laut.de-Kritik

Ein musikalischer Ritt durchs Fegefeuer.

Review von

1998 setzten sich die zwei Elektronik-Tüftler Deathprod (Helge Sten) und Geir Jenssen aka Biosphere für ein Split-Album zusammen und düdelten sich "Nordheim Transformed" aus dem Equipment. Dabei entstand ein recht spookiges Album mit sieben Tracks, die - gemäß dem Titel - Kompositionen des Musikers Arne Nordheim ins Ambient-/Drone-Universum transformierten. Eine zwiegespaltene Genre-Angelegenheit, weil die beiden Musiker nicht wirklich zusammen werkelten, sondern jeder seine musikalischen Definitionen auf Tape bannte. Helge Sten übernahm seinerzeit den Drone-Advocatus Diaboli, während Jenssen den düster-dräuenden Waber-Kosmos mit zarten Pluckersounds ein wenig auflockerte.

Dieses Schema behalten die beiden Norweger auch 2015 bei. Im Wechsel spielen sie sich die Bälle zu. Einmal mehr zeichnet Biosphere dabei für die eingängigeren Sounds verantwortlich, so man denn bei den hier zu hörenden Collagen überhaupt von Eingängigkeit reden kann. Von Deathprod stammen wiederum die Klänge, die man ohne weiteres auch für einen Horror-Egoshooter der Marke "Silent Hill" verwenden könnte.

Man kann die Hauptperson förmlich durch den Nebel stolpern sehen, während aus allen Himmelsrichtungen die Abgründe der Hölle herein stürzen. Der abschließende Zehnminüter "Optical" ist genau so ein Ritt durchs Fegefeuer. Man möchte nicht wirklich wissen, welche Inspirationsquellen Sten für diese Sound-Schichtungen heran zieht. Träume von blühenden Frühlingswiesen und Schmetterlingen dürften es nicht gewesen sein.

Der Opener des Albums bleibt Jenssen überlassen. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man die ersten beiden Minuten bei seinem Kollegen verorten, aber dann legt "Muses C" doch noch eine Wendung hin und blubbert etwas weniger atonal aus den Boxen. Selbiges lässt sich von "Shimmer/Flicker" (Deathprod) nicht behaupten, denn auch hier klingt vieles eher nach gequälter Seelenpein und Isolation als nach Musik. Biospheres "Baud" wiederum nähert sich ein wenig an den Deathprod-Kosmos an, während sich jener im Interlude "Polychromatic" und dem darauf folgenden "Disc" sachte aus seinem Noise-Kokon schält und etwas weniger verstörende Sounds auffährt.

In der Summe greifen hier aber leider keine Synergien. Die beiden Protagonisten deuten vielfach an, warum sie den Ruf von Drone- und Ambient-Dickschiffen genießen. Allerdings kommen sie mit "Stator" weder an ihren ersten Kollabo-Aufguss "Nordheim Transformed" heran, noch an die Klasse ihrer Solo-Werke.

Trackliste

  1. 1. Muses-C
  2. 2. Shimmer / Flicker
  3. 3. Baud
  4. 4. Polychromatic
  5. 5. Disc
  6. 6. Space Is Fizzy
  7. 7. Optical

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