laut.de-Kritik

Mann, der auf Frauennamen steht, trifft auf Erfolgsautor.

Review von

Wenn das mal nicht abzusehen war. Nick Hornby, der britische Autor, der in seinen gefeierten Büchern eigentlich nur über Musik schreibt, hat sich an Liedtexten versucht.

Kein Wunder auch, dass er nicht selbst zum Mikro griff, sondern der US-Musiker Ben Folds, dessen Lieder umgekehrt immer schon Geschichten waren. Aus elf Hornby-Vorlagen schuf Folds die Popsongs für "Lonely Avenue". Mehr Popliteratur geht nicht.

Und dass die Arbeit Spaß gemacht hat, hört man sofort: "A Working Day" übersetzt Nick Hornbys wechselnde Künstlerlaunen innerhalb zweier Minuten in eine irrwitzige Klang-Achterbahn. Die zweite Nummer beweist dann, dass auch die ruhige Gangart funktioniert: "Picture Window" macht aus einer tragischen Krankenhaus-Szenerie zu Neujahr eine eindringliche Klavierballade, die mit Paul Buckmasters Streicher-Arrangements frühe Elton John-Qualitäten erreicht.

Danach schwankt es: "Levi Johnston Blues" langweilt sich im Blues-Schema und schießt mit seinem "Fuckin' redneck"-Refrain genauso übers Ziel hinaus wie "Your Dogs" mit Schlachtruf und "London Calling"-Stimmungsmache.

"Doc Pomus" verliert sich dagegen in Folds-typischen Klavierschleifen und 60s-Nostalgie. Der einstige Frontmann der Ben Folds Five findet zu Hornbys sozialkritischen Texten keinen wirklichen Zugang, so scheint es.

Folds, der Pop-Charmeur blüht erst wieder auf, und das kennt man aus seiner Diskographie, wenn Frauennamen im Songtitel vorkommen: "Practical Amanda" entwickelt sich zum pointierten Piano-Poem und "Claire's Ninth", das vom Geburtstag eines Scheidungskinds erzählt, zum aufgeweckten Stakkato-Pop.

Doch im ambitionierten Popspiel kostet jeder Glücksfall einen Ausfall. "Password" rührt im soften R'n'B-Vibe eine popliterarische Buchstabensuppe zusammen und "Saskia Hamilton" schmeißt alles von Tribal bis Punk in den Schnellkochtopf. Im Booklet sieht das Chaos noch ganz lustig aus. Durch Lautsprecher klingt es ziemlich schlimm.

Was "Lonely Avenue" als Kollaboration am Ende bemerkenswert macht, ist der schlaue Blick aufs Künstlersein an sich. In "Belinda" gelingt den Beiden mit der Nachahmung eines alten Hits wie nebenbei ein neuer. Und "From Above" blickt in einem packenden Up-Tempo-Song allwissend auf Seelenverwandte, die nebenan wohnen und doch ihr Leben lang nicht zusammen finden.

Da kann man von Glück sagen, dass es bei Hornby und Folds wenigstens bei der Hälfte der Songs geklappt hat.

Trackliste

  1. 1. A Working Day
  2. 2. Picture Window
  3. 3. Levi Johnston's Blues
  4. 4. Doc Pomus
  5. 5. Your Dogs
  6. 6. Practical Amanda
  7. 7. Claire's Ninth
  8. 8. Password
  9. 9. From Above
  10. 10. Saskia Hamilton
  11. 11. Belinda

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