laut.de-Kritik

Die jungen Wilden verwandeln auch Ihr Haus in eine Garage.

Review von

Hier haben wir eine Band, die wilde Rockmusik macht, deren Mitglieder sich in der Schule kennen lernten und im zarten Durchschnittsalter von etwa 17 Jahren schon auf den ganz großen Bühnen spielen. Und, nein, wir befinden uns nicht in Magdeburg. Diese Band macht wirklich Rockmusik und frisst kreischende Mädchen wahrscheinlich mit Haut und Haaren zum Frühstück.

Und dabei gibt bei Be Your Own Pet ein kreischendes Mädchen den Ton an: Jemina Pearl sorgt mit ihrem lauten, dennoch kristallklaren Organ und den schmutzigen Ausdrücken auf dem selbstbetitelten Debüt der Formation für den Wiedererkennungswert. Für den ungezähmten Rock'n'Roll dahinter hockt Jamin Orrall hinter den Kesseln. Jonas Stein, dessen erste Bartstoppeln zwar noch in weiter Ferne liegen, malträtiert mit vorzeigbarer Erfahrung seine Gitarrensaiten und der Junge mit dem medizinballgroßen Afro, Nathan Vasquez, spielt sich seinen Daumen am Bass wund.

Auch in der ungefährlich wirkenden Form der CD fährt der Sound der amerikanischen Gören seine Krallen aus und stürzt die Gegend rund um die Lautsprecher ins Chaos. Schon bei "Tresher's Fail" verwandelt sich jedes noch so saubere Heim in eine versiffte Garage mit Zigarettenstummel und Bierflecken auf dem Teppich. Kurzum die perfekte Szenerie für Jonas stark kratzige Gitarre und die häufigen Schlagzeuggewitter. Auch das schreiende Blondchen fühlt sich wohl, Jemina bewegt sich durch ihr Repertoire an rotzigen Ansagen und hohen Quietschtönen wie ein Flummiball.

Beim rasanten "Wildcat!" entwickelt sie dabei eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit den allerdünnsten und schrillsten Gitarrensaiten. Über längere Distanzen geht den jungen Stimmbändern anscheinend die Puste aus: Die meisten Songs straucheln meist abrupt vor der Zweieinhalb-Minuten-Marke. Stücke wie "We Will Vacation, You Can Be My Parasol" zünden wie ein Feuerwerk und produzieren oft nur eine Menge Schall und Rauch.

Für eine durchdachte Struktur und Schnickschnack wie Spannungsbögen fehlt den Kids aus Nashville noch die Geduld. Be Your Own Pet wollen erst mal mit dem Kopf durch die Wand. Einzig "October, First Account" versprüht einen Hauch Melodik, was prompt für Tanzbarkeit sorgt. Warum sich "Stairway To Heaven" namentlich unbedingt an den Klassiker und Gitarrenladenschreck von Led Zeppelin schmiegen muss, ist fraglich. Vor allem, da Jemina das populäre Textstück nur zu Beginn gelangweilt gen Mikro pustet und es danach kein weiteres Mal in den Mund nimmt.

Ansonsten zeigt "Be Your Own Pet" nicht die Spur von Ermüdung, dem Erstwerk des Vierergespanns quillt die Energie quasi aus jeder Pore. Im Gegenschluss bedeutet dies allerdings, dass die Garagerocker vollständig auf Filigranarbeit verzichten. Das ewig Laute strengt nicht nur die schreiende Jemina an, sondern verhindert auch, dass Be Your Own Pet mal über den eigenen Schubladenrand hinausschauen. Aber dafür ist ja bis zur nächsten Platte noch Zeit.

Trackliste

  1. 1. Thresher's Flail
  2. 2. Bunk Trunk Skunk
  3. 3. Bicycle Bicycle, You Are My Bicycle
  4. 4. Wildcat!
  5. 5. Adventure
  6. 6. Fuuuuuun
  7. 7. Stairway To Heaven
  8. 8. Bog
  9. 9. Girls On TV
  10. 10. We Will Vacation, You Can Be My Parasol
  11. 11. Let's Get Sandy (Big Problem)
  12. 12. October, First Account
  13. 13. Love Your Shotgun
  14. 14. Fill My Pill
  15. 15. OUCH

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