laut.de-Kritik

Entfernt lassen sich Dream Theater und Meshuggah noch erahnen ...

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Traum oder Albtraum, das ist hier die Frage. Nach "Automata I" im März erscheint nun ein halbes Jahr später der zweite, abschließende Teil. "Automata II" führt die an den Kinohit "The Truman Show" angelehnte Story der medialen Dauerberieselung weiter. Musikalisch gehen Between The Buried And Me dabei deutlich über den Erstling hinaus. Natürlich mokieren sich viele Fans über das gesplittete Material, das mit einer Gesamtspielzeit von 70 Minuten auch auf eine CD gepasst hätte. Dabei ergibt die Aufteilung durchaus Sinn. Der erste Teil enthält die deutlich zugänglicheren und für das Quintett typischeren Songs.

Teil 2 startet mit dem 13-minütigen Opener "The Proverbial Bellow" und liefert direkt ein Manifest der Stärke der Band. Gnadenlos gute Riffs brettern aus den Boxen. Vertrackt und doch höchst originell lassen sich noch entfernt die Vorbilder (Dream Theater, Meshuggah) orten. Dabei weisen die Saitengewitter in Sachen Eigenständigkeit und Qualität über diese Vorreiter hinaus.

Darüber thront Sänger Tommy Rogers mit tollen Keys und Synths und einer variablen Stimme, die Growls und cleane Parts spielerisch meistert. Der Refrain ("Please Pick Up The Phone, It's Been Ringing") gehört mit zum besten Hook-Material in der Prog-Szene der letzten Jahre, und steht mindestens auf einer Stufe mit den Melodien von Gesangsakrobaten wie Einar Solberg (Leprous) und Dan Tompkins (TesseracT). Dieser Songkoloss ist ein ähnlich gelungener Einstand wie es "Astral Body" auf "The Parallax II: Future Sequence" darstellt.

Der mit einem Zirkuswalzer startende und auf Piano und Akkordeon basierende Übergangstrack "Glide" mündet nach einem kurzen Moment der Stille in den ungewöhnlichsten und besten Track auf dem gesamten Zyklus. "Voice Of Trespass" bietet von Metal über Jazz/Swing bis hin zu Brass-Parts alles was das Prog-Herz begehrt und schlägt eine grandiose Brücke zum Vorgänger mit der "Condemned To Gallows"-Reminiszenz.

Dieser Track bildet das Herzstück, das bei aller Eklektik total schlüssig und spannend daherkommt, wozu die Rhythmusfraktion aus Bassist Dan Briggs und Drummer Blake Richardson ihr Scherflein beiträgt. Die Rohheit und Ungestümheit der Frühwerke verzahnen die Amis perfekt mit der kontrollierten Offensive der letzten Platten. Die in "Whiplash" von Regisseur Damien Chazelle perfekt in Szene gesetzten Bilder des Jazz Orchesters laufen hier vor dem geistigen Auge ab.

Den emotionalen Höhepunkt liefert der Abschluss "The Grid". Die Band wartet zum ersten Mal in ihrer Konzeptkarriere mit einem Happy End auf - und das Gitarrengespann Waggoner/Waring krönt dies mit einem grandiosen Solo, das in Sachen Dynamik und Intensität an den jungen John Petrucci erinnert und in der Form aktuell selbst den Six-String-Krösus Eric Gilette (The Neal Morse Band) aussticht. Somit liefert "Automata II" genau die besonderen Momente, die auf "I" noch fehlten und gibt in der Gänze der beiden Teile einen würdigen Nachfolger für das 5 Punkte-Monster "Coma Ecliptic" ab.

Trackliste

  1. 1. The Proverbial Bellow
  2. 2. Glide
  3. 3. Voice Of Trespass
  4. 4. The Grid

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2 Kommentare

  • Vor 2 Monaten

    Dieser Kommentar wurde vor 2 Monaten durch den Autor entfernt.

  • Vor 2 Monaten

    Der zweite Teil geht deutlich mehr nach vorne hooks und riffs greifen sofort beim ersten Durchlauf ohne sofort die gesamte Komplexität greifbar zu machen - Wiederhörfaktor sehr hoch. Dass die Teilung des Materials auf zwei Alben erfolgt ist nervt trotzdem ungemein. Es ist zu befürchten, dass das Werk in absehbarer Zeit als Package zu bekommen ist und der dumme Einzelkäufer drauf gezahlt hat. Schade, da die Zielgruppe kein Problem mit Alben in voller länge haben sollte.