laut.de-Kritik

Wintermorgen, Winternacht, Bodenfrost. Brrr.

Review von

Nach dem arschkalten und für meinen Geschmack viel zu langen Winter ein Album über ausgerechnet diese Jahreszeit zu machen, liegt in gewisser Weise auf der Hand. Zumindest wenn man aus Finnland stammt, bei minus 40 Grad im Studio eingeschneit ist und die Sonne eh erst im Frühsommer mal wieder zu Gesicht bekommt.

Für den Before The Dawn/Dawn Of Solace-Chef Tuomas Saukkonen war die Zeit anscheinend lang genug, um sich gleich mal ein Doppelalbum über dieses Thema aus dem Hirn zu pressen. "Routa" (finnisch für Bodenfrost) ist nämlich in "Talviaamu" (Wintermorgen) und "Talviyö" (Winternacht) unterteilt, was sich vor allem in musikalischer Hinsicht niederschlägt.

So sind die ersten Songs weitgehend im Stile des Debüts gehalten und glänzen sowohl mit tollen Melodien in Sachen Gitarrenarbeit, als auch beim Gesang. Einmal mehr ist Sinamore-Fronter Mikko Heikkilä für die klaren Gesangslinien zuständig, während Tuomas sich die Growls einmal mehr mit Moonsorrows Ville Sorvali, Amorphis' Tomi Koivussari und Mynni Luukkainen von Sotajumala teilt.

Zusätzlich ist dieses Mal noch eine Dame namens Janica Lönn mit von der Partie, die in "Dead Sun Aeon" gesanglich auftaucht und sonst bei Lunar Path aktiv ist. Wo und wer von den verblichenen Sentenced seinen Beitrag zu "Routa" geleistet hat, lässt sich dem Promomaterial leider nicht entnehmen.

"Talviaamu" konzentriert sich wie bereits erwähnt, auf die eher melodischen und gotisch angehauchten Momente des Albums. Immer noch düster und weitgehend schleppend, kommt die Scheibe aber nicht mehr ganz an die tolle Melancholie des Debüts heran.

Highspeed ist auch auf "Talviyö" nicht angesagt, selbst wenn die Doublebass immer wieder ordentlich rattert. Mikko hat hier absolute Sendepause, denn den Nummern stehen die Growls der bereits genannten Akteure deutlich besser zu Gesicht. Dabei geht Tuomas aber auch ganz gern groovebetont vor, was besonders in "The Beast" oder "Silence" deutlich wird.

Das abschließende "Apoclayptic Reveries" scheint zwar zunächst ein echter Death'n'Roller zu werden, doch das täuscht leider. Nach der Hälfte fadet die Nummer kurz aus und geht in ein längeres akustisches Gitarrenoutro über.

Die Trennung der beiden Scheiben geht aufgrund des thematischen Hintergrunds schon in Ordnung. Vielleicht hätte Tuomas aber an der ein oder anderen Stelle mal ein wenig kürzen und sich auf ein richtig starkes Album konzentrieren sollen. Nicht jeden Song, den der Mann schreibt, muss man unbedingt direkt veröffentlichen.

Trackliste

CD1

  1. 1. Core Of Winter
  2. 2. Frozen
  3. 3. Sorrowsong
  4. 4. Routa
  5. 5. Wreath Of Ice
  6. 6. Dead Sun Aeon
  7. 7. Cold

CD2

  1. 1. Funeral Of World
  2. 2. River
  3. 3. Frozen Kingdom
  4. 4. Wanderer
  5. 5. The Beast
  6. 6. Silence
  7. 7. Apocalyptic Reveries

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