laut.de-Kritik

Seid ihr Rocker oder Romantiker?

Review von

Bei saarländischen Kulturexporten denkt der gebildete Bürger zuerst an Lyoner, Ur Pils und Heinz Becker. Aber Saarland als Nabel der Metal-Welt? Bis vor wenigen Jahren hätte diese Aussage jeder Metal-Fan mit einem Lemmy-liken "Harr Harr" quittiert. Nun mischen seit einiger Zeit Powerwolf und Beyond The Black die Szene und die Charts auf. Oder um es in Anlehnung an Dieter Thomas Heck zu sagen: "Hier ist Saarland!"

Punkten die Wölfe noch mit ihrem Travestie meets Orgel-Konzept, sieht die Sache bei den Female Fronted-Kollegen ein wenig anders aus. Über der Gruppe schwebt seit geraumer Zeit der Vorwurf ein seelenlos gecastetes Produkt zu sein. Das Tuscheln in den Fan-Foren ebbt gerade nach dem Split mit der kompletten Instrumental-Fraktion nicht ab. Sängerin Jennifer Haben schwingt sich zur Alleinfrauscherin auf und legt mit neuen Hired Guns bereits die dritte Platte in vier Jahren vor.

"Hysteria" hört sich an wie ein Song aus der Tobias Sammet-Schmiede für symphonischen Power Metal (Edguy, Avantasia). Ein gelungener, weil abwechslungsreicher Track, der mit einem unkonventionellem Arrangement und coolem Refrain aufwartet.

Der Titeltrack kredenzt ein sattes Single Note-Riff, das in einen straighten Melodic Rocker mündet mit Eighties Synths und Four On The Floor-Drumming. Die Ballade "Through The Mirror" schunkelt im Dreier-Metrum gefällig vor sich hin. Hier überzeugt die Sängerin in den Strophen auch in einer tieferen Stimmlage. Der bombastische C-Teil schlägt über einen kurzen Moment des Atemholens die Brücke zum Refrain.

Die mit Autotune reichlich frisierte männliche Knödel-Stimme haut den Hörer zu Beginn von "Million Lightyears" aus den Latschen und konterkariert den ansonsten solide gestalteten Pop Metal-Track. Zwischen Radio und Beyond The Black existiert hier kein Unterschied. Auf dem Song "For The Godless" erleidet das Mittelalter meets Fluch Der Karibik-Konzept Schiffbruch. Klar, der Track öffnet Türen zu anderen Hörerschichten, steht in seiner Machart auf Album-Länge jedoch allein auf weiter Flur und fällt somit eher anbiedernd denn Grenzen sprengend aus.

"Escape From The Earth" klingt vom Charakter her wie ein Zwischenstück, das von einem langsamen Aufbau und einem wiederkehrenden Thema lebt. "Beneath A Blackened Sky" startet mit unheilschwangerem Klassik-Bombast nebst Chorsatz. Dem opernhaften Beginn folgt eine straighte Strophe und ein unspektakulärer Refrain. Dieser Track läutet die düstere und getragenere zweite Hälfte ein.

"Fairytale Of Doom" nervt mit einem typischem Once Upon A Time-Refrain, der aber durch das Tausendmal-Gehört-Raster fällt. In "My God Is Dead" tauchen zum ersten Mal männliche Screams auf, die jedoch nicht ansatzweise den souveränen Vortrag der Sängerin stützen, sondern deplatziert wirken.

Entgegen des Titels klingt "Dear Death" flott und fröhlich mit deutlicher Musical-Schlagseite. Der Name "Scream For Me" fällt danach sehr Google-affin aus, auch wenn Bruce Dickinson darauf quasi ein Patent besitzt. Natürlich screamt der männliche Counterpart wieder fröhlich mit.

Mit Uptempo, tiefergelegten Gitarren und zartem Gothic-Piano schwimmen sich Beyond The Black mit "Freedom" wieder etwas frei. Hier fügen sich die Screams gut ins Gesamtbild ein und der Blastbeat C-Teil setzt diesem starken Track die Krone auf. Die orchestrierte Piano-Ballade "Breeze" kommt ohne einen Hauch Metal aus und erweist sich als wegweisend wohin der Weg von Haben noch führt.

Die Band verbucht auf der Habenseite eine top Produktion von Sascha Paeth (Avantasia, Edguy), abwechslungsreiche Songs und eine äußerst starke Vocal-Performance. Demgegenüber stehen simple Metal-Mechanismen, die mit der Sparte Symphonic Metal eine breite Hörerschaft ansprechen und weitere Köder mit ein bisschen Grusel und morbider Atmosphäre auswerfen, denen es jedoch an Authentizität mangelt. Beyond The Black gleichen fehlende Originalität mit eisernem Willen und Professionalität aus. Der Weg ist noch lange nicht zu Ende. Viel Hirnschmalz steckt in diesem Produkt mit einer schiefen Balance zwischen Kalkül und Kreativität hinsichtlich des Ersten. Lautmalerisch gehen Haben und Co. mit dem Holzhammer vor. Das Wort "Echo" versieht der Mix mit einem Delay, was kein Einzelfall bleibt.

Das Quintett umgibt sich gerne mit der Strahlkraft von Bands wie Nightwish, Epica und Within Temptation, streben jedoch mit ihrem musikalischen Konzept nach breiteren Hörerschichten. Gerade auf der neuen Platte begeben sie sich auf den Weg durch den Irrgarten populärer Metal-Spielarten in der Hoffnung, irgendwo stilistisch hängen zu bleiben oder gar einen Hit zu landen. Dies überzeugt auf Tracks wie "Hysteria" oder "Freedom", wirkt auf Dauer zu unschlüssig. Seid ihr nun Rocker oder Romantiker?

Trackliste

  1. 1. Hysteria
  2. 2. Heart Of The Hurricane
  3. 3. Through The Mirror
  4. 4. Million Lightyears
  5. 5. Song For The Godless
  6. 6. Escape From The Earth
  7. 7. Beneath A Blackened Sky
  8. 8. Fairytale Of Doom
  9. 9. My God Is Dead
  10. 10. Dear Death
  11. 11. Scream For Me
  12. 12. Freedom
  13. 13. Breeze
  14. 14. Echo From The Past
  15. 15. Parade

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