laut.de-Kritik

Wendiger Genre-Hüpfer im Remix.

Review von

Ein komplettes Studioalbum im Remix-Format. Kein gängiges Ansinnen eines Künstlers aus dem Alternative Rock-Kontext. Gut, Mike Patton würde sein gerade erschienenes Album auch nochmal mit den Prager Symphonikern sowie in der Neu-Vertonung einer tibetanischen Bambusflöten-Pilgergruppe veröffentlichen. Beide Alben am selben Tag, versteht sich.

Doch auch Beck ist nicht irgendwer, vielmehr ein recht wendiger Genre-Hüpfer, mittlerweile sogar so wendig, dass sich seine Zuschauer zumindest in Deutschland verschreckt von den diesjährigen Konzerten fernhielten. Eine Schande, wo doch "Guero" eine so schöne Platte geworden ist, der nur engstirnige Gesellen einen unzeitgemäßen Rückfall in samplewütige "Odelay"-Zeiten zum Vorwurf machten. Ironischerweise liegt gerade hier das Problem des kleinen Guerolitos: Je mehr man eine Platte liebt, desto schwerer kann eine neue, in diesem Fall: eine Remix-Platte mithalten.

Oder wie Kollege Cordas seinerzeit angesichts der Linkin Park'schen Remix-Offensive murrte: "Selten quetschen Neubearbeitungen aus dem Ausgangsmaterial mehr heraus, als bereits in ihnen steckt." Hell Yes! Hervor stechende Ausnahme: selbiger Titel. An sich schon ein discoider Burn Out-Track, brutzelte die Commodore-Version des mir unbekannten Techno-Acts 8Bit bereits beim erstmaligen Hören vor Monaten im Plattenladen den letzten Funken Anstand aus mir heraus, und stellte dem Saphir des örtlichen Plattenspielers um ein Haar ein Gros der meinigen Mähne vor. Momente, die haften bleiben.

Dazu könnten auch bald die fünfeinhalb Minuten Boards Of Canada gehören, die sich auf "Broken Drum" in ätherischer Hochform präsentieren, während Air ihr Händchen für gefühlige Atmosphären an "Missing" ebenfalls angenehm auslassen. Der für innovative Soundspielereien bekannte Underground-Hip Hopper El-P (Rawkus Records/Def Jux), den Zack De La Rocha vor zwei Jahren für sein noch unbekanntes Solodebüt engagierte, schickt "Scarecrow" über einen Beat-Teppich und Beastie Boy Adrock konnte am galaktischen "Black Tambourine" eh nur scheitern.

Den "Farewell Ride" verrocken die California-Hip Hopper Subtle, denen wiederum Signore Gretschmann einstmals auf die Beat-Pelle rückte, und Becks alter Remix-Bekannter John King, nicht zu verwechseln mit dem Go4-Frontmann ähnlichen Namens, spielt ein bisschen auf dem Korg-Synthie rum wie vor 25 Jahren die Eurythmics ("Rental Car"). Kann man machen, muss man nicht. Somit ist auch "Guerolito" nur das leidige Schicksal eines jeden Remix-Albums beschieden: Nirgends ist so viel Licht, dass nicht auch Gevatter Schatten ums Eck lugen könnte. Kuckuck!

Trackliste

  1. 1. Ghost Range (E-Pro by Homelife)
  2. 2. Que' Onda Guero (Islands)
  3. 3. Girl (Octet)
  4. 4. Missing (Heaven Hammer by Air)
  5. 5. Black Tambourine (Shake Shake Tambourine by Adrock)
  6. 6. Earthquake Weather (Terremoto Tempo by Mario C)
  7. 7. Hell Yes (Ghettochip Malfunction by 8Bit)
  8. 8. Broken Drum (Boards Of Canada)
  9. 9. Scarecrow (El-P)
  10. 10. Go It Alone (Wish Coin by Diplo)
  11. 11. Farewell Ride (Subtle)
  12. 12. Rental Car (John King)
  13. 13. Emergency Exit (Th' Corn Gangg)
  14. 14. Clap Hands

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