fidel. Das kanns ja dann auch nicht gewesen sein.

Trackliste

  1. 1. All Our Yesterdays
  2. 2. Allan Yn N Fan
  3. 3. Darker Shade Of Black
  4. 4. Long Long Time
  5. 5. Moonlight Shadow
  6. 6. I Got You Babe
  7. 7. The Other Side
  8. 8. Queen's Lament
  9. 9. Where Are We Going From Here
  10. 10. Will O' The Wisp
  11. 11. Earth Wind And Sky
  12. 12. Coming Home

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2 Kommentare

  • Vor 3 Jahren

    Ein tolles Album ! Mit einem Meisterwerk "Darker Shade Of Black", das irgendwie an die Instrumentalstücke der Rainbow-Bent-Out-Of-Shape erinnert, nur mit noch mehr Brillanz und Gefühl.
    Was nicht nur diesen Titel hervorhebt (Chöre, Glocken,etc.), ist eben nicht ein "aufgeplusterter Ballast", sondern ausgefeiltes, harmonisches Studioequipment.

    2 Kritikpunkte: Der ein oder andere Titel wäre rein instrumental auch gut gewesen, ohne die tatsächlich etwas begrenzte, vorgetragene Intonation von Candice Night.

    Einzig eines gefällt mit nicht: Das Cover. Ich nehme an, da hat Ritchie seiner Liebsten bei der Wahl den Vorrang gelassen.

    Fazit: WER läßt solch sauberen Griffe und Kompositionen so wunderbar klangschön und melodisch erklingen? Bitte nicht diese Musik mit Deep Purple oder Rainbow (mit Dio) vergleichen - wie es manche tun, das ist ein völlig anderes Genre!

  • Vor 3 Jahren

    Purer F***. Glücklicherweise gibt`s dieses Jahr wieder was auf die Ohren.