laut.de-Kritik

Dieser fahle Junge kann Soul und Funk. Word!

Review von

Wenn Jarle Bernhoft auf dem Cover von "Islander" mit Schmalztolle und Hornbrille aus einer cremigen weißen Soße herausblickt, geht einem fürwahr manches durch den Kopf, aber ganz sicher nicht Soul und Funk. Doch genau diese beiden Genres bilden die Grundlage zu seinem neusten Longplayer. Kann solch ein weißes Hipster-Weißbrot so etwas überhaupt?

Der Start mit dem kunterbunten Cocktailschirmchen "Come Around With Me" gerät ausgesprochen sonnig und radiotauglich. Mit Falsettstimme schmiegt er sich an eingängigen Soul-Pop, der förmlich nach ein paar zurückgelehnten Tagen am Strand schreit. Dabei führt dieser Beginn ein wenig in die Irre. Dieser fahle Junge hat so viel mehr zu bieten. Bereits in "Wind You Up" offeriert er scharfen Beatbox-Funk.

Deutlich in der Vergangenheit verwurzelt, kennt Bernhoft den Sound seiner Vorbilder Stevie Wonder, Carole King und Sly Stone aus dem Effeff. Doch anstatt sie nur zu kopieren, verfeinert er seine eingängigen Melodien mit dem ein oder anderen Experiment. Im grooveverliebten Funk "Everything Will Be Alright" geht er sogar so weit, diesen mit einem starken Rauschen, dem Plattenkratzen der frühsten CD-Tage, zu beenden.

Der Hauptaugenmerk auf "Islander" liegt auf den 1960ern und 1970ern. Die Blues-Ballade "Don't Let Me Go" könnte sich so auch auf einem der besseren Lenny Kravitz-Alben finden. Mit dem reizenden "No Us, No Them" wagt Bernhoft mitsamt seiner Duett-Partnerin Jill Scott einen Schlenker in Richtung des Neo-Souls der späten 1990er. "Esiwalk", in dem Bernhoft wie bei seinen Liveauftritten seine Stimme in mehrfachen Loops übereinander legt, startet als A-capella-Groove, nur um sich mit zunehmender Spieldauer und gezielt eingesetzen Keyboardsounds bzw. Bassdrum mehr und mehr zu steigern.

Also, wenn noch mal jemand die Frechheit besitzt, dich zu fragen, ob ein solches Weißbrot wie Bernhoft überhaupt Soul und Funk kann, antwortest du ab sofort ohne nachzudenken mit einem deutlichen 'Ja!'. Denn nicht Hautfarbe, sondern die Seele und das Herz machen die Musik. Und beide scheinen bei diesem Norweger am richtigen Fleck.

Auch wenn das ein oder andere Experiment auf "Islander" nicht ganz zündet, legt Bernthof einen empfehlenswerten Longplayer vor, dem vermutlich nicht die Aufmerksamkeit zukommen wird, die er verdient hat.

Trackliste

  1. 1. Come Around With Me
  2. 2. Wind You Up
  3. 3. Freedom
  4. 4. Don't Let Me Go
  5. 5. Chale Skit
  6. 6. Everything Will Be Allright
  7. 7. One Way Track
  8. 8. No Us, No Them ft. Jill Scott
  9. 9. Arsy Skit
  10. 10. Esiwalk
  11. 11. I Believe In All Things You Don't

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2 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Geiler Typ! Aber auch mit der Platte schafft er es (noch) nicht seine wahnsinnig musikalische, nahezu perfekte Darbietung und seine unheimlich unterhaltsame Aura die er Live versprüht auf einem Album zu konservieren. Zum Glück kann ich ja auch einfach weiter zu den Konzerten gehen.

  • Vor 7 Jahren

    Da bin ich mal richtig gespannt! Finde auch schon das letzte Album absolut gelungen und kann auch nur bestätigen, dass seine live Performance das Ganze noch weit überragt. Freu mich!